01.09.2018 - 14:01 Uhr
RegensburgSport

Jahn besiegt sich beim 3:5 in Bielefeld selbst

Schon zur Halbzeit ist Jahn Regensburg beim Zwischenstand von 2:3 an allen Bielefelder Treffern maßgeblich beteiligt. In der zweiten Hälfte gelingt der schnelle Ausgleich, Chancen für die Führung lässt man liegen. Das wird bestraft.

Wer zuletzt jubelt in der Schüco-Arena: Bielefelds Torschütze Julian Börner (2.v.l) feiert seinen Treffer zum 1:1 mit Keanu Staude (l-r), Andreas Voglsammer, Brian Behrendt, Nils Seufert und Manuel Prietl. Zum Schluss dürfen die Arminen über fünf Treffer jubeln.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Krasse Fehler bringen den SSV Jahn trotz schneller Führung durch Marco Grüttner (3.) in Rückstand: Nach katastrophalem Fehlpass von Sörensen am eigenen 16er das 2:1 (17.) für Bielefeld. Nach Jann Georges Ausgleich (26.) köpft Bene Saller zum 3:2 (31.) der Arminen ins eigene Tor. Zwischenzeitlich netzt Julian Börner nach zweifelhafter Ecke zum 1:1 ein (8.).

In der zweiten Hälfte übernimmt der SSV das Kommando. Nach Marco Grüttners abermaligem Ausgleich lässt der SSV beste Chancen liegen – nochmal der Kapitän und Sargis Adamyan vergeben allein vor Keeper Stefan Ortega. Stattdessen nehmen die Arminen nochmal Fahrt auf; Fabian Klos nickt mit etwas Abstützung auf Föhrenbach zum 4:3 ein (89.). und als Philipp Pentke beim letzten Freistoß für Verwirrung im gegnerischen Strafraum sorgen will, gelingt Patrick Weihrauch der Todesstoß ins leere Tor, 3:5 (94.).

Rasanter Auftakt

Das Spiel beginnt rasant: Flanke von Jann George Richtung 16er, Adamyan mit feinem Zuspiel, Grüttner artistisch mit Drehschuss, unhaltbarer Aufsetzer, der in den Winkel springt, 1:0 (7.). Aber die Hausherren sind nicht geschockt. Erst Andreas Voglsammer mit der Chance, knapp am linken Pfosten vorbei – wieso Ecke? Und die ist fatal, Börner steigt unbedrängt hoch und köpft den Ausgleich (7.).

Fast im Gegenzug spielt sich der SSV bis an den Fünfer, Ortega vor George (9.). Staude über links, schon die dritte Bielefelder Ecke (12.). Die nächste Großchance, Voglsammer kann sich die Kugel kurz vorm Fünfer mit der Brust runterholen, Pentke gerade noch dran. Und schon der nächste Tempogegenzug der Arminen, Föhrenbach mit dem Fehler, Pentke rettet in letzter Sekunde (15.).

Marco Grüttners früher Führungstreffer hat nicht lange Bestand.

Sörensens und Sallers Geschenke

Was für ein Katastrophenfehler von Sörensen: Fehlpass quer vom 16er aus, Bielefeld schnell und direkt auf Voglsammer, der flach links zum 2:1 einnetzt (17.). George versucht Pentkes Abschlag in Bedrängnis im Spiel zu halten, genau auf einen Blauen, nur durch Foul zu stoppen, Freistoß: zu hoch (20.). Dann auch mal wieder der Jahn, lange Flanke auf Adamyan, aus spitzem Winkel zur Ecke abgefälscht – nochmal das gleiche Spiel, Ecke ans Außennetz (23.).

Jetzt kann sich Regensburg mal ein wenig festsetzen, die dritte Ecke: Kurz gespielt, einmal um den Strafraum, Adamyan flankt von rechts, Flugkopfball George, 2:2 (25.). Nicht, dass das lange halten würde: Saller unbedrängt am Fünfer will zu Pentke zurückgeben, köpft unbedrängt zum 3:2-Eigentor ein (31.). Der Unglücksrabe will das reparieren, ackert durchs Mittelfeld, Ballverlust, wieder erkämpft, nächster Fehlpass, die Nerven liegen blank.

Adamyan holt den vierten Eckball für den Jahn: Andreas Geipl kurz auf Föhrenbach, scharfe Flanke, Ortega faustet weg (34.). Bielefeld lauert jetzt eher auf den Konter: Adamyan fast über links durch, gestoppt. Und feiner Pass auf Grüttner in den 16er, der läuft aber schnurstracks in zwei Blaue, Halbzeit.

