26.08.2018 - 14:25 Uhr
RegensburgSport

Jahns Nullnummer mit Niveau

Zwei Siege aus zehn Spielen: Das zeigt, die Nordlichter aus Kiel sind nicht gerade der Lieblingsgegner von Jahn Regensburg. Immerhin: Der SSV bringt die Holsteiner an den Rand einer Niederlage.

Sargis Adamyan am Ball vor Dominik Schmidt.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Lange ist es ein ausgeglichenes Match, bei dem Kiel spielt, der Jahn vorwärts verteidigt. Ab Mitte der zweiten Halbzeit fängt Regensburg endlich an, zu kombinieren, setzt Kiel mächtig unter Druck – Grüttner mit Lattenkopfball, Lais mit Volleykracher, Freis allein im Strafraum, Nietfeld aus fünf Metern: Regensburg verschenkt zwei Punkte, zeigt aber, dass die Mannschaft mehr kann, als auf Fehler des Gegners zu warten.

Beierlorzer: „Schade, dass wir keinen Profit daraus zogen“

„Ich denke, dass wir sehr gut ins Spiel gekommen sind“, sagt Holsteins Trainer Tim Walter, „wir sind dann leider durch unsere technischen Unzulänglichkeiten nicht dorthin gekommen, wo wir hinwollten“. In der zweiten Hälfte habe man sich etwas hinten hineindrängen lassen, auch die eigenen Konter nicht konsequent ausgespielt. „Insgesamt bin ich aber, aufgrund der größeren Chancen von Jahn Regensburg, mit dem Punkt zufrieden.“

„Zuallererst bin ich sehr zufrieden“, fasst Jahn-Coach Achim Beierlorzer das Geschehen zusammen, „wie meine Mannschaft heute aufgetreten ist – als Team.“ Kiel hat eine klare Spielidee, viel Ballbesitz, aber: „Nach 20 Minuten hatten wir nach Kronholms Pressball die ersten Wirkungstreffer.“ Mit zunehmender Spieldauer sei das Chancenplus immer deutlicher geworden. „Schade ist nur, dass wir aus den fünf hochkarätigen Chancen, ich erinnere nur an den Lattenkopfball und an den Kopfball aus drei Metern von Nietfeld keinen Profit gezogen haben.“

Auf der anderen Seite hätten die Kieler Konter auch das Spiel auf die andere Seite ziehen können. Die überraschende Startelf-Nominierung von Sebastian Freis habe sich der Stürmer erarbeitet: „Sebastian hat ein sehr gutes Spiel gemacht, hätte sich selber belohnen können.“ Albion Vrenezi habe einen kleinen Durchhänger, müsse sich wieder empfehlen.

Überraschung in der Startelf

Ein paar Überraschungen hat Jahn-Trainer Achim Beierlorzer parat: Sebastian Frais schafft es für Vrenezi in die Startelf – hoffentlich etwas dynamischer als bei den sporadischen Einsätzen in der vergangenen Saison. Und Alex Nandzik hat offenbar langfristig das Nachsehen gegenüber Föhrenbach.

Nach Ballverlust der Kieler in der Regensburger Hälfte Konteransatz auf George, der versucht’s aus gut 20 Metern mit einem Schüsschen (8.). Im Gegenzug stoppt Sörensen Seydel geschickt. Die ersten zwei Ecken für die Gäste ohne Befund. Wiederholt schwacher Pass von Föhrenbach, Konter Kiel, gerade noch abgefangen (12.). Kiel setzt sich langsam im Strafraum der Oberpfälzer fest.

Adamyan noch der Auffälligste

Keper Kronholm immer wieder selbstbewusst weit vorm Tor, Adamyan attackiert, spitzelt den Ball durch die Füße, aber vorbei (15.). Die Freistöße im Vergleich zu Knolls Knaller ein Trauerspiel: Geipl legt den Ball drei Meter weiter, die Flanke landet bei den Blauen (18.). Adamyan setzt sich mal schön durch, steckt durch auf Grüttner, ein Kieler schneller, Ecke: kurz auf Föhrenbach, genau auf einen Nordkopf. Irgendwann kommt noch Adamyan mit Drehschuss zum Abschluss, einen Meter neben den linken Pfosten (21.).

