22.09.2019 - 15:51 Uhr
RegensburgSport

Jahn Regensburg verblödelt drei Punkte in Dresden

Extrem ärgerliche Niederlage für Jahn Regensburg: Das Spiel nach Pausenführung aus der Hand gegeben, von den Mentalitätsmonstern nach Rückschlägen nichts zu sehen. Dresden verlässt mit 2:1-Sieg den Keller dank Oberpfälzer Mutlosigkeit.

Moussa Koné bejubelt seinen Ausgleich zum 1:1.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Das hatte Jahn Regensburg in der ersten Hälfte richtig gut im Griff: Trotz frühem Ausfall von Oli Hein führen die Oberpfälzer bei Dynamo Dresden zur Pause völlig verdient mit 1:0 durch Jann George (27.). Die Dresdener kommen etwas wacher aus der Kabine zurück, ohne sich große Chancen zu erspielen. Regensburg setzt weiter Nadelstiche, verpasst bei etlichen Kontern aber den Abschluss.

Dafür macht Dynamo mit der ersten richtigen Kombination den Ausgleich: Nach Schiedsrichterball vorm Strafraum schickt der eingewechselte Atik Kollegen Wahlqvist steil, der flach in die Mitte, Koné zur Stelle, 1:1 (55.). Danach wenig Torszenen auf beiden Seiten, ein Remis zeichnet sich ab – allerdings sorgen Ballverluste, auch vom Torschützen George, für Gefahr. Und als Dynamo einmal ungestört rund um den Strafraum passen darf, zieht Ballas ab und versenkt die Kugel zum 2:1 links halbhoch (89.).

Statt brutalst mögliche Gegenwehr, die man von Regensburg in der vergangenen Saison immer erwarten durfte, ist die letzten fünf Minuten nur noch ein unstrukturierter Hühnerhaufen zu sehen: An welcher Stelle ist der unbedingte Wille, der Spirit der Beierlorzer-Ära verloren gegangen? Statt Platz 8 auf der Blitztabelle nach Hälfte 1, taumelt der Jahn zwei Punkte vor dem Relegationsplatz auf Platz 14 – und jetzt kommt auch noch der HSV, der nach 4:0 gegen Aue sicher nicht die gleichen Fehler wie im Vorjahr wiederholen möchte, als der vermeintliche Topfavorit Regensburg zweimal unterschätzte.

Es könnte eng werden: Knapp 28.000 Zuschauer wollen im Dresdener Rudolf-Harbig-Stadion einen Heimsieg sehen. Seit Regensburgs Zweitliga-Rückkehr 2017 ist Dynamo kein Lieblingsgegner: Drei Niederlagen und nur ein Remis sind die magere Ausbeute.

„Gegen Dresden wird wieder viel Energie und Kampfgeist nötig sein um zu punkten“, überrascht Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic deshalb wenig. „Wir bereiten uns auf das Spiel vor und fahren mit der Absicht nach Dresden, alles rauszuhauen.“ Dynamo habe eine spielerisch starke Mannschaft, die viel Ballbesitz fordere. „Sie haben eine Mannschaft mit hoher Qualität, die vor allem durch ihre Geschwindigkeit Torgefahr entwickeln kann.“

Dresdens Trainer Christian Fiel lässt sich bei seinem Lob ebenfalls nicht lumpen: „Regensburg kommt mit Power und geht gut auf den Ball, so machen sie dir das Leben brutal schwer.“ Deshalb sei er in sich gegangen, um Verbesserungspotenzial zu finden, wie man das eigene Spiel besser durchsetzen könne. „Wenn du spielen willst, musst du dich viel bewegen und die Räume finden.“ Beim Remis n Bochum habe das nicht so gut geklappt. Gegen Lieblingsgegner Regensburg möchte Dynamo den Anfang einer Serie generieren.

Jetzt geht’s los

Das geht nicht gut los: Oli Hein unterlaufen, er knallt mit Kopf und Schulter auf den Boden. Grüttner zeigt an, dass ausgewechselt werden muss – der Ersatz des verletzten Bene Saller nach fünf Minuten k.o. Selimbegovic bringt Federico Palacio (8.). Obwohl Dresden bemüht ist, Druck aufzubauen, schafft es der Jahn schon das zweite Mal, in die Spitze zu spielen: Erst verpasst Okoroji den Abschluss, fällt vorm Fünfer, Schiri Kempter winkt ab (6.). Dann schnappt sich Dynamo Keeper Kevin Broll die Kugel vor Palacio (10.).

