09.04.2019 - 10:54 Uhr
Poppenreuth bei WaldershofSport

Poppenreuths Trainer platzt der Kragen

Vaclav Peroutka sieht sein Team in der Bezirksliga Oberfranken Ost einer Stimmungsmache ausgesetzt. Davon ließen sich auch die Schiedsrichter beeinflussen. Der SV-Coach denkt sogar an Rücktritt.

Normalerweise grätscht Vaclav Peroutka (am Boden) nur auf dem Spielfeld dazwischen. Nach der 1:5-Pleite gegen Mistelbach packte der Trainer des SV Poppenreuth aber die verbale Grätsche aus.
von Externer BeitragProfil

Nach der 1:5-Pleite im Verfolgerduell der Fußball-Bezirksliga Oberfranken Ost gegen den TSV Mistelbach platzte dem Poppenreuther Spielertrainer Vaclav Peroutka der Kragen. Nicht etwa weil seine Elf gegen den Tabellennachbarn überraschend deutlich den Kürzeren gezogen hatte, sondern weil sich der 31-Jährige mit seiner Elf vielmehr einer Stimmungsmache ausgesetzt fühlt, die sich letztendlich in den Schiedsrichterentscheidungen niederschlägt.

„Es ist für uns nicht akzeptabel, wenn in unserem Zusammenhang nicht von einer Fußballmannschaft die Rede ist, sondern es vielmehr rein um Nationalitäten und die Herkunft der Spieler geht“, begründet Peroutka im Internetportal "anpfiff.info" seinen Frust nach der Pleite gegen Mistelbach. Die Niederlage ist es nicht, die ihn auf die Palme bringt. Das sieht der Poppenreuther Spielertrainer sportlich. Verlieren ist für ihn kein Problem, aber die Art und Weise, wie das Verfolgerduell abgelaufen ist, das brachte ihn an den Rande eines Rücktritts. „Meine Arbeit ist unter diesen Umständen überflüssig“, fühlte sich der Poppenreuther vom Schiedsrichtergespann unter der Leitung von Alexander Distler aus Merkendorf verschaukelt. Hätte der Verein einen Nachfolger parat gehabt, hätte er einen sofortigen Rücktritt nicht ausgeschlossen. Peroutka geht es um Gleichbehandlung – um nichts anderes. Bereits zum dritten Mal in der laufenden Spielzeit sah Petr Holub die Rote Karte. „Darüber müssen wir reden“, kündigte der Trainer Konsequenzen an.

Was war passiert? Zunächst begegneten sich beide Mannschaften auf Augenhöhe. Poppenreuth hatte Mitte der ersten Hälfte sogar die Chance zur Führung. Die gelang jedoch vielmehr nach einer halben Stunde den Gästen, die sie sogar noch vor der Pause ausbauten. Da waren die Poppenreuther aber nur noch zu zehnt. Holub sah nach einem Allerweltsfoul an der Mittellinie Rot. Spielertrainer Peroutka brachte seine Elf in Unterzahl sogar noch einmal zurück ins Spiel und drängte die Gäste in die Defensive. Erst als mit Zbynek Joza ein weiterer Poppenreuther wegen Reklamierens vorzeitig mit der Ampelkarte das Spielfeld verlassen musste, kippte das Spiel endgültig zugunsten der Mistelbacher. Der Vorwurf: Mehrere klare Abseitsstellungen der Gäste wurden ignoriert, und auch der Mistelbacher Elfmeter warf aus Sicht der Hausherren Fragen auf. Am Ende fiel die Niederlage mit 1:5 deutlich aus.

„Das spiegelt in keiner Weise den Spielverlauf wider“, betont Peroutka und lässt dabei – ganz im Gegensatz zu seinen Gewohnheiten – kein gutes Haar am Schiedsrichtergespann. Dabei will er keineswegs pauschalisieren, aber nach jener Partie platzt es aus ihm heraus: „Auch der Schiedsrichter kann einen schlechten Tag haben und Fehler machen. Aber es kann nicht sein, dass jede 50:50-Entscheidung gegen uns gepfiffen wird.“ Peroutka vermutet, dass sich viele Unparteiische durch die allgemeinen Vorurteile beeinflussen ließen. „Wenn ich lese, dass wir eine eingekaufte Elf sind mit lauter Ausländern, dann frage ich mich, ob wir eigentlich noch im 21. Jahrhundert leben. Was soll das?“, spricht der SV-Coach von Stimmungsmache gegen seine Mannschaft. Das wirke sich schließlich bewusst oder unbewusst in den Entscheidungen aus.

