Umfrage zum deutschen EM-Aus: "Die Ära Löw war zum Scheitern verurteilt"

Oberpfalz
30.06.2021 - 17:32 Uhr
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Die Ära Löw ist vorbei, Deutschland bei der EM im Achtelfinale ausgeschieden. Woran lag es? Warum ging die zunächst so ruhmreiche Zeit unter Löw nun derart bitter zu Ende? Das sagen Oberpfälzer Spieler, Trainer und Fußball-Funktionäre.

Am Tag nach dem EM-Aus der deutschen Mannschaft gegen England gab Noch-Bundestrainer Joachim Löw eine Pressekonferenz.

Von Florian Bindl, Christian Frühwirth und Fabian Leeb

Roland Eckert (Vorsitzender des SV Mitterteich)

Roland Eckert ist Vorsitzender beim SV Mitterteich. .

„Diese Entwicklung hat sich doch schon lange angedeutet. Der große Fehler ist meiner Meinung nach 2018 gemacht worden, man hätte nach dem WM-Aus den Bundestrainer entlassen müssen. Seitdem war es ein ständiger Zick-Zack-Kurs, ohne jede Kontinuität. Die Mannschaft ist völlig verunsichert, das sieht man. Deshalb war es ein konsequentes Ausscheiden. Ich habe keine großen Dinge erwartet. Die Engländer waren ja nicht mal so sehr überlegen – für mich das schwächste Achtelfinalspiel. Die Deutschen sind ein Team von ein paar sehr guten Einzelkämpfern, aber zusammen klappt nichts. Man sieht auch: Die Spitze im Fußball ist sehr eng zusammengerückt. Die kleinen Nationen spielen mit allem, was sie haben, für ihr Land. Das Gefühl habe ich bei uns nicht. So bleibt ein bitterer Beigeschmack hinter der Ära Löw.“

Christian Bäumler (TSV Tännesberg)

Christian Bäumler spielt für den TSV Tännesberg in der Kreisliga.

"Mir war von vornherein klar, dass Deutschland nicht weit kommen wird. Dafür waren die Auftritte vor dem Turnier spielerisch einfach zu schlecht. Dann kam noch dieses Spiel gegen Nordmazedonien. Und jetzt das Achtelfinal-Aus. Die Ära Löw war in den letzten Jahren zum Scheitern verurteilt. Es war ein Fehler, ihn 2018 nicht zu entlassen. Wenn du als Deutschland in der Gruppenphase einer WM gegen Südkorea ausscheidest, dann stimmt was nicht. Klar hätte Löw die Möglichkeit gehabt, neue Impulse reinzubringen. Aber er hält eben meistens an den gewohnten Leuten fest. Klassisches Beispiel: Toni Kroos. War ein Super-Spieler, aber seine Zeit ist vorbei. Wenn ich mit Kimmich und Goretzka auf der Sechs spielen lassen kann, warum dann an Kroos festhalten? Jetzt hat kaum noch jemand ein positives Bild von Löw.“

Bastian Lobinger (Spielertrainer SpVgg Pfreimd)

Bastian Lobinger ist Spielertrainer in Pfreimd.

„Das Ausscheiden ist extrem schade, weil im Turnierverlauf noch einiges dringewesen wäre. Am Ende war die Chancenverwertung einfach nicht gut genug. Seien wir ehrlich, es war kein hochklassiges Spiel. England war einfach effektiver. Insgesamt gesehen gab es in der Ära Löw zuletzt sehr viele Aufs und Abs. Daher ist es wahrscheinlich gut, dass ein neuer Bundestrainer kommt. Im Nachhinein wäre es natürlich schlauer gewesen, Löw hätte nach 2014 aufgehört. Aber weiß man das vorher? Ich verstehe schon, dass man nach einem WM-Titel gleich die Europameisterschaft mitnehmen will. Aber wir sollten nicht vergessen: Auch Frankreich oder Portugal sind schon raus. Das passiert in so einem Turnierformat, wo es auf eine einzige Torchance ankommen kann. Löw ist immer noch Weltmeistertrainer. Daran hatte er großen Anteil.“

Johannes Hager (TuS Rosenberg)

Johannes Hager ist Trainer des TuS Rosenberg.

„Das Aus im Achtelfinale ist natürlich schade, weil bei einem Sieg gegen England der Weg ins Finale wohl relativ leicht gewesen wäre. Aber letztlich war es schon verdient. Die Spieler haben das auf Sicherheit bedachte System, das ihnen Löw aufdrücken wollte, einfach nicht mitgetragen. Kimmich hätte sicher lieber Sechser gespielt als rechter Verteidiger, Müller war als Außenbahnspieler verschenkt, er konnte seinen Freigeist gar nicht ausleben. Und bei Kroos habe ich den Eindruck, dass er in seiner Entwicklung stehen geblieben ist: Er verschleppt das Tempo. Die Ära Löw würde ich in zwei Halbzeiten aufteilen: Die erste mit WM-Sieg und dem Gewinn des Confed-Cups war eine 1 minus, die zweite eine 4 bis 5. Man hätte schon nach der WM 2018 handeln müssen. Spätestens aber nach der 0:6-Niederlage gegen Spanien.“

Michael Rösch (SpVgg Vohenstrauß)

Michael Rösch, Trainer der SpVgg Vohenstrauß.

"Die Niederlage gegen England war für alle sehr bitter, und das will ich jetzt auch nicht auf die vergebene Chance von Thomas Müller reduzieren. Das hat man an den Reaktionen der Spieler und auch der Fans gesehen. Es ist einfach schade, dass dieses Turnier jetzt so schnell zu Ende gegangen ist. Nach der langen fußballlosen Corona-Zeit war die EM ein kleines Fußball-Highlight, das wieder für Lebensfreude und gute Laune gesorgt hat. Wir haben aber, so ehrlich müssen wir sein, nur ein gutes Spiel gegen Portugal gemacht. Das ist dann einfach zu wenig, um so richtig weit zu kommen. Für Jogi Löw tut es mir wirklich leid. Er hätte ein anderes Ende beim DFB verdient gehabt. Auch wenn die Kritik an ihm zuletzt doch arg zugenommen hat, war seine gesamte Phase als Bundestrainer doch eine erfolgreiche Zeit."

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