12.10.2018 - 18:00 Uhr
RegensburgSport

"Beierlorzer hebt Spieler auf ein neues Leistungsniveau"

Viele sagten dem SSV Jahn Regensburg eine harte Zweitliga-Spielzeit vorher. Bislang läuft es im verflixten zweiten Jahr nach dem Aufstieg aber besser als erwartet. Geschäftsführer Christian Keller erläutert im Interview die Gründe.

Jahn-Geschäftsführer Christian Keller ist mit dem bisherigen Abschneiden der Regensburger in der 2. Bundesliga durchaus zufrieden.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

(fle) Es ist ein ungeschriebenes Fußball-Gesetz, dass es Teams im zweiten Jahr nach ihrem Aufstieg schwerer fällt, die Liga zu halten, als noch in der Premieren-Saison. Dies schien auch auf den SSV Jahn Regensburg zuzutreffen, der, nach der sensationellen vergangenen Spielzeit und Abschlussplatz fünf, etwas holprig in die aktuelle Serie gestartet war. Doch in der zweiten Länderspielpause können sich die Oberpfälzer unter der Regie ihres Cheftrainers Achim Beierlorzer inzwischen ganz entspannt auf die kommenden Aufgaben vorbereiten.

Am Freitag gewann der SSV Jahn ein Testspiel beim österreichischen Zweitligisten Blau Weiß Linz mit 2:0. Die Tore erzielten Hamadi Al Ghaddioui und Haris Hyseni. Beierlorzer gab vor allem den Akteuren Spielzeit, die zuletzt wenig bis gar nicht bei Profis zum Einsatz gekommen waren. So auch dem Waldecker (Kreis Tirschenreuth) Sven Kopp. Bevor es am Sonntag, 21. Oktober, um 13.30 Uhr in der heimischen Continental-Arena gegen den SV Darmstadt 98 wieder um Punkte geht, zieht Christian Keller, Geschäftsführer Profifußball beim SSV Jahn, im Gespräch mit Oberpfalz-Medien ein Zwischenfazit der bisherigen Saison.

ONETZ: Neun Spiele, 14 Punkte, Platz acht: Wie fällt Ihr Zwischenfazit nach etwas mehr als einem Viertel der Saison bislang aus?

Christian Keller: Mit der bisherigen Punktausbeute sind wir zufrieden, denn 14 aus 27 möglichen Punkten entsprechen einer Quote, die uns zum Erreichen unseres Saisonziels definitiv reichen würde. Unabhängig von dieser Statistik waren die Leistungen in den Meisterschaftsspielen auch vor der Englischen Woche schon durchwegs gut - mit Ausnahme unseres Auswärtsspiels in Paderborn. Ab dem Hamburg-Spiel haben wir uns dann eben auch mit vielen Punkten belohnt.

ONETZ: Von sieben externen Neuzugängen schafften Jonas Föhrenbach und Marcel Correia auf Anhieb den Sprung in die Stammelf. Wem trauen Sie aus dem restlichen Quintett als nächstes konstante Einsatzzeiten von Beginn an zu?

Christian Keller: Ich möchte das auch aktuell gar nicht auf Jonas Föhrenbach und Marcel Correia reduzieren. Alle haben sich voll integriert, bringen sich gut in die Mannschaft ein und haben auch schon wichtige Entwicklungsschritte genommen. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass Maximilian Thalhammer zuletzt bereits drei Startelf-Einsätze hatte, auch Adrian Fein hat seit seiner Verpflichtung regelmäßig gespielt. Zudem hat Dominic Volkmer in Fürth sein Pflichtspiel-Debüt gegeben. André Dej stand bei diesem Spiel erstmals im Kader, Julian Derstroff gehörte ebenfalls wieder zum 18er-Aufgebot. Wir sind grundsätzlich mit allen Neuzugängen zufrieden und sehen bei allen die Chance, dass sie sich in den nächsten Monaten noch mehr Einsatzzeiten erarbeiten.