Den Schuh des schlechten Verlierers zieht sich Vaclav Peroutka nicht an: „Wir haben verloren. Das geht auch in Ordnung. Mistelbach hat stark gespielt. Ich bin normalerweise der letzte Trainer, der einen Schiedsrichter kritisiert.“ Aber nach der Partie am Sonntag konnte er nicht anders, schließlich hatten die Entscheidungen maßgeblichen Einfluss auf den Ausgang der Partie. „Wir müssen eine Stunde in Unterzahl spielen. Dabei gab es vor der Roten Karte schon ähnliche Situationen, für die es keine Verwarnung gab. Dazu kommen das Abseits beim 0:2, die Gelb-Rote Karte und der Elfmeter. Das wurde alles gegen uns gepfiffen“, redet sich der Spielertrainer in Rage.

Schon im Vorfeld hatte er kein gutes Gefühl, nachdem das Schiedsrichtergespann Poppenreuth schon im Spiel gegen die Saas nicht gut gesonnen war. „Wenn wir auf normalem Weg ein Spiel verlieren, dann deshalb, weil wir die schlechtere Mannschaft waren. Das ist okay, aber nicht, wenn es solche Entscheidungen gibt. Dagegen können wir uns nicht wehren“, sieht sich der 31-Jährige hier machtlos. Hier sieht er den Verein in der Öffentlichkeit falsch dargestellt. Die Vorurteile würden ansatzlos und ohne Rückfrage übernommen. So halte sich der Vorwurf der zusammengekauften Söldnertruppe hartnäckig. Dem tritt der Tscheche entschieden entgegen: „80 Prozent unserer Spieler arbeiten und wohnen in Deutschland. Wir haben uns zudem wie kein anderer Verein für Flüchtlinge eingesetzt, sie unterstützt und integriert. Davon spricht nie jemand“, hält der Poppenreuther dagegen.

Um die Anerkennung der Arbeit müsse der Tabellenvierte immer viel mehr kämpfen als andere Vereine. Für Peroutka spielt hier Neid eine entscheidende Rolle. „Wir haben viele gute und junge Spieler aus der deutsch-tschechischen Fußballschule. Sieben davon haben in den vergangenen drei Jahren den Sprung in die Bayern- oder Regionalliga geschafft“, sieht er dies als Bestätigung für die Arbeit der vergangenen Jahre. Ziel sei schließlich nicht der Aufstieg, sondern die Entwicklung der Spieler. „Wir wollen die erste Station für junge Talente in Deutschland sein“, weist Peroutka die Vorwürfe, dass in diesem Zusammenhang viel Geld fließt, von sich. „Wir bieten den Spielern lediglich unsere Unterstützung an, hier Fuß zu fassen. Wir haben keinen Sponsor, der Geld gibt. Das Geld, das wir ausgeben, haben wir uns alles selbst verdient“, stellt er klar. Umso mehr ärgert es ihn, wenn dies in der Öffentlichkeit anders dargestellt wird. „Solche Aussagen können uns als Verein schädigen“, sagt Peroutka. Schon lange lag ihm das auf der Zunge. Das Mistelbach-Spiel brachte das Fass nun zum Überlaufen. All die Vorwürfe zehren an dem jungen Coach. „Eigentlich habe ich keinen Bock mehr, gegen so etwas anzukämpfen. In einer rein deutschen Mannschaft hätte ich es wohl leichter“, ist der Poppenreuther Trainer überzeugt.

Die Meisterschaft hat er nach der Niederlage abgehakt. Für Poppenreuth geht es nur noch um Platz zwei. Jenen Platz, den sich die Mistelbacher am Wochenende eroberten. Die Pleite stachelt den Tabellenvierten im Saisonendspurt noch einmal an. „Selb kann man schon mal gratulieren. Die Niederlage war für uns bitter, aber ändert an unserer Situation nichts. Wir müssen nicht aufsteigen. Etwas anderes haben wir nie kommuniziert“, betont er in diesem Zusammenhang. Am Samstag muss Vaclav Peroutka mit seiner Elf in Münchberg ran. Dann hofft er auf mehr Gleichbehandlung als zuletzt.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.