16.07.2019 - 19:17 Uhr
Neustadt an der WaldnaabSport

Daten-Klau: Eintracht Frankfurt mit Ablenkungsmanöver

Jetzt gibt es den Zweikampf vor Gericht: Die Fußball-Datenbank ISB aus Neustadt/WN beschäftigt der Daten-Skandal weiter tagtäglich. Nur Eintracht Frankfurt scheint das nicht zu interessieren und verfolgt eine Ablenkungsstrategie.

Die Frankfurter Fans gelten als mit die besten der Liga. Der Klub macht aber auf einem anderen Parkett derzeit keine so gute Figur.
von Josef Maier Kontakt Profil

Da war ganz, ganz sicher kein ernsthaftes Interesse im Spiel: Sogar eine Videosequenz von Kylian Mbappé wurde angeschaut. Den französischen Weltmeister und Weltstar hätten sie bei Eintracht Frankfurt sicherlich auch ganz gerne, doch der Junge aus Paris kostet dann doch ein paar Milliönchen zu viel. Da wird wohl einer ein bisschen geträumt haben.

In der "Sport-Bild"

Der Datenklau im deutschen Profifußball treibt manchmal schon komische Blüten. Bundesligist Eintracht Frankfurt steht ja in Verdacht, tausendfach illegal auf Spielerdaten und Videomaterial der Fußball-Datenbank der International Soccer Bank (ISB) zugegriffen zu haben. Die Zugangsdaten, auf die Eintracht-Leute illegal Zugriffsdaten haben, stammen vom Bundesliga-Konkurrenten RB Leipzig. Die ISB sitzt in NeustadtWN, hier in der nördlichen Oberpfalz werden Millionen Daten von Spielern und Videos von Spielen eingepflegt. "Wir würden uns gerne nur unserem Hauptgeschäft widmen", sagte Geschäftsführer Jürgen Kost am Dienstag. Aber natürlich wird er ständig auf diese Sache angesprochen. Jüngst berichtete erst die "Sport-Bild" darüber.

"Ein Kavaliersdelikt"

Wen diese Geschichte anscheinend weniger interessiert, sind die Frankfurter: "Wir werden von der Eintracht immer noch nicht wahrgenommen", sagt der ehemalige Fußballer. "Die halten den Datenklau anscheinend für ein Kavaliersdelikt." Die ganze Sache ist schon länger einem Anwalt übergeben. Kost weiß, dass auch die Eintracht mittlerweile einen Anwalt eingeschaltet hat. Kontaktaufnahme sei aber noch nicht erfolgt.

Darum geht es im Fall ISB gegen Eintracht Frankfurt

Neustadt an der Waldnaab

Andere Einigung möglich

Mit Unverständnis hat der ISB-Geschäftsführer auch vernommen, dass sich die Eintracht-Vertreter jüngst auf einer Pressekonferenz zur Sache äußerten und beklagten, die Oberpfälzer hätten sich nicht bei ihnen gemeldet. Kost kontert: "Das ist falsch. Wir haben versucht, Kontakt aufzunehmen." Man sei auch an einer außergerichtlichen Einigung sehr interessiert gewesen. Verwundert nimmt der Neustädter zudem zur Kenntnis, dass bei der Eintracht versucht wird, die ganze Geschichte strikt zwischen dem Verein (e.V.) und dem Profibereich (Eintracht AG) zu trennen. Dabei säße, so Kost, mit dem Chefscout einer, der illegal Zugriff auf die Zugangsdaten hatte, gerade eben im Profitrakt. Man versuche aber, alles auf einen mittlerweile entlassenen Trainer der U17 abzuwälzen. "Wenn sie sich aber ein Spiel Atlético Madrid II gegen Real Madrid II bei uns anschauen, dann ist das sicherlich nicht für die U17 bestimmt." Und wenn, wie geschehen, ein Zugriff auf das Datenprofil von Union-Berlin-Profi Sebastian Polter erfolgt, dann sei das für die U17 auch nicht interessant.

Auch mobile Zugriffe?

Gut 5600 illegale Zugriffe über die Eintracht-Geschäftsstelle sind dokumentiert. Kost vermutet aber, dass es noch weitere unerlaubte Einblicke in die Datenbank gab: "Nicht eingerechnet sind da ja die mobilen Zugriffe über Smartphones und Laptops." Ob und wie viele es gegeben habe, werde derzeit noch geprüft. Der Datenklau verfolgt die Oberpfälzer somit tagtäglich. Am meisten nervt Kost aber das Verhalten der Eintracht: "Das ist respektlos."

Hintergrund:

Interview mit ISB-Anwalt Daniel Heilmeier zum Datenskandal

Mit der Vertretung ihrer Anliegen beim Datenklau hat die International Soccer Bank (ISB) mit Sitz in Neustadt/WN die Anwaltskanzlei Rößner in Dachau beauftragt. Rechtsanwalt Daniel Heilmeier hat sich intensiv in die Materie eingearbeitet.

Hallo Herr Heilmeier, was wirft die ISB dem Eintracht Frankfurt e.V. genau vor?

Daniel Heilmeier: Wir werfen der Eintracht die rechtswidrige Nutzung der von ISB betriebenen Datenbank über einen Zeitraum von 22 Monaten vor.

Wie hoch ist die Schadenssumme?

Die genaue Schadenssumme kann derzeit noch nicht beziffert werden. Mit der Klage wird Feststellung begehrt, dass Eintracht Frankfurt e.V. zum Ersatz sämtlicher entstandener und entstehender Schäden verpflichtet ist. Bislang bezifferbar und mit der Klage geltend gemacht wurde ein Betrag in Höhe von 43303,76 Euro. Der vorläufige Streitwert der Klage beläuft sich auf 103303,76 Euro.

Gab es bisher Kontakt zu Vertretern von Eintracht Frankfurt?

Zunächst gab es Gespräche mit dem Justiziar der Eintracht Frankfurt AG. Eine Reaktion seitens Eintracht Frankfurt e.V. ist nicht erfolgt.

Erfolgt nochmals eine Kontaktaufnahme?

Im laufenden Gerichtsverfahren erfolgt keine weitere Kontaktaufnahme, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Eintracht Frankfurt e.V. zwischenzeitlich anwaltlich vertreten ist.

Wie lange kann sich die ganze Sache hinziehen?

In diesem frühen Verfahrensstadium ist es kaum möglich, die Verfahrensdauer zuverlässig abzuschätzen. Diese hängt insbesondere auch vom weiteren Verhalten des Eintracht Frankfurt e.V. im Prozess ab. Auf Grundlage des bisherigen Verhaltens ist jedoch davon auszugehen, dass das Landgericht in der Angelegenheit durch Urteil entscheiden wird.

Wie sehen Sie die Erfolgsaussichten in diesem Fall?

Die Zugriffe auf die Datenbank sind rechtssicher dokumentiert und wurden bislang nicht in Abrede gestellt. Die Auswertung der weiteren, vorliegenden Daten durch ISB dauert an. Es wurden lediglich nachweisbare Schadensersatzpositionen beziffert, so dass wir hinsichtlich des Ausgangs des Verfahrens zuversichtlich sind.

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