14.06.2020 - 12:55 Uhr
NürnbergSport

Nach 0:1 gegen Fürth: Nicht mal mehr Mitleid für den Club

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Derbyniederlagen tun doppelt weh. Und noch ärgerlicher macht die Nürnberger, dass sie am Samstag im Geister-Heimspiel gegen Fürth quasi aus den "eigenen Reihen" besiegt werden.

David Raum (rechts), der aus Nürnberg stammt, feiert sein entscheidendes Tor für die Fürther gegen den Club.
von Josef Maier Kontakt Profil

Fehler machen sie derzeit beim 1. FC Nürnberg viele. Diesen Fehler machten die Verantwortlichen des Clubs aber nicht jetzt, sondern schon vor Jahren. Da kickte ein kleiner, blonder Bub direkt vor ihrer Haustür bei Tuspo Nürnberg. Der talentierte kleine Bengel verließ mit acht Jahren die Nürnberger Stadtgrenze Richtung Norden, nach Fürth. Dem Club war David nicht aufgefallen.

Der aktuelle Spielbericht zum Frankenderby

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Am Samstag konnten die Nürnberger nun beim Geister-Heimspiel beobachten, dass aus dem kleinen Bub nicht nur ein stattlicher junger Mann geworden ist, sondern auch ein guter Fußballer. David Raum machte im Frankenderby beim 1:0 der Fürther das entscheidende Tor (56.). Raum hatte zu viel Platz, weil ihn Enrico Valentini am Fünfmeterraum vergessen hatte. "Wir wollen niemand reindrücken, wir wollten nur die drei Punkte", sagte der Siegtorschütze, der zur Pause eingewechselt worden war, nach der Partie. Schadenfreude gegenüber dem Club gebe es nicht, versicherte der 22-Jährige. Aber natürlich war es auch ihm eine Genugtuung, ausgerechnet im Derby getroffen zu haben. "Dave brauchte in diesem Spiel keine Extramotivation", sagte sein Trainer Stefan Leitl, der voll des Lobes über den schönen Spielzug war, der zur Entscheidung führte. "Das war ein richtig schönes Tor. Super herausgespielt." Julian Green legte den Ball mit superweicher Flanke auf Raums Kopf.

"Wir sind hinten einfach zu instabil", fluchte ausgerechnet Club-Verteidiger Valentini, der nicht aufgepasst hatte. Und vorne haderten sie wieder einmal mit der Chancenverwertung. "Es waren Möglichkeiten da, aber wir schließen dann oftmals zu hektisch ab", suchte Kapitän Hanno Behrens nach Erklärungen. Die ganz großen Chancen hatten die Clubberer aber nicht. Robin Hack drei Mal, Patrick Erras zwei Mal oder Valentini und der eingewechselte Felix Lohkemper - es waren nette Versuche, mehr nicht. Aufschrecken sollte die abstiegsgefährdeten Clubberer auch die Analyse ihres Trainers: "Nach dem 0:1 haben wir nicht mehr die Mittel gefunden, ins Spiel zurückgekommen," meinte Jens Keller, der unmittelbar nach Abpfiff von Sportvorstand Robert Palikuca eine Jobgarantie erhielt. Eigentlich ein vernichtendes Urteil für eine Mannschaft, die mit aller Macht den Doppel-Absturz verhindern soll. Die Partie am Dienstag beim SV Wehen dürfte eine der wichtigsten in der jüngeren Vereinsgeschichte werden.

Abstiegssorgen hat die SpVgg Greuther Fürth nicht mehr. Mit dem ersten Sieg nach dem Re-Start der 2. Bundesliga ist die Klasse gesichert. Nur darum ging es, versuchte Trainer Stefan Leitl zu versichern. Dass der Club jetzt noch tiefer im Schlamassel stecke, sei nicht sein Ding. Leitl spielte selbst für den 1. FC Nürnberg. Von 1999 bis 2001 stand der 42-jährige Ismaninger beim Altmeister aus Franken unter Vertrag. "Im Sport gibt es kein Mitleid", sagte Leitl, noch einmal auf die Absturzgefahr des Clubs angesprochen. Nicht einmal selbiges bekommt der 1. FC Nürnberg in diesen schweren Wochen geschenkt.

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