23.05.2020 - 15:22 Uhr
RegensburgSport

Jahn Regensburg quält sich in Sandhausen Richtung Klassenerhalt

Überzeugend sieht anders aus, aber immerhin das Ergebnis ist akzeptabel: Jahn Regensburg verteidigt beim SV Sandhausen ein torloses Remis. Erik Wekessers Abseitstor blieb der einzige Torschuss, der das Netz in Wallung versetzte.

SV-Keeper Martin Fraisl (Mitte) wehrt einen der wenigen Regensburger Torschüsse ab.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Man darf sich nichts vormachen: Auch nach dem wichtigen Auswärtspunkt in der Kurpfalz hat der Tabellenzehnte (34 Punkte) lediglich ein 6-Punkte-Polster auf Wehen-Wiesbaden auf dem direkten Abstiegsplatz. Dennoch darf sich Jahn Regensburg darüber freuen, den Abstand von vier Punkten auf den SV Sandhausen gewahrt zu haben.

Die Moral bei den Oberpfälzern stimmt, wohl wahr. Das muss man auch erwarten, da spielerisch derzeit wenig zusammengeht. Sandhausen war deshalb in einer Partie, die ausschließlich von der Spannung lebte, über weite Strecken die spielbestimmende Mannschaft. Der Jahn hatte Glück, dass die Gastgeber daraus selten zwingende Chancen erarbeiteten – und Dusel, dass sie bei den drei, vier Schüssen allein vor Keeper Meyer zu ungenau zielten.

Derby als Abstiegskrimi

Beim SSV Jahn findet man auf der Habenseite eigentlich nur Wekessers Treffer aus knapper Abseitsposition und einige Standards, die zumeist wirkungslos verpufften. Klar, die Corona-Zwangspause hat nicht zur höheren Spielkultur beigetragen, aber damit müssen auch andere Vereine zurechtkommen. Und sowohl Kiel als auch Sandhausen gingen die Aufgabe offensiver an.

Am Dienstag, 18.30 Uhr, muss der Jahn den nächsten Verein auf Distanz halten, der auf Messers Schneide wandelt: Der 1. FC Nürnberg als Tabellen-15. (30 Punkte) wird im Derby alles in die Waagschale werfen, um den Doppelabstieg zu verhindern.

Duell der Trainer

Zum ersten Mal spukt der Jahn auswärts: Vor der Englischen Woche will Jahn Regensburg (10./33) Punkte) den Abstand zu Sandhausen (15./ 29) mindestens wahren. „Sandhausen ist ein sehr unangenehmer Gegner“, weiß Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic, „der viel mit langen Bällen spielt, zwei robuste Spitzen hat und auch viele Flanken aus dem Halbfeld schlägt.“ Wenige Fehler machen und versuchen, sich vorne durchzusetzen, ist sein Rezept: „Umschaltmomente zu suchen, schnell nach vorne zu spielen und in den Rücken des Gegners zu kommen, um gefährlich zu werden.“

„Das Spiel in Aue hat sich in vielen Bereichen ganz normal angefühlt“, bilanziert Sandhausens-Trainer Uwe Koschinat. „Wir haben uns auf die Rahmenbedingungen gut vorbereitet, Jahn Regensburg wendet wahnsinnig viel auf, in Sachen Intensität verlangen sie ihrem Gegner immer alles ab.“ Seine Mannschaft habe er auf die aggressive Spielweise eingestellt.

In der Vorsaison trennten sich beide Mannschaften 2:2, das Hinspiel gewann der Jahn mit 1:0. Sandhausen ist seit sieben Spielen sieglos, errang gerade mal zwei Remis. Nicht viel besser lief es bei Regensburg: In den vergangenen sieben Spielen gewann der Jahn einmal, kassierte fünf Niederlagen. Sandhausen unterlag zuletzt nach früher, unverständlicher Roten Karte mit 1:3 in Aue. Der SSV konnte sich über ein schmeichelhaftes 2:2 gegen Kiel nach Elfmeter in der Nachspielzeit freuen.

Uwe Koschinat (vorn), Trainer vom SV Sandhausen, und Mersad Selimbegovic, versuchen ihre Teams für das Abstiegsduell heiß zu machen.

Extrem kampfbetont

Mit Aziz Bouhaddouz (6 Saisontore) fehlt heute ein Teil des Sandhäuser Sturmduo im Kader. Elf-Tore-Mann Kevin Behrens wird heute in der SVS-Offensive von Robin Scheu und Julius Biada unterstützt. Daniel Schlager übernimmt die Spielleitung. Zu Beginn versammeln sich die Akteure um den Mittelkreis zu einer Schweigeminute für die Corona-Opfer.

