Update 18.08.2019 - 16:12 Uhr
RegensburgSport

Fürth gewinnt Grottenkick gegen Jahn Regensburg

Man kann bei der SpVgg Fürth mit 1:0 verlieren. Doch was der SSV Jahn im Ronhof ablieferte, war bodenlos. Das schlechteste Spiel der Regensburger seit Jahren. Auch Mersad Selimbegovic' Wechsel trugen dazu bei.

Der Fürther Branimir Hrgota (Mitte) jubelt mit seinen Kollegen über seinen vermeintlichen Treffer zum 2:0. Erst Minuten später wurde der zurückgenommen.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

94 Minuten Murks. Gegen einen Gegner der allenfalls zehn Minuten so etwas ähnliches wie Fußball zustande brachte. Das reichte, um gegen die Oberpfälzer einen Dreier einzufahren. Neben der Aufarbeitung zweier Niederlagen in Folge muss auch Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic in sich gehen: Warum darf Jann George grundsätzlich nur noch als zweite Wahl ins Spiel eingreifen, obwohl weder Sebastian Stolze noch Marc Schneider überzeugen? Was dachte sich der Coach dabei, erst die Jahn-Abwehr durch Herausnahme von Correia zu schwächen, um Minuten später mit Palionis wieder defensiv zu wechseln – der Oldie hätte mit seinem Fehler fast das 0:2 vorbereitet, das zunächst gegeben, dann aber wieder zurückgenommen wurde.

Es sind nicht das Ergebnis und die vier Punkte nach drei Spielen, die Sorgen bereiten. Einen Auftritt wie diesen, mussten sich die Regensburger Fans seit Jahren nicht mehr ansehen: plan-, struktur- und ideenlos. Vielleicht war es einfach nur ein gebrauchter Hitzesonntag, und die Jahn-Elf zeigt nächste Woche gegen Bielefeld ein anderes Gesicht. Der Auftritt heute weckt allerdings erhebliche Zweifel, dass es sich nur um eine Momentaufnahme handelt.

Jahn-Präsident als Gallionsfigur

Auch wenn Fürths neuer Trainer Stefan Leitl den Begriff Derby für das fränkisch-oberpfälzische Duell zurückweist: Emotionen sind allemal im Spiel. Als rund 400 Regensburger Fans vergangenes Jahr am Bahnhof in Fürth nicht in die vorgesehenen Shuttlebusse steigen wollten, setzte die Polizei Schlagstöcke ein. Die Beamten sollen bei diesem Einsatz am Bahnhof mehrfach mit Pfefferspray und Schlagstöcken vorgegangen sein - darunter auch Kinder und Frauen, wie Augenzeugen berichteten.

Damit sich solche Szenen nicht wiederholten, schritt heute Jahn-Präsident Hans Rothammer dem Marsch zum Ronhof voraus. Im Stadion wollten die Oberpfälzer dann eine Wiedergutmachung für das verpatzte Pokal-Aus sehen - eine 2:3-Niederlage beim Regionalligisten 1. FC Saarbrücken. Dem Gastgeber ging es allerdings nicht viel besser. Mit 0:2 unterlagen sie Drittligist MSV Duisburg.

Fehlpässe, Ballverluste, kaum Spielfluss

So startet der Jahn ins zweite Auswärtsspiel: Meyer - Hein, Nachreiner, Correia, Okoroji - Besuschkow, Geipl - Saller, Stolze - Grüttner, Schneider. Fürths Trainer Stefan Leitl wechselt gegenüber dem Pokal-Spiel auf fünf Positionen.

Erster Freistoß für den Jahn, nachdem ein Fürther Grüttner auf die Zehen trat – die Flanke etwas zu weit (4.). Schneider im 16er, sein Versuch querzulegen, misslingt (6.). Besuschkow bleibt nach Luftkampf liegen, die Platzwunde muss draußen behandelt werden (14.). Zu viele Fehlpässe, zu leichte Ballverluste auf beiden Seiten, kaum Spielfluss. Jetzt erste Ecke Fürth: viel Durcheinander, aber kein Abschluss (18.).

Torraumszenen wie diese mit Marco Grüttner sind Mangelware im Fürther Ronhof.

