Die neue Eisschnelllauf-Bundestrainerin Claudia Pechstein könnte sich vorstellen, in die Sportpolitik zu wechseln. „Ich brenne gerade für meine neue Aufgabe, da steckt mein ganzes Herzblut drin. Aber wer mich kennt, weiß: Ich habe mich nie versteckt, wenn es darum ging, Verantwortung zu übernehmen“, antwortete die fünfmalige Olympiasiegerin in der „Bild am Sonntag“ auf die Frage, ob sie als Staatsministerin für Sport und Ehrenamt zur Verfügung stehen würde. Sie kandidierte 2021 für die CDU für den Bundestag, scheiterte aber als Direktkandidatin im Berliner Wahlkreis Treptow-Köpenick.
Die Position im Sportstaatsministerium ist derzeit vakant, nachdem Christiane Schenderlein (CDU) Ende Juli nach nur 14 Monaten in dem neu geschaffenen Amt gehen musste und als parlamentarische Staatssekretärin ins Gesundheitsministerium wechselte. Die Nachfolge lässt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bislang offen.
Zumindest in der öffentlichen Debatte werden derzeit keine konkreten Kandidaten gehandelt - auch nicht der Name Pechstein. „Wenn der Bundeskanzler der Überzeugung ist, dass jemand wie ich den deutschen Sport auf politischer Ebene nach vorn bringen kann, dann würde ich mich einem solchen Gespräch selbstverständlich nicht verschließen“, sagte Pechstein.
Pechstein ist bei der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) seit dem 1. August fest als Bundestrainerin in der Disziplin Allround tätig. Die 54 Jahre alte Lebensgefährtin des DESG-Präsidenten Matthias Große folgte auf Alexis Contin, der in seiner Heimat die Entwicklung der Nationalmannschaft mit Blick auf die Winterspiele 2030 in Frankreich fördern soll. Contin hatte bei den Winterspielen in Mailand unfreiwillig im Mittelpunkt gestanden, nachdem Eisschnellläufer Fridtjof Petzold ein gestörtes Verhältnis angeprangert hatte.
Deutsches Eisschnelllaufen in der Krise
Die DESG war bei Olympia in Italien im Winter ohne Medaille geblieben - bereits zum vierten Mal in Serie. Bei der sogenannten Potenzialanalyse (Potas) schnitten die einst so erfolgreichen Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer schwach ab. Der Bereich Eisschnelllauf Männer belegte unter den 38 Disziplingruppen den 23. Platz, der Bereich Eisschnelllauf Frauen sogar nur den 26. Rang. Mit Hilfe von Potas sollen die Fördergelder des Bundes stärker anhand von Erfolgserwartungen und Medaillenchancen verteilt werden.
Geplante Strukturreform in der Kritik - Pechstein dafür
Die von Pechsteins Lebensgefährten Große angeführte DESG-Spitze stand zuletzt immer wieder in der Kritik. So ist eine Strukturreform geplant.
Auf Vorwürfe der Vetternwirtschaft aufgrund ihres Verhältnisses zu Große reagiert Pechstein gelassen: „Es gibt die, die sagen: "Mensch, klasse" und es gibt die, die was dagegen haben, egal was wir tun. Doch die sollten mal lieber vor ihrer eigenen Haustür kehren.“
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