28.03.2019 - 15:10 Uhr
RegensburgSport

Jahn-Profi Hein: Weder Pechvogel noch Urgestein

Gefühlt ist er schon immer da. Dabei ist er vor kurzem erst 29 Jahre alt geworden. Oliver Hein ist seit Jahren ein Gesicht des SSV Jahn Regensburg. Einer, den auch viele Rückschläge nicht umhauen. Und einer, den auch der Zweitligist als Identifikationsfigur braucht.

Der Mann haut sich immer voll rein: Oliver Hein (rechts) stand Ende Februar in der Startelf gegen den großen HSV. Die Regensburger siegten mit 2:1 und Hein räumte auf seiner Seite vieles ab.
von Josef Maier Kontakt Profil

Seit Ende Januar ist Oliver Hein vom SSV Jahn Regensburg wieder im Wettkampfmodus. Nach fast einjähriger Spielpause kehrte der Niederbayer zurück. Auch am Samstag (13 Uhr) im Spiel bei Darmstadt 98 will er auf dem Platz stehen. Im Interview mit den Oberpfalz-Medien erklärt der 29-jährige Außenverteidiger, warum er einen Begriff gar nicht leiden kann, warum er derzeit keine Rechenaufgaben löst und wer für ihn der "Mister Jahn" ist.

ONETZ: Hallo Herr Hein, was macht eigentlich Ihr Mathematik-Studium?

Oli Hein: Das liegt seit ein paar Jahren auf Eis. Das große Problem bei einem Fernstudium ist, dass der Samstag der Hauptprüfungstag ist. Und das war vor allem in der dritten Liga eine Katastrophe.

ONETZ: Gibt’s das, dass Profis vormittags vor den Mathe-Aufgaben schwitzen und dann nachmittags auf dem Spielfeld?

Oli Hein: In der Anfangszeit habe ich das noch probiert. Es gab da mal ein Spiel in Saarbrücken, da konnte ich dort am Samstagvormittag an der Universität die Prüfung schreiben, danach bin ich mit dem Taxi und im Trainingsanzug ins Stadion gefahren. Da haben die Leute geschaut.

ONETZ: Das Studium läuft ja nicht davon ...

Oli Hein: Ich habe schon vor, vielleicht später einmal das BWL-Studium, das war mein Nebenfach, fertigzumachen. Ich habe jetzt in der letzten Verletzungspause auch meinen Heilpraktiker abgeschlossen. Ich denke, mit diesen Standbeinen wäre ich nach dem Fußball gut aufgestellt.

ONETZ: Ihre Verletztenliste ist lang. Gibt es etwas, was Sie noch nicht hatten?

Oli Hein: Einen Kreuzbandriss. Und - toi, toi, toi - ich hoffe, das bleibt auch so. Die letzten zwei Verletzungen (Luxation der Kniescheibe; Anm. d. Red.) waren schon schwerwiegend. Vorher waren das alles Verletzungen, bei denen die Ausfalldauer überschaubar war. Maximal sechs bis acht Wochen. Aber die Ausfallzeit von fast einem Jahr zuletzt war nicht ohne.

ONETZ: Wie robust sind Sie da psychisch, das alles wegzustecken?

Oli Hein: Beim ersten Mal weiß man nicht, was auf einen zukommt, das ist schwer. Von heute auf morgen bricht die komplette Wettkampfbelastung weg. Nicht nur physisch, sondern auch die mentale Vorbereitung auf ein Spiel. Der Fokus verschiebt sich komplett: Weg von der Wettkampfbelastung am Samstag hin zur Reha. Beim zweiten Mal wusste ich einigermaßen, was mich erwartet.

ONETZ: Ende Januar feierten Sie Ihr Comeback gegen Paderborn. In der 86. Minute wurden Sie eingewechselt, Sie wurden lange gefeiert ...

Oli Hein: Da werden schon wahnsinnige Gefühle frei, da fällt vieles von einem ab. In solchen Momenten weiß ich auch, welches Privileg es ist, Fußballprofi zu sein. Es ist aber auch irgendwie traurig, dass man manchmal solche Momente braucht, um sich das wieder ins Gedächtnis zu rufen.

ONETZ: Spieler kommen und gehen, auch beim SSV Jahn. Oli Hein und Sebastian Nachreiner bleiben. Kann man das grob so beschreiben?