Die 22 Spieler nehmen ihre Trainer beim Wort: Es geht extrem kampfbetont los. Erste gute Möglichkeit für Regensburg, Makridis zieht aus 12 Metern ab, verzieht leicht (3.). Auf der anderen Seite rettet Meyer gerade noch vor Behrens (4.). Sandhausen die ersten zehn Minuten im Vorwärtsgang auf der Suche nach der Lücke, die der Jahn noch nicht bietet.

Spiel der Ecken und Freistöße

Eckenstafette der Regensburger, einmal Okoroji, zweimal Besuschkow, aber Sandhausen mit Lufthoheit (17.). Und noch eine auf einen Kopf der Gastgeber. Oli Hein sieht die erste Gelbe, nachdem er zu spät dran war, Freistoß von Paqarada, Meyer kommt nicht hin, aber auch kein Sandhäuser Stürmer (21.). Und gleich noch eine für Besuschkow, ähnliche Freistoßsituation: Regensburg befreit sich.

Dafür taucht aus dem Nichts Robin Scheu alleine vor Meyer auf, der den schwachen Abschluss festhalten kann (23.). Jetzt mal eine gute Freistoßposition für den Jahn, Kister mit dem Ellbogen gegen Grüttner, Besuschkow direkt, ein Hammer an das Außennetz (25.). Auf der anderen Seite tritt wieder Paqarada einen Freistoß, der zu Sandhausens erster Ecke abgewehrt wird: kein Befund (27.).

Sandhausen mit den besseren Chancen

Grüttner und Zhirov am Boden, nachdem die beiden mit den Schädeln zusammenrauschten: Es geht weiter. Wekesser setzt sich an der Grundlinie durch, kann aber Keeper Fraisl von der Grundlinie nur in die Arme schießen (35.). Dann darf Scheu unbehindert aus 18 Metern abziehen, einen Meter daneben.

Die Großchance folgt, Konter über links, Okorojis Kopf rettet, auch der zweite Ball brandgefährlich, Dusel für den Jahn (38.). Gefährliche Freistoßposition nach Kippings gelbwürdiger Grätsche: Das Ding von Denis Linsmayer klar drüber (46.). Pause.

Jahn Regensburg jubelt nach dem 1:0-Sieg gegen Sandhausen im Hinspiel.

Wekessers Abseitstor

Nach Sallers Foul der erste Freistoß für Sandhausen: Paqarada direkt auf Meyer (45.). Nach Okorojis Freistoß kommt Wekesser zum Abschluss, schießt Kister an (48.). Und dann macht er die Kiste, aber er steht dabei knapp im Abseits – nach langer Überprüfung kein Tor (50,). Jetzt auch mal Gelb für die Gastgeber, Taffertshofer säbelt Stolze um (53.). Taffertshofer gleich nochmal mit dem taktischen Foul, Gelbrot im Bereich des Möglichen – stattdessen Gelb für Koschinat, der sich beklagt.

Vorsichtshalber nimmt Koschinat den gefährdeten Mann vom Platz, für ihn kommt Marlon Frey (58.). Meyer rettet ein weiteres Mal, dieses Mal vor dem freistehenden Klingmann (61.). Beim Jahn kommt Albers für Makridis (64.). Jetzt setzen sich die Gastgeber mit Ecken im Regensburger Strafraum fest, wieder Paqarada, die dritte: wieder per Kopf geklärt (67.). Konter Sandhausen, die nächste Ecke (69.). Und noch eine. Sehenswert: Nauber knallt die Kugel aus 30 Metern in den wolkenverhangenen Himmel (71.).

Zum Schluss geht Sandhausen die Luft aus

Gelb auch gegen Linsmayer, der Stolze taktisch stoppt (73.). Kister foult Grüttner am Strafraumeck, Okorojis Freistoß bleibt am Kopf der Mauer hängen (76.). Nächster Wechsel beim Jahn, Derstroff für Stolze (84.). Der Jahn versucht zaghaft, für Entlastung zu sorgen: Zwar reicht’s nicht zum Abschluss, aber immerhin mal etwas Luft (87.).

Geipl tritt auf einen Fuß, wieder Freistoß Sandhausen: schwacher Paqarada (88.). Immerhin holt sich der Jahn mal wieder eine Ecke: Letzter Wechsel, Aaron Seydel für Wekesser, Geipl auf den kurzen Pfosten, noch eine Ecke für die Galerie (91.). Es bleibt schlussendlich beim 0:0, kein schönes Spiel, Regensburg quält sich langsam zum Klassenerhalt, Sandhausens Not wächst.

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