18.03.2020 - 16:08 Uhr
Neudorf/Luhe-WildenauSport

Von Neudorf nach Vuokatti: Langläuferin Reisnecker startet durch

In diesem Winter war in der Oberpfalz das Langlaufen kaum möglich. Die Talente der Region gehen da ihre eigenen Wege. Eine junge Neudorferin macht da beste Fortschritte.

Miriam Reisnecker bei den Jugend-Weltmeisterschaften vor knapp drei Wochen in Oberwiesenthal.
von Josef Maier Kontakt Profil

Diese 10 a ist wirklich eine kunterbunt zusammengewürfelte Klasse. In dieser Klasse ist fast alles drin: "Eisschnellläufer, Biathleten, Alpine, Ski-Crosser und natürlich auch Skilangläufer", zählt Miriam Reisnecker auf, die diesen Mix absolut klasse findet. Reisnecker besucht seit dem Herbst vergangenen Jahres das berühmte Christophorus-Gymnasium in Berchtesgaden, in dem Wintersportler ausgebildet werden, und ist dort auch im Internat untergebracht. Nachdem sie an der Sophie-Scholl-Realschule, wo sie als Sportlerin schon gut unterstützt wurde, die mittlere Reife gemacht hatte, wechselte sie an den Königssee. "Wir verstehen uns alle super", erzählt die 16-Jährige aus Neudorf (Kreis Neustadt/WN). "Und wir tauschen uns natürlich viel über unseren Sport aus." Denn fast genauso wichtig wie der Stundenplan ist der Trainingsplan. Der Stundenplan hängt auf Papier überm Schreibtisch, "den Trainingsplan gibt's wöchentlich digital", verrät sie.

Von der Oberpfalz nach Oberbayern

Reisnecker gilt als großes Talent im deutschen Skilanglauf. Mit dem Wechsel von der Oberpfalz nach Oberbayern hat sie nochmals einen Leistungsschub gemacht. In diesem Winter kamen schon internationale Einsätze dazu. Für die Olympischen Jugend-Winterspiele in Lausanne konnte sie sich zwar nicht qualifizieren, dafür war sie für den Deutschen Skiverband (DSV) beim Continental-Cup im italienischen Tarvisio dabei. Ein vierter Platz ist für Sportler ja meist ärgerlich, für Reisnecker war er das größte: "Das war das beste Rennen von mir in diesem Winter, da hat alles geklappt." Im Sprint (Skating) überraschte sie selbst ihre Trainer. Da zeigte sie, dass sie vor allem auf den kurzen Strecken ein hoffnungsvolles Talent für den DSV ist. Tarvisio war aber auch aus einem anderen Grund sehr wichtig für die junge Langläuferin: "Das war natürlich alles sehr neu für mich." Aber etablierte Athletinnen, wie die Weltcup-Starterin Victoria Carl, hätten sich um sie gekümmert: "Die waren alle so nett. Die haben mich überall mit hingenommen."

Auch bei der Jugend-Weltmeisterschaft in Oberwiesenthal vor gut zwei Wochen deutete die Oberpfälzerin ihre Klasse an. Platz 43 im Sprint hört sich auf den ersten Blick nicht ganz prickelnd an. "Aber das Feld lag ergebnismäßig wahnsinnig eng beieinander", erklärt sie. Auch bei den Titelkämpfen in Sachsen war der Lerneffekt wichtig: "Vielleicht habe ich mir selbst auch zu viel Druck gemacht", analysiert sie die Auftritte ganz ehrlich. Dennoch kommt sie für diese Winter-Saison, die wegen der Coronakrise zwei Wochen früher als geplant endete, zu einem tollen Fazit: "Mit dieser persönlichen Entwicklung habe ich nicht gerechnet."

Internatsschüler auf Tour

Natürlich fiebern sie auch in Neudorf mit ihrer Miriam mit. Papa Reiner und Mama Martina feuerten ihre Tochter auch in Tarvisio an der Strecke an. Ihrer Heimat ist Reisnecker trotz des Wechsels nach Berchtesgaden stark verbunden. Sie läuft weiterhin für den SC Monte Kaolino Hirschau. "Ich bin hier groß geworden", sagt sie. "Hier habe ich auch meine Technik gelernt." Bei Leuten wie Wolfgang Bosser oder Johannes Pfab, die geduldig mit ihr waren, bis sie den richtigen Schritt setzte. Mit dem Papa oder den Brüdern Simon und David war die kleine Miriam früher oft am Rotbühlsender beim Langlaufen. "Heuer ging das ja nicht so gut", meint die junge Athletin. Zeit hätte sie auch kaum gehabt. Wenn andere Internatsschüler am Wochenende heimfahren, gehen die Sportler aus Berchtesgaden auf Wettkampftour.

Weiter im DSV-Förderkader

Das wird auch nächsten Winter so sein. "Und da", so sagt Reisnecker, die weiterhin dem DSV-Förderkader der jüngsten Athleten angehört, "habe ich ein großes Ziel." Sie will nach - Vuokatti. Wohin? "Vuokatti, das liegt in Finnland", erklärt die Neudorferin. Dort findet im Februar 2021 das "European Youth Olympic Festival" statt, eine Art europäisches Jugend-Olympia. Wenn sie dann von dem Städtchen, gut 500 Kilometer nördlich von Helsinki, zurückkäme, hätte sie in ihrer bunt zusammengewürfelten Klasse jede Menge zu erzählen.

Miriam Reisnecker.
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