28.05.2019 - 18:14 Uhr
Neustadt an der WaldnaabSport

Neustädter Kost kontert Eintracht-Boss beim Daten-Skandal

Die "Bild"-Zeitung spricht vom Spionage-Skandal im deutschen Profifußball. Und nennt als geschädigten RB Leipzig. Dabei säßen die wahren Geschädigten in der Oberpfalz, sagt der Neustädter Jürgen Kost.

Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt: Die Hessen sind bisher nicht auf die International Soccer Bank (ISB) aus Neustadt/WN zugegangen. Die Oberpfälzer haben jetzt Klage eingereicht.
von Josef Maier Kontakt Profil

Es hat ein bisschen was von einem Kriminalfall: Zugangsdaten werden hin- und hergeschoben, illegale Zugriffe auf Datenbanken, es gibt Mauscheleien und vielleicht sogar noch mehr? Und es gibt einige, die so tun, als hätten sie keine Ahnung von dem Ganzen. Der Datenklau im Profifußball, den am Montag das Unternehmen International Soccer Bank (ISB) aus Neustadt/WN publik machte, hat sogleich die "Bild"-Zeitung auf den Plan gerufen: "Spionage-Skandal in der Bundesliga", titelte das Boulevardblatt auf Seite 1 und nennt Rasenballsport Leipzig - vom Ligakonkurrenten Eintracht Frankfurt hinters Licht geführt - als den großen Verlierer der Datenklau-Geschichte.

Daten-Skandal: Leidtragender ist ein Unternehmen aus der Oberpfalz.

Neustadt an der Waldnaab

ISB-Geschäftsführer Jürgen Kost hat's gelesen und muss, obwohl noch immer stocksauer, schmunzeln: "Die wahren Geschädigten sind wir". Über zwei Jahre hatten Mitarbeiter von Eintracht Frankfurt illegal Zugriff auf Informationen der Fußballdatenbank. Ein Mitarbeiter von RB hat die Zugangsdaten unberechtigterweise einem Eintracht-Jugendtrainer zugesteckt. "Die ISB kann da überhaupt nichts machen", erklärt Kost, der zusammen mit seinem Bruder Thomas das Unternehmen leitet. "Wir legen einen sehr, sehr hohen Wert auf Sicherheit", sagte der 53-jährige Neustädter am Dienstag weiter. "Aber dass das System so ausgehebelt wird, war für uns unvorstellbar." Durch die illegalen Zugriffe - mehr als 5500 sind bisher belegt - ist dem Unternehmen aus der nördlichen Oberpfalz hoher Schaden entstanden. Normalerweise zahlt ein Bundesligist für den Zugang zu Millionen von Daten über Fußballer fast auf der ganzen Welt 17 000 Euro fürs Jahres-Abo.

Am Dienstag machten die Oberpfälzer ernst, wie Kost sagt: "Wir haben heute an einem Frankfurter Gericht Klage eingereicht." Die Neustädter wollen eine Summe im mittleren sechsstelligen Bereich von der Frankfurter Eintracht haben.

Auf den hessischen Bundesligisten ist der ISB-Geschäftsführer richtig sauer. Vor allem, wenn er liest, was Eintracht-Präsident Peter Fischer in der "Bild" sagte: "Sobald der Datenbankbetreiber ISB eine schlüssige Aufstellung und Herleitung der Ansprüche dem Grunde und der Höhe nach vorlegt, werden wir uns damit auseinandersetzen. Das war bisher nicht der Fall." Kost schüttelt mit dem Kopf und kontert scharf: "Die schlüssige Auflistung liegt seit Ende März bei der Eintracht. Seitdem tut sich nichts." Es gäbe keine Reaktion von Seiten der Eintracht, keine Entschuldigung, nichts. "Das alles findet bei den Frankfurtern keinerlei Beachtung."

Gehandelt haben die Frankfurter nur intern. Der U17-Trainer der Eintracht, der sich die Zugangsdaten zur Datenbank besorgt hatte, sei mittlerweile gefeuert worden, heißt es in der "Bild"-Zeitung. "Das ist doch nur ein Bauernopfer", meint Kost. Es gebe Belege, dass auch andere Eintracht-Mitarbeiter illegal Zugriff auf die ISB-Datenbank, und damit auch zu Informationen, die nur für die Leipziger bestimmt waren, hatten. RB hat den Mitarbeiter in New York mittlerweile auch entlassen. Eintracht-Präsident Peter Fischer bestreitet derweil, dass sich sein Verein durch die Zugriffe Vorteile im Werben um Talente verschafft habe.

Ein weiteres Wort über die ISB verlor er nicht. Dafür kriegt er jetzt ordentlich Anwaltspost aus München.

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