Nürnberg
07.12.2025 - 18:00 Uhr
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Irres Frankenderby: Wie aus dem Derby-Langweiler 1. FC Nürnberg gegen Fürth ein Fußballfest wurde

Was für ein Spektakel nach der Pause: Der 1. FC Nürnberg und die SpVgg Greuther Fürth trennen sich im 275. Frankenderby am Sonntag 2:2. Die Frage bleibt: Was war im Pausentee?

Nürnbergs Berkay Yılmaz (links) gegen den Fürther Maximilian Dietz. Das Derby nahm nach der Pause richtig Fahrt auf. Bild: Daniel Karmann/dpa
Nürnbergs Berkay Yılmaz (links) gegen den Fürther Maximilian Dietz. Das Derby nahm nach der Pause richtig Fahrt auf.

In der ersten Hälfte hatten die Fußballfans am Sonntag beim Frankenderby genügend Zeit nachzudenken, welchen Christkindlmarkt sie nach dem Spiel noch besuchen könnten. In den zweiten 45 Minuten waren Glühwein, Bratwürste und Lebkuchen überhaupt kein Thema mehr. Tore waren das Thema. Der 1. FC Nürnberg und die SpVgg Greuther Fürth trennten sich im 275. Nachbarvergleich 2:2 (0:0). In der Viertelstunde nach der Pause fielen die Tore nahezu im Vier-Minuten-Takt. Luka Lochoshvili und Mohamed Zoma trafen für den Club, für die Fürther waren Felix Klaus und Aaron Keller erfolgreich. Club-Keeper Jan Reichert rettete mit einer Wahnsinnstat acht Minuten vor Schluss den Punkt für die Gastgeber.

Club-Coach Miroslav Klose haderte zunächst etwas mit dem Ergebnis: "Wenn man zwei Mal zu Hause in Führung geht, hat man das Gefühl, dass man gewinnen kann." Insgesamt gehe das Ergebnis aber wohl in Ordnung. "Wir waren aber hier und da auch zu unpräzise", kritisierte er seine Jungs. Für Abwehrmann Robin Knoche war das Ergebnis "einfach ärgerlich". Seine Argumentation: "Allen voran in der zweiten Halbzeit waren wir die Mannschaft, die auf Sieg gespielt hat." Fürths neuer Coach Heiko Vogel nahm den Punkt dagegen gerne mit: "Wir haben eine sehr gute Mentalität gezeigt, haben auch nach den Gegentoren nicht den Kopf hängenlassen und sind zweimal zurückgekommen", lobte er seine Mannschaft."

Glanz verbreitete in der ersten Hälfte nur das Nürnberger Christkind, das die Spieler Richtung Platz begleitet hatte. Dort war die Partie zunächst sehr zerfahren. Die Gastgeber versuchten es vor allem durch die Mitte, aber das Defensivnetz der Fürther um Abwehrchef Philipp Ziereis war eng gestrickt. Der Schwarzhofener ordnete sein Reihen, und so waren die Highlights, die gefeiert wurden, eher ungewöhnlicher Natur: Ein geblockter Schuss von Adriano Grimaldi – der Joker ersetzte dieses Mal Artem Stepanov im Sturmzentrum – löste schon Jubelstürme aus. Als Fabio Gruber hinten nach seinem Fehler sich den Ball zurückholte, tobte die Club-Menge. Die Nürnberger blieben zwar dran, konstruktiv war kaum etwas. Fürth konterte. Ein Schuss von Julian Green (38.) war gar nicht so ungefährlich. Die Gäste hatten wenige Minuten später auch die beste Chance, als Club-Keeper Jan Reichert einen Kopfball von Branimir Hrgota stark parierte. Und auch Aaron Keller hatte kurz vor der Pause noch eine gute Schussmöglichkeit, wieder war Reichert da. Beim Club konnte alles nur besser werden.

Wurde es auch. Und wie. Auf beiden Seiten. Die Teams lockerten die Zügel. Vor allem die Gastgeber waren nach der Pause zunächst voll da. Zwei Versuche wurden noch geblockt. Nach einer Flanke von Julian Justvan stieg aber Luka Lochoshvili am höchsten und köpfte zum 1:0 (48.) ein. Der Jubel war verklungen, die kalte Dusche wartete. Auf der Gegenseite tankte sich Keller durch, seine Hereingabe schlüpfte zu Felix Klaus, der fast schon unverschämt lässig den Ball zum 1:1 (53.) einschob. Doch die nächste kalte Dusche folgte, dieses Mal auf der anderen Seite. Mohamed Zoma ließ nicht locker, zog aus 16 Metern ab, abgefälscht landete der Ball zum 2:1 (57.) im Fürther Netz. Aber die Dusche war weiter kalt. Vier Minuten später: Der Fürther Keller war völlig frei im Strafraum und nagelte den Ball zum 2:2 ins Netz. Vier Tore in 13 Minuten, das dürfte auch ein Derbyrekord sein. Nach 70 Minuten bekam Gästekeeper Timo Schlieck endlich auch mal einen Ball zu fassen. Sein Gegenüber Reichert hatte in der zweiten Hälfte bis dahin noch nicht das Vergnügen. Was er kann, zeigte er aber acht Minuten vor dem Ende. Einen Schuss von Green lenkte er an den Pfosten, Klaus hatte dann im Nachschuss aus fünf Metern nur noch Reichert vor sich, doch der kratzte sich das Leder. So was nennt man wohl "Tausendprozentige". Beide Teams suchten weiter den Sieg. Nach dieser furiosen zweiten Hälfte durfte es aber wohl keinen Sieger geben. Vielleicht hatte das auch das Christkind so angeordnet.

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