Qualvolles Gekicke

Nach erneutem Ballverlust im Spielaufbau die erste Fürther Chance, Meyerhöfer über rechts, Green aus elf Metern in Meyers Arme (23.). Trinkpause in der Rohnofer Hitzeglut. Nach Besuschkows Freistoß taucht Grüttner plötzlich allein vorm Fürther Keeper auf, Sascha Burchert greift sich den Ball vom Fuß (31.). Hirnarmes Agieren auf beiden Seiten, ein offensichtlicher Pass ins Abseits, qualvolles Gekicke (34.).

Erste Regensburger Ecke, Okoroji von rechts: auf einen Fürther Kopf und abgepfiffen (37.). Auf der anderen Seite eine Flanke in Meyers Handschuhe, mehr ist bisher nicht los (38.). Nach einem erneuten Rundlauf der Fehlpässe zweite Ecke für den Jahn: Gevatter Zufall sorgt für Gefahr, weil Fürth den Ball nicht rausbekommt und Grüttner einen Tritt in den Hintern bekommt (44.). Der fällige Elfmeter-Pfiff bleibt aus.

Auf der anderen Seite sieht Bene Saller Gelb, weil er auf die Notbremse tritt (47.). Saller schießt sich dann noch selbst an die Hand, Aufregung bei den Weiß-Grünen, dann geht’s endlich in die Halbzeit.

Der Regensburger Trainer Mersad Selimbegovic erwarb mit seiner Wechselpolitik kein Ruhmesblatt.

Spiel bleibt leblos

Das wurde Zeit: Hoffnung, dass Jann George Impulse setzen kann – die Nummer 9 kommt für Saller. Gleich mal ein schöner Seitenwechsel und die dritte Regensburger Ecke. Zuvor hartes Einsteigen gegen Okoroji, der behandelt wird (47.). Daraus entsteht der Fürther Konter, Hein kann Leweling nicht stoppen, der finale Pass zu ungenau (48.). Green gefährlich am 16er, sein Schuss gerade noch geblockt (51.).

Meyer steht zu weit vorm Kasten, muss Lewelings Heber über die Latte heben (53.). Bei Fürth kommt Havard Nielsen für Keita-Ruel (55.). Der Fürther Konter versandet, Grüttners Anlauf Richtung Torwart zu langsam, das Spiel bleibt leblos (59.). Selimbegovic hat eine neue Idee, bringt Erik Wekesser für Correia (61.). Und die erste Halbchance für den neuen 22-Jährigen, Kopfball nach Geipl-Flanke drüber (63.).

Wechselchaos

Dann bringt sich der Jahn selbst in Bedrängnis, erst die unfreiwillige Kopfballvorlage, das Tor ist leer, weil Meyer und Stolze sich missverstehen, die Kugel einige Sekunden in der Schwebe, der Abschluss bleibt aus (66.). Der Wechsel erschließt sich nicht: Palionis für Schneider, jetzt doch wieder mehr Abwehr? Nach der Ecke muss Meyer einen Flatterschuss zur nächsten Ecke um den Pfosten schaufeln (69.).

Nächste Ecke, nächste Chance, Flugkopfball Nielsen, knapp drüber (71.). Das hat sich abgezeichnet, Fürth über rechts, Flanke von Hrgota, Green vor Hein per Kopf in den linken unteren Winkel, 1:0 (74.). Nur eine Minute später steil auf Hrgota, Zentimeter am rechten Pfosten vorbei (74.). Und schließlich vereitelt Meyer noch Meierhöfers scharfe Hereingabe (79.).

Armutszeugnis

Katastrophales Jahn-Spiel: Palionis will den Ball an der Seitenlinie im Spiel halten, bringt aber damit den Gegner ins Spiel, Drehschuss Hrgota, Ball im Netz, alles jubelt, Anstoß, doch der Treffer zählt nicht, Abseitsposition (80.). Fürth wechselt langsam Richtung "Dreier halten" – Paul Jaeckel für Seguin (88.). Viele Unterbrechungen und Trinkpausen, deshalb vier Minuten obendrauf.

Meyer irrt durch den Strafraum, einmal rund um Jaeckel, dann hat er den Ball doch noch (92.). Der Jahn schafft es nicht einmal vors Fürther Tor, ein Armutszeugnis – das schlechteste Spiel seit Jahren.

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