Update 14.09.2019 - 15:52 Uhr
RegensburgSport

Al Ghaddioui sichert Stuttgart den Dreier bei Jahn Regensburg

Ein furioses Finale mit dem besseren Ende für den VfB Stuttgart: Ein verdientes 3:2 für die spielerisch stärkeren Schwaben, das sie gegen leidenschaftlich kämpfende Regensburger gerade so über die Ziellinie bringen.

Ausgerechnet der Ex-Regensburger Hamadi Al Ghaddioui (rechts) macht für den VfB den Deckel drauf. Dezent verzichtet er auf den Jubel.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Bis zum Zufallstreffer von Nicólas González (24.), der einen Abpraller verwertet, verteidigt Jahn Regensburg gut und offensiv. Danach bestimmt der VfB Stuttgart das Geschehen. Nach vorne geht in Hälfte eins bei den Oberpfälzern wenig bis nichts.

In der zweiten Halbzeit wird Regensburg mutiger. Auch wenn die technisch versierten Gäste weiter das Spiel dominieren, kämpft sich der Jahn zurück: Jann George erzwingt den Elfer, den Max Besuschkow zum 1:1 (70.) verwertet. Das mögliche Remis verspielen die Hausherren auch, weil Keeper Alex Meyer immer wieder seine liebe Not mit der Strafraumbeherrschung hat - beim 1:2 (76.) durch Holger Badstuber verschätzt er sich, Didavi legt von der Grundlinie zum Einnicken auf.

Der Jahn setzt alles auf eine Karte, bringt Stuttgart ins Schleudern, aber VfB-Trainer Tim Walter hat noch einen Joker auf der Bank: Ausgerechnet Ex-Regensburger Hamadi Al Ghaddioui macht den Deckel drauf, 1:3 (92.). Oder doch nicht? Ein sensationaler Pass von Grüttner auf den eingewechselten Neuzugang Federico Palacio - und der Ex-Nürnberger hat die Chuzpe, das Kunstleder über Keeper Gregor Kobel ins Netz zu lupfen, 2:3 (92.). Und dann zittern die Aufstiegsfavoriten richtig: Hohe Flanke, Kobels Faust ins Leere - aber kein Abnehmer fürs mögliche 3:3. So bleibt's beim verdienten Auswärtssieg. Was man den Oberpfälzern vorwerfen kann: Der Mut der Verzweiflung und die belebende Wirkung von Palacio und Andreas Albers kommen zu spät.

Starkes Pressing bis zum Rückstand

Der Jahn macht, was Jahn machen soll: Pressing, um Stuttgart unter Druck zu setzen. Das sieht in den ersten Minuten wie in der starken letzten Saison aus. Und die Regensburger lauern, wie Marco Grüttner, der sich allerdings von Mangala den Ball wieder abnehmen lässt – im Rücken sieht man nichts (8.). Zum ersten Mal hat Stuttgart Platz, Andi Geipl rutscht im letzten Moment dazwischen, bekommt was auf den Knöchel (10.).

Starke Aktion von Marcel Correia, der für Okoroji klärt und auch noch den Freistoß holt (12.). Die erste Ecke boxt Jahn-Keeper Meyer zur Seite weg. Nach der ersten – schwachen – Regensburger Ecke wird der zweite Ball nochmal scharf, Grüttners Schuss geblockt, Stuttgarts Keeper Kobel springt Jann George übers Kreuz – das ist schmerzhaft, aber kein Foul (19.). Was für ein billiges Tor: Eine falsche Ecke, Stenzels Verlegenheitsschuss aus 20 Metern, den Grüttner blockt, den Abpraller verwertet Nicólas González aus 16 Metern flach ins linke Eck, Meyer reagiert nicht mehr (24.).

Nicólas González lässt sich für sein 1:0 für den VFB Stuttgart feiern.

Meyer immer wieder Sicherheitsrisiko

Es soll seine Stärke sein: Meyer läuft raus, kommt zu spät, Silas vorbei, aber zu spitzer Winkel, die Regensburger verteidigen die brenzlige Situation (27.). Saller streckt den Arsch links außen etwas raus, der Stuttgarter fällt wie eine Tanne – Freistoß zunächst ungefährlich, aber dann hat Silas die große Chance und vertändelt (30.). Ansatz eines Konters, erst versandet, immerhin holt Stolze eine Ecke – kein Problem für die Schwaben (33.). Starker Konter nach Balleroberung auf Wekesser, der könnte früher spielen, will aber rechts durchlaufen, die Flanke auf den Keeper (37.).

