27.11.2019 - 14:38 Uhr
NabburgSport

Trotz Reisewarnung und Panzer: Oberpfälzer Bayern-Fans in Belgrad

Im Vorfeld hatten einige ein mulmiges Gefühl. Nach dem 6:0 des FC Bayern in Belgrad waren aber alle Fans happy. Wenngleich es einige skurrile Momente gab, und im Vorfeld des Spiels an der Grenze Schikanen ...

von Josef Maier Kontakt Profil

Die Warnung kam per E-Mail: Die Reise könne gefährlich sein, man solle am besten nicht auffallen, in der Stadt auch keine Fan-Kleidung tragen. Der FC Bayern wies seine mitreisenden Anhänger vor dem Champions-League-Spiel bei Roter Stern Belgrad darauf hin, dass der Trip nach Serbien unter Umständen ungemütlich werden könnte. Das Stadion ist bei jedem Spiel ein Pulverfass. Die Belgrader Fans sind in ganz Europa berühmt berüchtigt. Schon beim Hinspiel in München gab es mit ihnen Probleme.

Die Oberpfälzer Bayern-Fans meldeten aber am Mittwochmorgen aus Belgrad per Whats-App überhaupt keine Probleme. Sie alle konnten die 6:0-Gala der Flick-Elf mit vier Toren von Robert Lewandowski genießen. "Außerhalb ist alles friedlich geblieben", berichtet Michael Hösl. Der junge Nabburger war mit dem Fanclub aus der Stadt: "Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Bedenken wegen der Reisewarnungen." Auch in der Stadt habe es keine Hinweise auf Randale oder ähnliches gegeben. "Aber natürlich war die Stimmung im Stadion, in diesem Hexenkessel, aufgeheizt."

Josef Finster, Chef der Kaisertreuen aus Vilseck, war natürlich wieder mit dabei und fühlte sich absolut sicher. Diese Reisewarnung hätte es nicht gebraucht, meinte er. "Im Zentrum von Belgrad herrschte totale Ruhe." Chaotische Zustände habe es allerdings beim Einlass gegeben. Alles wurde überwacht. Bei der Blocksperre nach dem Spiel habe es auch keine Möglichkeit gegeben, beispielsweise aufs Klo zu gehen. "Aber sonst war alles easy", meinte Finster, den vor allem die Gastfreundschaft der Serben überraschte: "Die waren alle sehr zuvorkommend."

Willi Richtmann hat auch schon viel gesehen. Für gefährlich hielt der Tirschenreuther den Trip ebenfalls nicht. "In der Stadt und vor allem vorm Stadion waren jede Menge Polizisten und Sicherheitsleute." Wenn man sich normal verhalte, passiere überhaupt nichts, meinte der Tirschenreuther. "Es sei toll gewesen. "Hier komme ich jederzeit wieder gerne her." Der Nabburger Fanclub-Boss Bernd Hofmann hatte im Vorfeld der Reise schon gesagt, dass es keine Probleme geben werde, wenn man sich an Regeln halte. Am Mittwochmorgen schrieb Hofmann aus Belgrad: "Es bestand überhaupt kein Anlass zur Sorge. Es gab eine absolute Fantrennung." Und, das sei sehr wichtig: "Wir haben uns immer so verhalten, wie wir es immer in einem fremden Land tun." Die Nabburger hätten keine negativen Zwischenfälle mitbekommen. Die Eingangskontrollen seien aber heftig gewesen. "Uns ist alles abgenommen worden." Auch die Blocksperre von eineinhalb Stunden, so lange mussten die Bayern-Fans nach dem Spiel auf ihren Plätzen ausharren, sei schon heftig gewesen. Hofmann und seine Begleiter fühlten sich aber zu jeder Zeit sicher. Ungewohnt war nur eines: "Wenn man einen Panzer vor dem Stadion sieht, macht das einen schon nachdenklich."

Einige Fans reisten auch mit Bussen auf den Balkan, Finster schätzt, dass es etwa 600 waren. Er berichtet, dass es dort bei der Einreise Wartezeiten von bis zu vier Stunden gegeben habe. "Den Fans sind auch Bier und Schnaps abgenommen worden." Die Busse seien ab der Grenze auch ständig von Sicherheitsbehörden begleitet worden. Das kann Andreas Lippert, Vorsitzender des Bayern-Fanclubs Hohentreswitz, nur bestätigen: "Wir sind uns vorgekommen wie die Staatsfeinde Nummer eins." Die Kontrollen seien sehr scharf gewesen, den Bus zu verlassen war tabu: "Ab Kroatien und besonders in Serbien wurden wir von der Polizei begleitet und wurde behandelt wie ein Lastwagen voller Kühe."

Die Fans waren den ganzen Mittwoch über auf dem Rückweg. Anhänger aus Wildenau, Schmidmühlen, Klardorf, Pfreimd, Vilseck Wackersdorf, Vohenstrauß und, und, und. Insgesamt etwa 3000 Tickets im "Maracana Europas" gingen an Bayern-Fans. Und die wunderten sich, dass die Belgrader Fans trotz der Klatsche bis zum Schluss Stimmung machten. Hösl: "Die feierten, als hätten sie den Pott geholt."

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