Grüttner tankt sich durch

Beide beginnen etwas vorsichtiger, nur nicht gleich wieder so ein vogelsammerwildes Tor. Freistoß nach Börners Handrettungstat – Föhrenbach legt aus 30 Metern für Nandzik ab, auch Bielefelds Himmel hat Anziehungskraft (50.). Alles, was der Jahn macht, hat nicht immer Präzision, aber immer Wucht. Grüttner tankt sich im Strafraum durch, bleibt hängen, fasst nach, verwertet zum 3:3 (52.).

Saller immer noch auf Mission Wiedergutmachung, tritt im Mittelfeld an, aber wieder Fehlpass, der Geist ist willig, nur der Fuß ist schwach heute – den zweiten Ball kullert Geipl zum Torwart. Und der SSV gibt wieder Gas, Keeper Ortega gerade noch zur Stelle. Auf der anderen Seite sieht Geipl nach taktischem Foul Gelb – Freistoß 30 Meter: abgefangen, Konter Nandzik aber auch unterbunden.

Grüttner allein vor Ortega

Fast die ausgleichende Gerechtigkeit, Konter über rechts, Börner klärt Adamyans starke Flanke so eben noch über die Querlatte (56.). Ortega hebt Sörensens Freistoß vorsichtshalber über die Latte, sechste Ecke: Adamyan gegen drei im 16er rutscht weg – dann ist urplötzlich Grüttner wieder allein vor Ortega, diesmal bekommt er die Faust raus (60.).

Sörensen zieht den gerade eingewechselten Weihrauch am Schlafittchen, Gelb und Freistoß: Nils Seufert von halblinks an die Latte (62.). Jeff Sabene sieht weiteren Reformbedarf, für Voglsammer kommt Prince Osei Owusu (66.). Schöner Seitenwechsel auf Sebastian Freis der kurz vorm Fünfer gestoppt wird (67.). Der Prince ist körperlich ganz schön auf Draht, Nandzik stellt sich geschickt in den Weg und bekommt den Freistoß (69.). Und es geht wieder hin und her, Konter über den Prince, Pentke etwas früher am Ball. Im Gegenzug läuft Adamyan immer weiter und immer weiter – und statt quer zu legen, läuft er sich fest.

Adamyan allein vor Ortega

Und dann der nächste Konter, dem allerdings ein Foulspiel an einen Arminen vorausgeht – Adamyan allein vor Ortega, nein, ein Knipser ist er nicht, flach in des Keepers Hände (72.). Auf der anderen Seite zieht Florian Hartherz ab, Grüttner wäre im Eck gewesen, geht aber auch so daneben (74.). Proteste nach Billard im Regensburger Strafraum, Nandzik streckt die Brust etwas schräg raus, Klos will den Handelfer, bekommt Gelb, die Arminen auf der Tribüne toben.

Der heute etwas unauffällige Sebastian Freis muss runter, Sebastian Stolze darf die letzten gut zehn Minuten mithelfen, nach Lösungen zu suchen – aber zuvor muss Pentke Joan-Simun Edmundssons Schuss parieren (79.). Und auch Jann George, der sich an die Brust fasst, bekommt die finale Verschnaufpause, Jonas Nietfeld ist die defensivere Variante (82.). Keine schöne Szene, da brauchen die Ostwestfalen nicht zu pfeifen, der Prince knallt Föhrenbach den Ellbogen ins Gesicht.

Das 3:5 ins pentkelose Tor

Stolze holt die siebte Ecke, das sorgt für Entlastung: Kabinettstückchen von Geipl, Ecke abgeblockt, er bekommt den Ball nochmal und fällt über denselben – Konter gerade noch abgefangen. Dann schon wieder der SSV, aber zu harmlos. Bielefeld etwas aktiver, Flanke von links, Klos geht einen Schritt aus dem Abseits, steigt hoch, auch etwas mit den Armen auf Föhrenbach, aber entscheidend ist, dass er trifft, 4:3 (89.). War’s das?

Drei Minuten verbleiben, ob Hamadi Al Ghaddioui daran noch was ändern kann? Adamyan holt den letzten Freistoß, Pentke kommt mit nach vorne, Ballverslust, Konter aufs leere Tor, Weihrauch deutlich schneller knipst das Licht aus – Grüße an Südkorea, 5:3 (94.).

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