18.11.2020 - 17:46 Uhr
PfreimdSport

Da blutet das Schalker Herz in der Oberpfalz

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Die Fans des FC Schalke 04 gelten als die treuesten überhaupt. Sie erleben derzeit keine guten Zeiten. Auch die Oberpfalz leidet mit – und steht fest zum Traditionsclub.

Stefan Milewski in seinem Schalke-Keller in Pfreimd.
von Josef Maier Kontakt Profil

Der königsblaue Truck war ein Blickfang auf den Straßen der ziemlich "FCB-roten" Oberpfalz. Am Steuer saß Stefan Milewski, ein Schalker durch und durch. Unterhalb der Windschutzscheibe prangte sein Motto: "Blau und Weiss ein Leben lang". Daneben war das "S04"-Logo zu sehen. Auf dem Nummernschild? Natürlich die Zahl 1904. Das Gründungsjahr des FC Schalke. "Den Lkw habe ich jetzt nicht mehr", sagt der Fernfahrer, der für die Nabburger Firma Auriga arbeitet. "Aber das hat jetzt nichts damit zu tun, dass Schalke derzeit so schlecht dasteht", fügt er schmunzelnd an. Und das Grinsen wird breiter: "Das wäre ja auch kein Grund. Als Schalker ist man ja einiges gewohnt."

Stefan Milewski hat den Humor trotz der tristen Lage seines Lieblingsklubs nicht verloren. Der 50-Jährige ist auch Vorsitzender des Fanclubs Blau-weiße Naabtal-Knappen, der 89 Mitglieder zählt. Fans aus Weiden, Schwandorf, Burglengenfeld oder Amberg sind da zusammengeschlossen, um den Revierclub zu unterstützen. In Corona-Zeiten geht das zwar nicht, "aber ansonsten ist immer einer von uns Naabtal-Knappen live in der Arena bei Spielen dabei". Milewski fährt dann von Pfreimd, wo er mit seiner Familie wohnt, nach Gelsenkirchen.

Derzeit verfolgt er von zu Hause in seinem, mit allen möglichen Devotionalien eingerichteten Schalke-Keller jedes Spiel. "Frustriert ist das falsche Wort", sagt er zu dem, was derzeit beim Tabellenvorletzten des Fußball-Bundesliga abgeht. "Ich bin einfach wahnsinnig enttäuscht über die Leistungen der Spieler." Er könne sich nicht ansatzweise erklären , warum diese guten Einzelfußballer so schlecht als Team spielen. "Irgendetwas ist mit dieser Mannschaft, dass sie kein Team ist", rätselt er. Dass es am Trainer liege, das könne nun wirklich nicht der Grund sein.

Manuel Baum, den neuen Mann auf der Trainerbank, hält er ohnehin für geeignet: "Das kann der Richtige sein." Gewonnen hat allerdings auch der Ex-Augsburger noch nicht mit Schalke im Fußball-Oberhaus. Wann gab es eigentlich den letzten Bundesliga-Sieg? "Am 17. Januar, ein Freitagabend, 2:0 gegen Gladbach", erzählt Milewski strahlend. "Das war ganz stark, da standen wir sogar noch vor den Zecken aus Lüdenscheid.“ Ja, vor den ungeliebten Schwarz-Gelben aus Dortmund. Lang, lang ist's her. Milewski nerven vor allem die Auftritte in der vergangenen Rückrunde: "Die Art und Weise hat mir gar nicht gefallen." Aber nicht nur die Spieler würden Fehler machen: Grundsätzlich sei einfach zu viel Geld für die Spieler ausgegeben worden, die sich zu wenig mit dem Verein identifizieren würden. Problematisch sei auch, dass Schalke immer noch einer der ganz wenigen Klubs in der Bundesliga sei, die als eingetragener Verein agieren. Und zur Sache Tönnies meint er: "Dass es nur an ihm liegen soll, dass wir so dastehen, das ist mir viel zu einfach."

Milewski lässt sich auch nach 23 nicht siegreichen Bundesligaspielen die Zuversicht nicht nehmen: "Solche Situationen hatten wir auf Schalke schon öfter." Das Gerede von der zweiten Liga, vor einigen Jahren noch ein absolutes Fremdwort im Revier, lässt er auch nicht an sich ran. "Dafür sind die Spieler zu gut." Luftschlösser, wie sie auf Schalke schon immer mal wieder hochgezogen werden, baut er aber auch nicht: "Jetzt geht es darum, von Platz 17 wegzukommen, und nicht um irgendwelche internationalen Plätze."

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Sport

Bei all den Problemen, bei all den schlechten Schlagzeilen, der gebürtige Karlsruher, der in Düsseldorf aufgewachsen ist und in seiner Bundeswehrzeit in die Oberpfalz kam und hier sesshaft geworden ist, bleibt ein Knappe. Auch seine Töchter Selina (17) und die fußballerisch sehr talentierte Magdalena (11) fiebern mit den Gelsenkirchenern. Selina ist an einem 21. Mai geboren. Hardcore-Fans wissen, an einem 21. Mai - im Jahre 1997 - haben die Schalker den größten Sieg in der Vereinsgeschichte gefeiert. Die Eurofighter holten in Mailand den Uefa-Pokal. Es versteht sich von selbst, dass beide Mädels gleich an ihren Geburtstagen zu Schalke-Mitgliedern wurden. Nur Mama Maria tanzt etwas aus der Reihe. "Meine Frau ist Fan von 1860 München", verrät Milewski. Deswegen ist das Haus in Pfreimd vielleicht auch nicht königsblau gestrichen, sondern nur blau. Milewski grinst: "Das passt zu beiden Vereinen."

Hintergrund:

Das ist Stefan Milewski

Geboren am 19. Dezember 1969 in Karlsruhe, aufgewachsen in Düsseldorf.

Von 1993 bis 2005 Oberfeldwebel bei der Bundeswehr in Neunburg vorm Wald, seitdem Fernfahrer.

Seit 1999 wohnt Milewski mit seiner Frau Maria in Pfreimd. Beide haben die Töchter Selina (17) und Magdalena (11). Magdalena trainiert auch am Fußball-Stützpunkt Schwarzenfeld und ist Mitglied der U13-Regionalauswahl.

Vorsitzender des Schalke-Fanclubs Blau-weiße Naabtal-Knappen, der 1998 in Burglengenfeld gegründet wurde. Milewski ist auch Vorsitzender der Fanclub-Vereinigung des FC Schalke 04 für Bayern, Österreich und Italien. Diesem Verbund gehören insgesamt 46 Fanclubs an.

Den Lkw habe ich jetzt nicht mehr. Aber das hat jetzt nichts damit zu tun, dass Schalke derzeit so schlecht dasteht.

Stefan Milewski

Stefan Milewski

Der Schalke-LKW von Stefan Milewski (Mitte) und der Original-Mannschaftsbus der Schalker. Milewski ist Schalker durch und durch, der Pfreimder führt auch den Fanclub "Naabtal-Knappen".
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