21.01.2019 - 17:40 Uhr
NürnbergSport

Ratlos und ideenlos: Die Zeit der Durchhalteparolen beim Club

Apathie statt Aufbruchstimmung: Schlimmer hätte der Rückrundenauftakt für den Club nicht sein können. Auch der Trainer Michael Köllner gerät zunehmend in die Kritik.

Eine gefrustete Mannschaft vor gefrusteten Fans: Pfiffe gab es am Sonntag nach dem 1:3 gegen Hertha BSC aber kaum. Die Frage ist aber: Wie lange halten die Anhänger ob der Negativserie noch still.
von Josef Maier Kontakt Profil

Die Aufgaben von Michael Köllner beim 1. FC Nürnberg sind vielfältig: die Bundesligatruppe trainieren, das Drumherum planen, schauen, was im Nachwuchsbereich los ist, den Verein repräsentieren und den Medien immer zur Verfügung stehen. In den kommenden Wochen kommt für den Oberpfälzer aus Fuchsmühl (Kreis Tirschenreuth) noch eine Herkulesaufgabe dazu: Er muss den Laden zusammenhalten.

Das 1:3 am Sonntagnachmittag gegen Hertha BSC Berlin hat - das werden sie freilich nicht zugeben - den Traditionsverein, den neunmaligen Deutschen Meister zutiefst getroffen. Köllner versucht an allen Ecken und Enden, gegen die heftig auftretende Depression anzukämpfen, und hat doch keine Chance. "Das soll jetzt keine Durchhalteparole sein", hörte man nach der Niederlage zum Rückrundenauftakt oft. Und doch waren es allerorten Beschwichtigungsversuche. Enrico Valentini wirkte auf dem Platz genervt, frustriert, zeigte eine abfällige Handbewegung gegenüber einem Mitspieler und sagte danach: "Da regt sich keiner über den anderen auf." Trotzig schob er nach: "Wir haben noch immer eine gute Truppe und werden weiter zusammen kämpfen." Basta. "Es macht auch immer noch Spaß in der Bundesliga, ansonsten könnten wir ja aufhören." Mehr Durchhalteparole geht nicht.

Unweigerlich kommt nach der katastrophalen Serie von zwölf sieglosen Spielen der Trainer ins Spiel. Köllner versucht, mit Optimismus den Frust zu überspielen. Die Sätze, die er sagt, korrespondieren aber nicht mit seinem Gesichtsausdruck. Er kämpft. Und er weiß, dass einige ihn mittlerweile für den falschen Mann halten. Doch viele Kenner der Szene sagen hinter vorgehaltener Hand, dass auch ein anderer Coach nicht mehr aus dieser Truppe herausholen könnte. Bornemann, der dem 49-jährigen Trainer schon im Herbst eine Jobgarantie gegeben hatte, erklärte, dass sich einfach die Rahmenbedingungen in der Bundesliga geändert hätten, "und nicht die Qualität des Trainers". Der Club habe nun einmal bei weitem nicht die finanziellen Mittel wie die Konkurrenten im Abstiegskampf.

Köllner muss derweil weiter Durchhalteparolen formulieren: "Wir waren gut unterwegs, haben gezeigt, dass wir gewinnen wollen", meinte er. Er traue seiner Mannschaft sogar eine Siegesserie wie zuletzt Düsseldorf zu, das viermal in Folge gewann. Dabei war die Niederlage gegen die Berliner so was von verdient.

Aus einer Nürnberger Truppe, die in den ersten Wochen der Bundesliga noch von Euphorie getragen war und auch noch punktete, ist im Lauf der Zeit ein Team geworden, in dem fast alle mit sich selbst zu kämpfen haben. Mit ihren technischen Unzulänglichkeiten und vor allem mit ihren Nerven. Die Qualitätsfrage ist die wichtigste Frage beim 1. FC Nürnberg. Und unweigerlich folgt die nächste Frage: Welcher Fußballer wechselt in der Winterpause zu einer Mannschaft, die auf dem letzten Platz der Bundesliga steht und in der nicht ansatzweise Aufbruchstimmung zu erkennen ist? Winter-Leihspieler wollen ihre Karriere anschieben. In Nürnberg schiebt sich derzeit nicht viel. Sportvorstand Bornemann kündigte zwar an, dass es doch noch ein, zwei personelle Neuerungen geben könnte, er sagte aber auch unmissverständlich: "Der Kern dieser Mannschaft wird es richten müssen." Den Klassenerhalt richten müssen, an den, verfolgt man die sozialen Medien, kaum jemand glaubt. Für 90 Minuten hatten die Fans am Sonntag bezahlt, nach 80 Minuten war ein Drittel der gut 36 000 Zuschauer bereits weg. Köllner und Bornemann müssen es schaffen, dass diese Fans bleiben - egal, wie die Saison ausgeht.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.