Nadine Kraus: Der Fußball führt die Pressatherin durch ganz Deutschland

Pressath
16.02.2023 - 17:03 Uhr
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Nadine Kraus stand im DFB-Pokalfinale, spielte in der Fußball-Bundesliga für Saarbrücken und Essen. Die Pressatherin blieb auch danach dem Fußball erhalten. Jetzt wird sie wieder ab und an Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg treffen.

Die einen kamen, die anderen gingen. In den Katakomben des Berliner Olympiastadions war vor den Kabinen einiges los. Die Bayern Oliver Kahn, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder die Dortmunder Dede und Sebastian Kehl waren gerade auf dem Weg zum Aufwärmen. Zurück von der Ehrung kamen da gerade die Fußballerinnen des 1. FFC Frankfurt und die des 1. FC Saarbrücken – mit der damals blutjungen Dzsenifer Marozsán (heute über 100 Länderspiele) und der Oberpfälzerin Nadine Kraus. Im Jahr 2008 wurden noch beide DFB-Pokalfinals in Berlin ausgetragen. Bei den Männern gab’s den Klassiker Bayern gegen Dortmund. Bei den Frauen spielte die damalige Übermannschaft aus Frankfurt gegen den krassen Außenseiter aus dem Saarland. „Das ist auch heute noch mein Karriere-Highlight“, blickt Nadine Kraus, die aus Pressath (Kreis Neustadt/WN) stammt, zurück. „Vor so großer Kulisse zu spielen, war ein Traum.“

Vor etwa 20 000 Zuschauern waren die Saarbrückerinnen sogar durch Natalie Budge mit 1:0 in Führung gegangen, das Tor hatte Kraus per Flanke vorbereitet. „Zur Pause stand es gegen die großen Frankfurterinnen 1:1. Da träumst du natürlich etwas“, erinnert sich die damals 20-jährige Oberpfälzerin. Doch in der zweiten Hälfte platzte der Traum. Weltfußballerin Birgit Prinz und ihre Mitspielerinnen zeigten ihre Klasse. Mit 5:1 holte sich das Team vom Main den Pott.

Vielfältiger Job

Heute kann Nadine Kraus ihren Schützlingen von diesem großen Erlebnis erzählen. Denn die bald 35-Jährige ist mittlerweile im Trainergeschäft unterwegs. Seit 1. Oktober ist sie Verbandssportlehrerin beim württembergischen Fußballverband in der Sportschule Ruit in der Nähe von Stuttgart. „Es macht mir mega Spaß“, sagt sie nach den ersten Monaten. Sie betreut dort die Auswahlteams von der U13 bis U17 und ist zuständig für die Trainerausbildung der B-Lizenz-Anwärter. „Was die Mädchen mitmachen, habe ich ja früher auch mitgemacht“, erklärt sie. Deswegen könne sie sich in die Situation hineinversetzen, könne mit ihrer Erfahrung die Mädels auf dem fußballerischen Weg helfen. Die Vielfalt in ihrem Job gefällt Kraus auch: Training, Lehrgänge, Analysen, Online-Unterricht, Fortbildungen. „Das ist eine gute Mischung.“

Der Fußball hat Nadine Kraus quer durch die ganze Republik geführt. Sie erinnert sich aber noch an die Anfänge in Pressath und Grafenwöhr. „Bis 16 Jahre habe ich noch gegen die Jungs gespielt.“ Markus Kraus, Johannes Renner, René Wächter – das waren alles ihre Mitspieler. „Ich schaue heute noch ab und zu, wenn ich da bin.“ Nach dem Wechsel zum SC Regensburg spielte sie dort auch schon zweite Bundesliga. Nach dem Abitur am Weidener Elly-Heuss-Gymnasium ging es raus in die größere Fußballwelt. „Aber bei den Frauen gab es damals noch nicht die professionellen Strukturen wie heute“, sagt die ehemalige Junioren-Nationalspielerin. Aber sie hatte etwas geschafft, was sie als keines Mädel oder Schülerin immer in Freundschaftsbüchern und in der Abi-Zeitung angekündigt hatte: „Ich will Fußballerin werden.“