Stuttgart kombiniert sich rund um den Strafraum, das geht zu leicht. Glück für den Jahn, dass der letzte Pass nicht kommt (40.). Guter Ball auf Stolze, der Platz hat – aber erst verschätzt er sich bei der Ballannahme, dann haut er den Pass über die Latte (43.). Dummes Foul von Saller, zurecht Gelb (44.). Stenzel darf am 16er dribbeln und abschließen, Meyer reißt die Fäuste hoch (45.).

Wekesser aus fünf Metern

Stuttgart übernimmt in Hälfte 2 gleich mal wieder die Regie. Was ist das denn, Kempf marschiert durch die Jahn-Hälfte wie der Papst durch die Menge am Petersplatz, bedient Gonzalez, der schießt in Rückenlage drüber (47.). Starker Pass auf Stolze, der links in den Strafraum eindringt – und das schlechtmöglichste daraus macht: Statt zwei Regensburger dahinter zu bedienen, schiebt er die Kugel dem Keeper in die Hände (50.).

Aus dem Nichts die 100-Prozentige für den Jahn: Erik Wekesser bekommt den Ball von den Schwaben auf den Fünfer gelegt – und drischt ihn über die Latte (55.).

George erzwingt den Elfer

Es bleibt dabei: Der VfB darf ungestört rund um den Strafraum kombinieren und auf die Lücke warten – irgendwann fällt wieder so ein Ding einem Stürmer vor die Füße wie beim Führungstreffer. Auf der anderen Seite spielt Grüttner George an, der bedrängt zu hoch zielt (60.) – die Ecke direkt in Kobels Hände. Konter VfB, Nachreiner hastet hinterher und sieht Gelb. Ist das die kreative Karte? Neuzugang Palacio kommt für Wekesser. Und Geipl sieht die nächste Karte, weil er Silas auf die Socken haut (64.). Konter über Grüttner, aber den Ball bekommt der Kapitän nicht mehr in die Mitte (65.). Auf der anderen Seite hebt Meyer Silas Schuss über die Latte (66.).

Starker Antritt von George, der sich in den Strafraum dribbelt, in letzter Sekunde zur Ecke geblockt (68.). Und dann holt George den Elfer – aber wer soll den machen? Wie in Saarbrücken bleibt Max Besuschkow cool, verlädt Kobel, links unten, 1:1 (70.). Regensburg jetzt giftig, Palacio holt den Freistoß, Nachreiner trifft den zweiten Ball am 16er nicht voll (73.). Aber Stuttgart spielt weiter, Chancen, zwei Ecken, das wird noch ein langer Weg – Abkürzung durch den VfB: Meyer verschätzt sich, Didavi bringt den Ball nach innen, Badstuber nickt ein, 2:1 (76.).

Nur kurzer Jubel nach dem 1:1-Ausgleich durch Max Besuschkow (Mitte).

Finale furioso

Immerhin, der Jahn gibt nicht auf, wieder legt sich George ins Zeug, der letzte Pass zur Ecke geklärt (78.). Wenn Regensburger Ecken nicht auch noch zum Konter gerieten – Meyer muss gegen Försters Schuss die Fäuste ausfahren. Ein weiteres Mal George im Vorwärtsgang, Albers nimmt den zweiten Ball direkt, Kobel sicher (81.). Es geht rauf und runter, Silas aus spitzem Winkel an den Außenpfosten (82.). Und weil's so schön war, Silas Schuss abgefälscht ditscht der Ball auf die Latte. Nochmal kann Stuttgart den Deckel draufmachen, Didavi von der Grundlinie nach innen, Förster knapp drüber (84.).

Regensburg gibt nicht auf, Grüttners Ball wieder in Kobels Arme. George und Besuschkow haben noch mal die Gelegenheit, der Pass etwas zu weit. Nach der Ecke Albers mit starker Direktabnahme aus 20 Metern, Kobel sicher (90.). Statt Castro, der das Ding am fast leeren Tor vorbeizieht, ist es ausgerechnet Al Ghaddioui, der seine erste Chance vergoldet, 1:3 (92.). Schade, dass es so spät kommt, sensationeller Pass von Grüttner auf Palacio, der ihn über Kobel lupft, 2:3 (93.). Und dann fliegt der VfB-Keeper am Ball vorbei – das hätte der Ausgleich sein können. Stattdessen der Schlusspfiff.

Auch ohne Klinsi als Präsident will der VfB in Regensburg den ersten Auswärtssieg einfahren: Die ehemalige Spieler des VFB, Jürgen Klinsmann (l) und Guido Buchwald unterhalten sich nach einem Legendenspiel.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.