Oli Hein: (schmunzelt) Ja, das stimmt. Wastl und mich verbinden viele Erlebnisse. Wir haben viel gemeinsam durchgemacht. Auch die schweren Zeiten, in denen wir beide verletzt waren, das schweißt noch mehr zusammen.

ONETZ: Seit 2007 sind Sie beim Jahn. Ein typisches Urgestein würden da viele sagen ...

Oli Hein: Ich habe mal unsere Medienabteilung gebeten, diesen Begriff bitte nicht mehr zu verwenden. So alt fühle ich mich wirklich noch nicht. (lacht)

ONETZ: Und?

Oli Hein: Er wurde seitdem auf Jahn-Kanälen nicht mehr verwendet. (lacht)

ONETZ: Also kein „Urgestein“, aber sehen Sie sich manchmal als „Pechvogel“ ob Ihrer Verletztenliste?

Oli Hein: Wenn man das Privileg hat, sein Hobby zum Beruf zu machen, dann würde ich mich nicht als Pechvogel bezeichnen. Ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich meine Power und Energie in den Fußball investieren kann.

ONETZ: Power und Energie sind gute Stichwörter. Davon steckt ja jede Menge in dieser Jahn-Mannschaft. Geben Sie und Ihre Kollegen eigentlich nie auf?

Oli Hein: Das ist mittlerweile Teil unserer DNA. Dazu kommen auch die Erfahrungen aus der Vorsaison. Da hat man auch gesehen, dass es sich lohnt, nie aufzugeben. Das hat das Spiel gegen Düsseldorf gezeigt. Nach einem 0:3 gewannen wir noch 4:3. In dieser Saison stehen wir unter den Top 3 der Teams, was das Aufholen von Rückständen anbelangt. Und das alles ist ja auch in den Köpfen der Gegner verankert. Die wissen: Wir sind Comebacker.

ONETZ: Der Trainer lebt dieses „Nie aufgeben“ auch vor. Was für ein Typ ist Achim Beierlorzer?

Oli Hein: Er ist ein besonderer Trainer. Ein Trainer mit einem klaren Plan, klaren Vorstellungen, klarer Kommunikation. Was Trainingsakribie und Rhetorik angeht, sind das bei ihm schon Merkmale, die besonders sind.

ONETZ: Was ist eigentlich passiert, dass aus dem wackeligen Drittligisten SSV Jahn ein stabiler Zweitligist wurde?

Oli Hein: Das liegt hauptsächlich an einer Person, an Christian Keller. Christian hat jeden Stein hier umgedreht. Auch die, die ganz tief in der Erde waren. Das alles hier war zu Beginn ja eine Vision. Das hat man sich alles so nicht erträumen können.

ONETZ: Das neue Stadion hat sicher auch für einen Schub gesorgt, oder?

Oli Hein: Wenn man konkurrenzfähig sein will, braucht man so ein Stadion. Das Flair im Jahn-Stadion hatte auch etwas. All die Widrigkeiten haben uns zusammengeschweißt. Aber ein neues Stadion ist schon was anderes.

ONETZ: Am Samstag geht es nach Darmstadt. Knackt die Mannschaft die 40-Punkte-Marke? Mit Oli Hein in der Startelf?

Oli Hein: Ich hoffe, dass wir die 40 vollmachen. Ob's mit der Startelf klappt, das kann ich nur durch Trainingsleistungen beeinflussen. Ich werde aber richtig Gas geben.

ONETZ: Seit der Jugend spielen Sie für den Jahn. Hatten Sie nie das Verlangen, mal den Verein zu wechseln?

Oli Hein: In der ganzen Zeit habe ich zwei Mal überlegt: Als wir 2012/2013 in der zweiten Liga gespielt haben in der Winterpause, und dann nach dem Abstieg in die Regionalliga gab es Angebote, die interessant waren. In beiden Fällen hätte ich es aber nicht übers Herz gebracht, den Jahn in seiner damaligen Situation zu verlassen.

ONETZ: Sie haben hier noch gut ein Jahr Vertrag. Könnten Sie sich danach etwas anderes vorstellen?

Oli Hein: Auch wenn man im Fußball nie nie sagen sollte, glaube ich, dass ich kein anderes Trikot mehr anziehen werde.

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