20.05.2019 - 18:52 Uhr
NürnbergSport

Canadi kriegt mehr Zeit

Jetzt hat auch der 1. FC Nürnberg seinen Österreicher auf der Bank. Zwar mit wenig Wiener Schmäh, aber mit klaren Vorstellungen. Damir Canadi hat einen einzigen Auftrag, und dafür etwas mehr Zeit als vorher gedacht.

Damir Canadi stellte sich am Montag als neuer Trainer des 1. FC Nürnberg vor.
von Josef Maier Kontakt Profil

Der Ort der Präsentation war bewusst gewählt. Nicht drüben in der Pressekammer am Trainingsgelände wurde am Montag der neue Trainer vorgestellt, sondern in einem VIP-Raum des Max-Morlock-Stadions. Der 1. FC Nürnberg, obwohl frisch abgestiegen, ist immer noch eine Hausnummer im deutschen Fußball und für Medien von Interesse. Da braucht es Platz.

Das mit der Hausnummer weiß auch Damir Canadi, der ab Mitte Juni beim Zweitligisten auf dem Trainingsplatz das Sagen haben wird: "Ich kenne den Club aus meiner Kindheit. Wenn so ein großer Klub an einen herantritt, dann macht man das", sagte der 49-Jährige am Montag bei seiner ersten FCN-Pressekonferenz. So ein Kompliment tut der Nürnberger Seele in diesen Tagen besonders gut.

Denn seit vergangenem Samstag ist der Club wieder etwas kleiner, doch Canadi soll das ändern: "Ob der Aufstieg ein Muss ist, weiß ich nicht", sagte er zwar. Aber natürlich weiß er es. Sportvorstand Robert Palikuca nahm aber sogleich etwas Druck vom neuen Mann: "Die Vertragslaufzeit von Damir beträgt zwei Jahre. Innerhalb dieser Zeit wollen wir das Ziel erreichen."

Sehr gute Mannschaft

Mit einem Mann, der zuletzt erfolgreich in Griechenland gearbeitet hat. Mit dem Außenseiter Atromitos Athen ärgerte er so manchen Spitzenklub dort, landete auf Platz vier in der Liga. Und, was für Nürnberg ganz wichtig ist, man sagt ihm voraus, dass er mit kleinem Budget Großes anstellen könne. "Mal schauen, was ich hier dann für ein Budget habe." Dass sich was im Kader ändern werde, sei auch ihm klar. Konkrete Personalien konnte er aber noch nicht nennen. Den Club habe er zuletzt intensiv verfolgt und meinte dann wohl eher pflichtgemäß: "Eine sehr, sehr gute Mannschaft."

In der Teamführung hält sich Canadi für "sehr kommunikativ". Nach außen hin war er das bei seiner Vorstellung weniger. Er ist kein typischer Wiener mit Schmäh. Seine Ausführungen sind präzise, kurz und knapp.

Er freue sich natürlich, die Chance zu haben, hier etwas aufzubauen, erklärte er. So einen Fußballer, wie er es einst war, will er aber wahrscheinlich nicht in der Mannschaft haben: "Ich war hochtalentiert, aber ich habe wohl nicht genug investiert." Als Trainer war er schon ehrgeiziger: "Ich habe in der sechsten Liga begonnen." Akribisch arbeitete er sich nach oben. Beim SC Leopoldsdorf, einem kleinen Klub nahe Wien, war er Spielertrainer. Später führte er den SCR Altach sogar in die Europa-League. Sein Gastspiel bei Rapid Wien war dagegen weniger erfolgreich. Dann kam Athen und wurde zum Sprungbrett: "Ich wollte immer in Deutschland arbeiten."

Vorher nicht gekannt

Sportvorstand Palikuca verriet, dass er auch noch mit zwei anderen Trainerkandidaten intensive Gespräche geführt hatte. Canadi überzeugte ihn vollends. "Wir haben uns vorher auch nicht gekannt", räumte Palikuca noch mit einem Märchen auf.

Jetzt soll der deutsche Profifußball die beiden neuen Club-Chefs kennenlernen. "Wir haben eine ganz klare Zielvorgabe. Den Verein in der Bundesliga zu etablieren." Das Wort Bundesliga betonte Palikuca dabei ganz besonders.

Hintergrund:

Matheus Pereira soll beim Club bleiben

Es gab nicht viele Gewinner beim 1. FC Nürnberg in der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Einer war sicherlich Torhüter Christian Mathenia, ein andere gegen Ende hin Matheus Pereira. Der Leihspieler von Sporting Lissabon brachte wenigstens etwas Kreativität ins Club-Spiel. „Er wurde jetzt von seinem Verein zurückbeordert“, sagte FCN-Sportvorstand Robert Palikuca am Montag. „Das ist ganz normal.“ Der 22-Jährige kuriert seine Oberschenkelverletzung, die er Anfang Mai in Wolfsburg erlitten hatte, in Portugal aus. „Danach macht er erst einmal Urlaub bei seiner Familie in Brasilien“, wusste Palikuca. Dass der Offensivmann vielleicht noch ein Jahr auf Leihbasis in Nürnberg bleibt, darauf spekulieren nicht nur die Club-Fans, sondern auch der Sportvorstand: „Ich hoffe es auch.“

Derweil nimmt der Club laut eines Berichts der „Bild“ Abwehrspieler Oliver Sorg von Mit-Absteiger Hannover 96 ablösefrei unter Vertrag. „Natürlich ist der Spieler mir bekannt und ich weiß, dass sein Vertrag in Hannover ausläuft. Aber mehr gibt es zu diesem Gerücht von mir nicht zu sagen“, sagte Palikuca.

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