Okoroji bekommt den Freistoß zehn Meter vor dem Strafraumeck – Ebert mit Ellbogen gegen den Hals: Schwach geschossen, der Jahn wieder in Unterzahl (13.). Noch einmal von ähnlicher Position, Müller zerrt an Palacio: abgeblockt (15.). Der Jahn gewinnt die Oberhand, wieder kombiniert sich Regensburg Richtung Strafraum, der letzte Pass zu ungenau. Auf der anderen Seite die erste Ecke des Spiels: Kopfball aus fünf Metern, zum Glück in Alex Meyers Hände (18.). Erster Torschuss von Dresden, Löwe marschiert Richtung Strafraum, aus 20 Metern einen Meter drüber (21.).

George behält Nerven

Jann George zieht mal aus 18 Metern ab, Außennetz (25.). Eine Minute später wird die Nummer 9 freigespielt, Okoroji mit dem langen Pass, ein Dresdener schlägt ein Luftloch, George allein vorm Keeper, schlenzt sicher ein, 0:1 (27.). Dann liegt wieder ein Regensburger am Boden, gestrecktes Bein gegen Geipl, da kann man, meint Grüttner, auch mal Gelb zeigen (28.). Erste Ecke für den Jahn: Wekessers Pass findet keinen Abnehmer (32.).

Noch eine schöne Stafette und die nächste Ecke: Besuschkows Ball nicht besser, stattdessen der Konter und Ecke auf der anderen Seite: Eberts Ding abgewehrt (34.). Besuschkow sieht die erste Gelbe, weil er im Mittelkreis mit gestrecktem Bein angerauscht kommt (38.). George spritzt dazwischen, am 16er versucht er's selbst, Ecke, Grüttner wäre vielleicht besser gestanden (40.). Halbzeit.

Erik Wekesser und Marco Gruettner (mi.) jubeln mit Jann George (rechts).

Der Ausgleich nach Schiedsrichterball

Wie zu Beginn der ersten Hälfte gibt Dresden erst mal Gas, das muss der Gast jetzt überstehen. Stolze legt sich den Ball einige Meter zu weit vor, Gegenkonter, gerade noch abgefangen, Freistoß Dresden 25 Meter: Flachschuss von Löwe in Meyers Hände, Gegenzug Palacio auf Grüttner, Keeper Broll sicher. Der nächste Konter, Dreifachchance, Besuschkow zielt immer wieder auf ein Sachsenbein (52.). Schiedrichterball kurz vorm Strafraum aus dem völligen Nichts, Atik steil auf Wahlqvist, Flanke nach innen, Koné muss nur noch einschieben, 1:1 (55.).

Jetzt mal eine gute Freistoßposition, knapp 20 Meter zentral nach Foul an George: Nicht schlecht, Wekesser hoch, aber etwas zu mittig, Broll zur Ecke (64.). Jetzt fliegen Gegenstände Richtung Besuschkow. Dann verseppelt George die Kugel im Mittelfeld, brandgefährlicher Konter, knapp daneben (68.). Zweiter Wechsel beim Jahn vor dem Freistoß, Andreas Albers kommt für Wekesser (71.), der zweite Ball geht drüber. Bei Dresden kommt Horvath für Klingenburg. Chaos im Dresdener Strafraum, der Jahn macht nichts draus (73.).

Ballas dreht das Spiel mit Sonntagsschuss

Correia nimmt nach Ballverlust die Hände zur Hilfe, Gelb. Atik aus 15 Metern in Meyers Hände (76.). Dritter Wechsel beim Jahn, Palacio muss runter, Derstroff im Spiel (78.). Albers fällt die Kugel vor die Füße, Drehschuss deutlich drüber. Ecke Dresden, abgepfiffen (81.). Viel Stückwerk jetzt, George mit Versuch eines Fallrückziehers, der Ball versehentlich noch mal scharf, aber Grüttner einen Schritt zu spät (84.). Stolze mit gutem Antritt, aber es fehlt das Gefühl beim Pass in die Tiefe, drei Meter zu weit (86.).

Regensburg verschenkt das Spiel, bekommt den Ball nicht weg, lässt Dresden um den Strafraum agieren, Ballas zieht ab aus 18 Metern, 2.1 (89.). In vier Minuten Nachspielzeit schafft der Jahn nur noch eine Strafraumszene – nach einem Freistoß aus dem Mittelfeld wird Correia klar gestoßen, kein Elfer, kann man anders sehen, Aus.

Ex-Regensburger Aias Aosman (links) traf in Regensburg immer besonders gerne. Auf den Offensivdribbler verzichtete Dresden freiwillig. Der Deutsch-Syrer spielt inzwischen bei Adana Demirspor.
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