28.01.2021 - 12:32 Uhr
NürnbergSport

Viel Gebrüll und nicht viel dahinter: Der Club nach der Pleite gegen den SSV Jahn

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Es wird alles besser. Von diesen Versprechungen ist beim 1. FC Nürnberg nichts mehr über. Nach der Pleite gegen den SSV Jahn steht vor allem Trainer Klauß in der Kririk.

Ein frustrierter Tim Handwerker nach dem 0:1 gegen den SSV Jahn: Der Club steuert wieder einmal den Tabellenkeller an.
von Josef Maier Kontakt Profil

Es ging laut zu, richtig laut, dabei waren doch gar keine Fans im Stadion: Befehle, Kommandos, gegenseitige Anfeuerungen der Spieler, alles wild durcheinander. Aktionismus statt guter Aktionen. Vor allem die Stimmbänder der Kicker des 1. FC Nürnberg waren sehr aktiv. Wer laut schreit, hat oft Angst, heißt es. Und das durfte am Mittwochabend vor allem für den Club gelten. Denn nach der 0:1-Heimniederlage im bayerischen Zweitliga-Derby gegen den SSV Jahn Regensburg muss man wieder einmal richtig Angst um den Traditionsverein haben. "Wir haben derzeit eine schlechte Phase", sagte Club-Coach Robert Klauß und wollte das Wort Krise nicht in den Mund nehmen. Brauchte er aber auch nicht, die Zahlen sprechen für sich: Ein Pünktchen aus bisher fünf Spielen 2021. Eigentlich fällt einem da keine andere Bezeichnung ein ...

Über die Breite in die Tiefe

Die Stimmung am Valznerweiher ist derzeit frostiger als draußen in der Natur, allerdings üben sich alle in Durchhalteparolen. Aber darin sind sie beim FCN ja fit. Der Trainer spricht, seitdem er da ist, oft von einer Spielidee. Gegen den SSV Jahn sah die angeblich so aus: "Wir wollten über eine gute Breite in die Tiefe spielen, um in die Box zu kommen." Hört sich alles sehr fußball-intellektuell an, der Blick auf das Spielfeld zeigte aber wieder einmal den Rückfall in Zeiten, die schon längst überwunden schienen. Dave Bulthuis hieß vor Jahren ein Verteidiger beim Club, den Blick gen Boden gerichtet, drosch der bullige Niederländer den Ball nach vorne. So sah das Club-Spiel auch gegen die Regensburger oft aus. Freilich waren die Bodenverhältnisse nicht so, dass man Kurzpassspiel hätte aufziehen können. Aber hat das der Club überhaupt im Repertoire?

"Es war kein ansehnliches Spiel", gab Club-Kapitän Enrico Valentini zu. Richtig sauer machte ihn der Gegentreffer in der 88. Minute: "Die Art und Weise wie das Ergebnis zustande kommt, darf nicht passieren." Die butterweiche Flanke von Albion Vrenezi haben alle Club-Abwehrspieler lange berechnen können, verteidigen konnten sie den Kopfball von Andreas Albers nicht.

Die Nürnberger Klatsche vor der Jahn-Pleite

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Aber dieses Tor passte, wie so vieles, zuletzt ins Bild. "Uns fehlen natürlich Offensivspieler wie Hack, Lohkemper oder Köpke", begründete der Trainer die etwas defensivere Grundordnung. "Deswegen hat auch der Punch nach vorne gefehlt." Die Club-Fans schlittern derweil ins nächste Jammertal. Der Trainer steht schon voll in der Kritik: "Punch, Punch, Box, Box, Box", schreibt ein weiblicher Fan in den sozialen Medien. "Ich kann das Geschwafel nicht mehr hören." So geht es vielen, die sich nach der letzten Katastrophen-Saison zumindest einen milden Aufschwung erhofft hatten. Klauß macht nicht den Eindruck, als würde er da noch gegensteuern können. Seine zunehmende Hilflosigkeit zeigte sich erneut am Mittwochabend: Ständig lamentierte er über Pfiffe des Schiedsrichters, diskutierte unentwegt mit dem vierten Offiziellen. Ein Nebenschauplatz, den es nicht braucht, und der den Spielern, die zumindest vollen Einsatz zeigten, Alibis gibt. Dabei machte der Schiedsrichter an diesem Abend die wenigsten Fehler.

"Mit kleinen Schritten"

"Wir kommen da raus", versprach Klauß aber nach nur 20 Punkten in 18 Spielen. Sein Gesichtsausdruck zeugte dabei nicht von absoluter Entschlossenheit. "Mit kleinen Schritten." Und dann kam ein Satz, den sich der junge Trainer besser verkniffen hätte: "Das wird etwas dauern." Viel Zeit hat der Club aber wieder einmal nicht mehr.

"Wir wollten über eine gute Breite in die Tiefe spielen, um in die Box zu kommen."

Robert Klauß, Trainer des 1. FC Nürnberg

Robert Klauß, Trainer des 1. FC Nürnberg

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