ONETZ: Sehen Sie im Winter auf bestimmten Positionen Nachbesserungsbedarf?

Christian Keller: Grundsätzlich ist unser Kader in der Breite besser besetzt als im Vorjahr. Wir haben außerdem im Winter die Situation, dass mit Sebastian Nachreiner und Oliver Hein hoffentlich zwei Eckpfeiler nach schweren Verletzungen zurückkommen. Allein dadurch wird sich die Kaderqualität nochmals anheben. Unter der Prämisse, dass keine schweren Verletzungen mehr hinzukommen oder sonstige unvorhersehbare Ereignisse eintreten, sehe ich derzeit keinerlei Notwendigkeit dafür, im Winter etwas am Kader zu verändern.

ONETZ: Was zeichnet die Scouting-Abteilung des SSV Jahn aus? Besonders bei den Leih-Spielern beweisen Sie stets ein enorm glückliches Händchen.

Christian Keller: Zunächst einmal differenzieren wir im Scouting nicht zwischen potenziellen Leih-Spielern und Spielern, die wir fest verpflichten können. Wir bewerten jeweils die sportliche Qualität und das Entwicklungspotenzial, das ein Spieler mitbringt. Dabei scouten wir ganz bewusst auch in Ligen, in denen die Konkurrenten in der 2. Liga weniger hinschauen. Denn es ist klar, dass der Jahn vor dem Hintergrund seiner wirtschaftlichen Möglichkeiten bei der Spielersuche Nischen besetzen muss.

ONETZ: Die 2. Bundesliga wirkt wieder sehr ausgeglichen. Wer macht Ihrer Meinung nach das Rennen um die ersten drei Ränge? Gelingt dem Jahn erneut eine Saison frei jeglicher Abstiegssorgen?

Christian Keller: Es ist definitiv auch in dieser Saison wieder so, dass in der 2. Liga alles passieren und jeder jeden schlagen kann. Die 2. Liga ist also nicht nur ausgeglichen sondern ein Stück weit auch unberechenbar. Für uns bedeutet das, dass wir in jedem Spiel hellwach sein und immer an unsere Leistungsgrenze gehen müssen, um Punkte zu holen. Deshalb wissen wir, dass jedes Spiel eine große Herausforderung darstellt und wir jedes Spiel bis zum letzten Spieltag entsprechend angehen müssen, um am Ende unser Saisonziel Klassenerhalt auch zu erreichen. Als klaren Favoriten auf die Aufstiegsränge würde ich nach den bisherigen Eindrücken den 1. FC Köln ausmachen. Dahinter gehe ich derzeit davon aus, dass es lange ausgeglichen bleiben wird.

ONETZ: Charakterisieren Sie bitte mit drei Schlagbegriffen die Wesenszüge der Arbeit von Chefcoach Achim Beierlorzer.

Christian Keller: Achim zeichnet zunächst einmal seine starke, integre Persönlichkeit aus, die sich gerade in seiner tollen Mannschaftsführung zeigt. Darüber hinaus leistet er mit der Unterstützung seines Trainerteams aber auch tagtäglich auf dem Platz hervorragende Arbeit. Mit seiner hohen Fach- und Methodenkompetenz bringt er der Mannschaft die Jahn-Spielphilosophie näher und sorgt dafür, dass sie konsequent umgesetzt wird. Außerdem hat Achim eindrucksvoll nachgewiesen, dass er Spieler weiterentwickeln und auf ein neues Leistungsniveau heben kann.

ONETZ: Haben Sie Angst beziehungsweise die Befürchtung, dass Beierlorzer während seiner Vertragslaufzeit dem Werben eines Bundesligisten erliegen könnte?

Christian Keller: Unsere Devise beim Jahn ist einerseits langfristig zu denken, andererseits aber im Hier und Jetzt zu leben. Und im Hier und Jetzt sind wir sehr glücklich darüber einen so guten Chef-Trainer wie Achim Beierlorzer beim SSV Jahn zu haben.

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