Wenn Franziska Koch an ihren Triumph beim Kopfsteinpflaster Klassiker Paris-Roubaix zurückdenkt, bekommt sie leuchtende Augen. „Das war schon ein absolutes Highlight - natürlich der bisher größte Sieg meiner Karriere. Das macht mich wirklich stolz. Und ich habe definitiv mehr Selbstvertrauen gewonnen, dass ich auch bei ganz großen Rennen gewinnen kann. Es war ein schöner Motivationsschub“, sagt Deutschlands derzeit beste Radsportlerin, die ab Samstag auch bei der Tour de France der Frauen ihr Können beweisen will.
Mit ihrem Sieg in der Hölle des Nordens, als sie Marianne Vos - die Grande Dame des Frauen-Radsports - im Sprint bezwang und auch Toursiegerin Pauline Ferrand-Prévot hinter sich ließ, hat sie sich international einen Namen gemacht. „Sie ist ein Monster“, sagte Ferrand-Prévot anerkennend. Koch will derartige Komplimente nicht überbewerten: „Ich glaube, ich war im Fahrerfeld schon vorher recht bekannt, aber eher als richtig gute Helferin, die alles für ihre Teamkolleginnen tut.“
Gelbe Trikot für Kapitänin Vollering das Ziel
In diese Rolle muss sie auch bei der neuntägigen Tour wieder schlüpfen. Koch fährt seit dieser Saison für das französische Spitzenteam FDJ United-Suez, und damit auch an der Seite der niederländischen Topfavoritin Demi Vollering. „Unser Ziel ist das Gelbe Trikot, aber nicht für mich. Das Hauptziel ist Gelb für Demi“, sagt Koch, die aus einer Radsport-Familie kommt.
Eigene Ambitionen stellt die deutsche Straßen- und Zeitfahrmeisterin zurück. Dabei würde ihr etwa die Auftaktetappe in der Schweiz liegen, die Chance auf Gelb wäre da. Schon bei der Vuelta hatte Koch zwei Tage das Rote Trikot als Spitzenreiterin getragen.
Es ist ein furioser Aufstieg, den die 26-Jährige aus Mettmann in den letzten Jahren hingelegt hat. Sie gewann dreimal in Serie die nationale Meisterschaft und war auch bei weiteren Klassikern wie dem Schotterrennen Strade Bianche in der Spitze vertreten.
Professionelles Umfeld bei FDJ
Für Teamchef Stephen Delcourt ist sie „das Kraftpaket“ der Mannschaft. Beim FDJ-Team hat Koch nochmal einen Sprung gemacht. Es herrschen professionelle Rahmenbedingungen. Hatte sie im vergangenen Jahr noch ein eigenes Höhentrainingslager vor der Frankreich-Rundfahrt absolviert, ging es dieses Mal mit dem gesamten Team für drei Wochen in die Berge.
Das kann sie auch gut gebrauchen, wenn es bei der Tour auf der siebten Etappe den legendären Mont Ventoux hinaufgeht. Der Riese der Provence, der bei den Männern schon so oft Schauplatz von Dramen, Tragödien und legendären Triumphen war, gehört erstmals bei den Frauen zum Programm. „Es ist wirklich schön zu sehen, wie der Frauen-Radsport wächst. Wir haben ja zum Beispiel dieses Jahr am Angliru (Anm. ein steiler Anstieg in Asturien) schon gezeigt, dass wir alles schaffen können, dass nicht nur Männer die großen Berge bezwingen können“, sagt Koch.
Hohe Berge sind nicht Kochs Terrain
Den Mont Ventoux ist Koch einmal mit dem Mountainbike hinaufgefahren. „Aber da war ich wohl so 16 oder 17. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Ich weiß nur noch, dass es ein sehr langer Anstieg war“, so Koch. Die hohen Berge sind nicht ihr Lieblingsterrain. „Ich komme zwar gut über die Anstiege, aber ich bin vom Fahrertyp her kein Kletterer. Kurze, knackige Anstiege liegen mir.“
Wie etwa auch die Schlussetappe nach Nizza, wo die Tour endet. Ihr Traum wäre auch mal ein Tour-Finale in Paris wie bei den Männern. „Ich war ja schon bei der ersten Tour de France dabei. Die startete auf den Champs-Élysées. Die Atmosphäre ist einfach unglaublich. Ich hoffe sehr, dass wir eines Tages auch in Paris ins Ziel kommen oder vielleicht sogar dort starten können. So etwas wäre wirklich cool, denn es ist einfach einzigartig.“
© dpa-infocom, dpa:260730-930-458979/1
















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