Kiel hat viel Platz, macht bislang wenig daraus – Konter auf Freis, der sich in den Strafraum dribbelt, die Kugel geht einen halben Meter drüber (25.). Nächste Konterchance für Regensburg über rechts, einmal um den Strafraum gespielt, Freis frei aus etwas spitzem Winkel mit Rückgabe (28.). Der nächste schwache Freistoß von Geipl auf den Gegner, der zweite Ball auf Correia, sein Kopfball harmlos (30.).

Immer wieder die falsche Entscheidung: Der SSV tankt sich in den 16er, Föhrenbach versucht noch einen Querpass auf George, dann ist die Kugel wieder weg (33.). Lange Verletzungspause und wenig Konstruktives danach. Pause.

Fehlpass-Festival zu Beginn der zweiten Hälfte

Kingsley Schindler (Holstein Kiel,li.) gegen Jonas Föhrenbach.

Die zweite Hälfte beginnt mit unmoralisch vielen Fehlpässen – sogar Keeper Pentke erinnert sich an seine Schwäche und haut den Ball beim Abstoß ins Seitenaus. Kiel spielt besser, macht aber immer noch nichts daraus. Föhrenbach mit starkem Antritt und der nächsten schwachen Flanke von links (55.). Den zweiten Ball bekommt Grüttner … nicht unter Kontrolle (56.).

Nach haarsträubender Fehlentscheidung – ein Kieler räumt Adamyan ab, Einwurf Kiel – bekommt Freis die Kugel im Strafraum vor die Füße, bekommt wieder zu wenig Druck dahinter (58.). Auf der anderen Seite darf es Alexander Mühling aus der Distanz versuchen, Pentke muss nicht eingreifen (60.). Für Seydel darf jetzt Kinsombi den Kieler Angriff ankurbeln. Föhrenbach über links, diesmal kommt der Pass flach auf Grüttner, seinen Schuss begräbt Kronholm unter sich (63.).

Freis mit starker Partie

Erste gelungene Jahn-Ecke, Sörensen mit dem Kopf, Correia verpasst um Zentimeter am langen Pfosten (65.). Freistoß Kiel links außen: Serra mit dem Kopf drüber (68.). Starke Aktion von Freis im Gegenzug, schießt Grüttners Quadratschädel an, der Ball streift aus fünf Metern am Pfosten vorbei (69.). Freistoß Geipl von links, Sprungdrehschuss drüber. Und nochmal Flanke auf Grüttner, der die Kugel nicht mehr gedrückt bekommt (70.).

Nach Eckengeschenk für den Jahn zieht Freis den zweiten Ball irgendwo ins Himmelreich. Dennoch, der Jahn jetzt seit gut zehn Minuten am Drücker, jetzt sollte er sich auch mal belohnen. Beierlorzer schickt Sebastian Stolze für George auf den Platz (77.). Und der darf gleich mal mit Doppelpass über rechts glänzen, nur den Pass bekommt er nicht rein. Flanke von rechts, Lais lässt sich nach Berührung fallen, Adamyan mit Drehheber daneben (78.).

Jahn-Druckphase bringt nichts ein

Der Jahn drückt, starker Pass, Grüttner köpft an die Querlatte (81.). Nächstes Ding, Lais zieht volley ab, Kronholm mit Faustabwehr. Die Führung ist überfällig, aber die Zeit läuft davon – und Kiel setzt immer noch Nadelsticke über Schindler (84.). Nicht so schön: Zwischendurch macht der Jahn in der Abwehr kleine Verschnaufpausen, beobachtet die Kombinationen der Gäste, Lee, Kinsombi, Schindler schieben sich die Kugel im Strafraum zu, ehe mal wieder ein Regensburger wegspitzelt.

Letzter Wechsel beim Jahn: Al Ghaddioui soll Adamyan ersetzen (89.). Die nächste riesige Chance, Nietfeld köpft Sallers Flanke aus 5 Metern knapp daneben (90.). Da war viel mehr drin, die Sturmflaute kann den SSV noch in große Schwierigkeiten bringen.

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