30.10.2020 - 18:24 Uhr
OberviechtachSport

Der HV Oberviechtach und die Furcht vor den Corona-Folgen

So sind Spielpläne noch nie durcheinandergewirbelt worden. Auch im Handball nicht. Wann der HV Oberviechtach mal einsteigen darf, ist völlig ungewiss. Vielleicht erst 2021? Große Sorgen macht die Jugendarbeit.

Voll bei der Sache: Den jungen Oberviechtacherinnen (rote Trikots/im Hintergrund Trainerin Susanne Uschold) und auch den Gegnern merkt man den Spaß am Handball an. Jetzt ist erst einmal wieder Schluss. Die Folgen für die Jugendarbeit sind noch nicht abzusehen.
von Josef Maier Kontakt Profil

An diesem Wochenende wären sie ohnehin spielfrei gewesen. Aber bis zu diesem Zeitpunkt hätten sie schon vier Spiele absolviert gehabt. Womöglich mit einem guten Punktepolster. Das nächste Spiel wäre am 14. November gegen den TV Schierling gewesen. Auch das fällt durch das Amateursportverbot im November aus. Keiner weiß, wann die Handballer des HV Oberviechtach in dieser Saison erstmals antreten. Den Frauen geht's in der BOL genauso. Sie hätten eigentlich auch schon vier Mal gespielt. Aber alles spielt sich auch im Handball in Coronazeiten im Konjunktiv ab.

Teilweise 10 Heimspiele

"Im Oktober war es ja vonseiten des Handballverbandes möglich, die Spiele einfach zu verlegen, wenn man sich wegen der Hygienekonzepte in der Halle unsicher war", blickt Mario Baier zurück. Der Spielleiter des HV, der auch die Hallenpläne an Spieltagen macht, hätte größte Probleme gehabt, die Vorgaben umzusetzen. "Wir haben an einem Wochenende teilweise bis zu 10 Heimspiele." 20 Mannschaften hat der Handballverein insgesamt im Spielbetrieb. Die Sorge um das Hygienekonzept war nicht der einzige Grund. Einige Spieler machten sich auch wegen der Ansteckungsgefahr Sorgen, haben erst kürzlich eine neue Arbeitsstelle angetreten. "Da hat keiner Lust, in Quarantäne geschickt zu werden", sagt Baier. Und dann durfte auch der Trainer wegen Corona-Beschränkungen nicht mehr kommen. Jan Vetrovec ist Tscheche.

Im Sommer war noch vieles anders. Die Spieler waren voll motiviert. "Wir wollen schon um den Aufstieg mitspielen", wiederholt Baier das Saisonziel. Mit dem HC Weiden und dem FC Neunburg ist der HV wohl immer noch einer der Mitfavoriten der Bezirksliga Ost. Wenn denn mal gespielt werden könnte. "Ich glaube nicht, dass es am 6. Dezember weitergeht", ist Baier nicht zuversichtlich. Ohne Training gehe da vorerst nichts. Und so glaubt er, dass es erst nach Weihnachten weitergeht. Und dann auch erst einmal mit einer Trainingsphase. "Gut möglich, dass wir erst Anfang Februar mit dem Spielen beginnen", schätzt er, und er kann sich vorstellen, dass dann nur eine Einfachrunde gespielt wird. Jetzt retten sich die Spieler die nächsten vier Wochen mit Online-Training über die Zeit.

Die Jugendarbeit des HV Oberviechtach

Oberviechtach

Onlinetraining gibt es die nächsten vier Wochen auch für die Kleinsten und Kleinen im Verein. "Ich schneide derzeit ein paar Videos, die die Jugendlichen dann immer per Whats-App kriegen", sagt Günter Uschold, Jugendleiter Sport bei den Oberviechtachern. Der HV gehört zu den größten Vereinen im Handballbezirk Ostbayern. 16 Jugendteams waren vor der Saison angemeldet, 250 Kinder und Jugendliche jagen dem Handball nach, es gibt etwa 40 Jugendtrainer und Betreuer. Das Einzugsgebiet ist groß. Die Spieler kommen auch aus Schönsee, Eslarn oder Winklarn. Da ist genügend Masse da, sollte man meinen. Aber Uschold befürchtet gerade jetzt in Coronazeiten, in denen kein Training und keine Spiele anstehen, eine größere Fluktuation. "Diese Kinder muss man bei Laune halten, die muss man erst zum Teamsport bringen", sagt er. "Aber gerade jetzt sind sie alleine." Vor allem die Neuen, die erst dazugekommen seien, seien schnell wieder weg. Uscholds Frau Susanne, die die weibliche E-Jugend trainiert, und auch als Spielleiterin im Bezirk tätig ist, ergänzt: "Wenn die mal weg sind, sind sie weg." Vor allem die Kinder, die aus dem Umland kämen, seien nur schwer zu halten.

Aktion in den sozialen Medien

Um weitere Jugendliche für den Verein zu gewinnen, hat die Jugendabteilung derzeit eine Aktion in den sozialen Medien geplant. "Die läuft wohl ins Leere", vermutet Uschold. Seine Frau Susanne sagt, dass auch für die Trainer der Zustand in diesen Coronazeiten frustrierend sei: "Der Aufwand für ein Training ist hoch. Man macht sich Gedanken, entwirft Konzepte und man kann das alles wieder umschmeißen."

2020 kein Jugendspiel mehr?

Günter Uschold glaubt, dass in diesem Jahr kein Jugendspiel mehr in Ostbayern stattfinden wird. Auch der HV habe schon Jugendmannschaften in einzelnen Altersklassen für diese Saison abmelden müssen. Aber eines fürchtet der Jugendleiter Sport noch mehr: "Wir werden das Ergebnis dieser Coronazeit erst in zwei, drei Jahren richtig merken. Dann werden uns einige Mannschaften regelrecht wegbrechen."

Wir werden das Ergebnis dieser Coronazeit erst in zwei, drei Jahren richtig merken. Dann werden uns einige Mannschaften regelrecht wegbrechen.

Günter Uschold, Jugendleiter Sport beim HV Oberviechtach

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