Mittlerweile hat sie eigentlich ihr ganzes Leben lang mit dem runden Leder zu tun. Nach Saarbrücken ging es zum Erstligisten SGS Essen, dann für vier Jahre zum Liga-Konkurrenten FF USV Jena. Danach wieder zurück in den Ruhrpott zum damaligen Zweitligisten VfL Bochum. Anschließend war sie Spielertrainerin beim Regionalligisten Recklinghausen und später auch Jugendtrainerin beim DSC Wanne-Eickel. In all der Zeit fuhr sie zweigleisig: „Studiert habe ich zu meiner Fußballzeit Sportwissenschaften.“ Vom Frauenfußball konnte man früher gar nicht leben. „Ich habe mal als Sportwissenschaftlerin in einer orthopädischen Praxis gearbeitet“, erzählt sie. Auch als Fitnesstrainerin war die tennisbegeisterte Frau unterwegs. Mit einer Trainerkarriere hat sie schon immer geliebäugelt.

Die Mama pflegt die Trophäen

Erinnerungen an all ihre Fußball-Stationen hat sie nicht nur im Kopf, sondern auch in textiler Form. „Ich habe von jedem meiner Klubs ein Trikot zu Hause. Natürlich auch vom Pokalfinale in Berlin.“ Oder von ihren einstigen Mitspielerinnen in Saarbrücken, Marozsán und Nadine Keßler (dreimalige Champions-League-Siegerin). Die Trophäen, die Kraus all die Zeit gesammelt hat, hat die Mama zu Hause in Pressath immer schön in Obhut. Dorthin, in die Oberpfalz, kommt sie immer wieder gerne. Ihre Heimat bleibt Pressath. Da warten Papa und Mama, Kraus hat auch zwei Schwestern. Auch die Nichten und Neffen freuen sich, wenn die Tante da ist. „Ich komme immer wieder gerne zurück, genieße die Umgebung, die Ruhe und vor allem meine Familie.“

Aber dann geht es wieder weiter. Zuletzt Richtung Schwaben, früher auch schon mal gen Osten. In Jena lernte sie auch die heutige Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg kennen. „Sie war nur ein paar Monate Trainerin, ehe sie in die Schweiz wechselte.“ Von der jetzigen Bundestrainerin hält Kraus sehr viel. „Sie ist sehr fähig, hat nationale wie internationale Erfahrung.“ Kraus lobt die Entwicklung der deutschen Nationalelf. Die Bundestrainerin sei top-professionell. „Sie hat viel auf unsere Ernährung geachtet“, erinnert sich die Pressatherin. Wurst oder Weißbrot auf dem Tisch – das strich Voss-Tecklenburg sofort. „Schon als Spielerin in Duisburg sei sie so gewesen, erzählte mir meine Freundin“, sagt Kraus. Wenn sie jetzt als Verbandssportlehrerin auf Trainerkongressen ist, dürfte sie die Bundestrainerin ab und an treffen. Gegessen wird dann sicherlich ganz gesund.

Info:

Das ist Nadine Kraus

  • Geboren am 14. Februar 1988 in Weiden, aufgewachsen in Pressath.
  • Neben Fußball auch Tennisspielerin beim TSV Pressath und dem TC Grün-Rot Weiden.
  • Fußballstationen
    1991 bis 2001 beim TSV Pressath.
    2000 bis 2002 SV Grafenwöhr.
    2002 bis 2007 SC Regensburg.
    2007 bis 2009 1. FC Saarbrücken.
    2009 bis 2011 SG Essen-Schönebeck.
    2011 bis 2014 FF USV Jena.
    2015 bis 2016 VfL Bochum.
    2019 bis 2021 1. FFC Recklingshausen.
    Seit 1. Oktober 2022 württembergische Verbandstrainerin
  • 5 U17-Länderspiele, 1 U19-Länderspiel.
  • 2 mal Deutscher Meister mit der U18-Landesauswahl Bayern.
  • Sportlerin des Jahres 2007 bei der Wahl des Medienhauses „Der neue Tag“ in Weiden.
 
 

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