24.05.2021 - 12:47 Uhr
RegensburgSport

Jahn-Urgestein Oliver Hein: Abschied à la Rosamunde Pilcher

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Das Geschehen auf dem Rasen war am letzten Zweitliga-Spieltag gegen den FC St. Pauli eine klare Sache für den SSV Jahn Regensburg. Somit rückte das Karriereende Oli Heins in den Mittelpunkt. Und auch bei Sebastian Stolze flossen Tränen.

Oliver Hein (in der Luft) war der gefeierte Held nach dem direkten Klassenerhalt des SSV Jahn Regensburg in der 2. Bundesliga. Zum Abschied nach 14 Jahren im Jahn-Trikot ließen ihn seine Teamkollegen vor Hunderten von Fans im Rücken des Jahnstadions Regensburg hochleben.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Tatort oder Rosamunde Pilcher? Wer würde die Regie beim Saisonfinale des SSV Jahn Regensburg in der 2. Fußball-Bundesliga übernehmen? Das war die große Unbekannte vor dem Heimspiel-Schlussakt am Pfingstsonntag gegen den FC St. Pauli. Nach 90 spannungsarmen Minuten und mit einem deutlichen 3:0-Erfolg des Jahn war klar, dass dieser finale Auftritt eher als Fußball-Schnulze in die Geschichte des Oberpfälzer Clubs eingehen wird. Die Kiezkicker taten im Gefühl des Nicht-mehr-Müssens maximal noch das Nötigste, weshalb sich couragierte Regensburger aus eigener Kraft den direkten Verbleib im deutschen Unterhaus sicherten.

Heins Familie auf der Haupttribüne

Und so genügend Raum für die ganz großen Gefühle. Trotz der brenzligen Tabellensituation blieb ausreichend Zeit für einen halbwegs würdigen Abschied von Urgestein Oliver Hein. Nach 14 Jahren im Jahn-Trikot beendete der Straubinger seine Karriere. "Oli habe ich bei seiner Einwechslung mit auf den Weg gegeben, dass er einfach bei sich bleiben und das genießen soll", sagte Trainer Mersad Selimbegovic. Als er Hein kurz nach Beginn der zweiten Hälfte zur Einwechslung rief, sprangen Heins Angehörige auf der Haupttribüne auf, eilten ein paar Stufen hinab und entrollten ein Spruchband zu Ehren des 31-jährigen Bald-Fußballrentners. Zudem hatten die Jahn-Anhänger die gesamte Hans-Jakob-Tribüne mit einer großen 17 (Heins Rückennummer) bemalt. "Dadurch, dass wir unser Saisonziel erreicht haben, ist es ein würdiger Abschluss für mich, und ich kann guten Friedens nach Hause gehen. Es ist nur schade, dass das Stadion leer war", sagte Hein nach seinem letzten Spiel.

Auf dem Platz hätte er dann fast selbst noch für ein Happy End aus dem Rosamunde-Pilcher-Lehrbuch gesorgt. Binnen weniger Sekunden verpasste er in der Schlussphase gleich dreimal denkbar knapp einen Torerfolg. Zunächst parierte Pauli-Keeper Stojanovic stark, danach traf Hein die Unterkante der Latte, und der dritte Versuch strich haarscharf am Pfosten vorbei. Nach Spielschluss ließen ihn seine Teamkollegen gleich mehrfach hochleben: Erst auf dem Rasen, dann hinter der Hans-Jakob-Tribüne vor den zahlreich versammelten Jahn-Fans, die den Klassenerhalt frenetisch und mit Pyrotechnik feierten. "Es macht mich stolz und erfüllt mich mit Demut, so lange Zeit dabei gewesen zu sein, so ein Kapitel mitgeschrieben zu haben in der Geschichte des SSV Jahn."

Bei Stolze fließen Tränen

Und dann war da auch noch Sebastian Stolze. Nach vier Jahren in der Oberpfalz zieht es den 26-Jährigen zur neuen Saison zu Hannover 96. Im Gegensatz zu Oli Hein kam der aber noch in das Glücksgefühl eines Treffers zum Jahn-Abschied. Nach seinem Tor zum 3:0-Endstand übermannten Stolze sofort beim Jubeln die Gefühle, Tränen flossen, ebenso bei einer innigen Umarmung mit Trainer Selimbegovic nach der Auswechslung. Für derartige Emotionen blieb ausreichend Platz, weil der SSV Jahn seine Hausaufgaben erfüllte, ohne "auf das Geschehen auf den anderen Plätzen angewiesen zu sein", wie Selimbegovic erleichtert konstatierte. Nach einer turbulenten Corona-Saison gehen die Oberpfälzer nun ins fünfte Zweitliga-Jahr in Folge. Und da warten Kracher wie Werder Bremen, Dynamo Dresden, Hamburger SV, FC Schalke, Fortuna Düsseldorf oder der 1. FC Nürnberg. "Kompliment an meine Mannschaft, aber das nächste Mal sollten sie es nicht mehr so spannend bis zum letzten Spieltag machen", wagte Selimbegovic schon einen Blick voraus. Rosamunde Pilcher, bitte übernehmen Sie!

Hier geht's zur Chronologie des letzten Zweitliga-Spieltags der Saison aus Sicht des SSV Jahn Regensburg

Regensburg
Andreas Albers bejubelt seinen Treffer zum 2:0 mit Blickkontakt zu den Fans, die den SSV Jahn hinter der Hans-Jakob-Tribüne unterstützten.
Bei Sebastian Stolze (hinten) flossen nach seiner Auswechslung bei einer innigen Umarmung mit Trainer Mersad Selimbegovic Tränen. Der Offensivmann wechselt zu Hannover 96.

"Es macht mich stolz und erfüllt mich mit Demut, so lange Zeit dabei gewesen zu sein, so ein Kapitel mitgeschrieben zu haben in der Geschichte des SSV Jahn."

Oliver Hein nach dem letzten Spiel seiner Karriere

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