Update 29.11.2019 - 20:52 Uhr
RegensburgSport

KSC nutzt Regensburgs Abwehr-Käselöcher

Der KSC muss für das lockere 4:1 gegen Jahn Regensburg lediglich die haarsträubenden Fehler der Oberpfälzer Defensive bestrafen. Schläfrig, langsam und mit über weite Strecken verwaister rechter Abwehrseite.

Jahn Regensburg machte es durchschnittlichen Gastgebern viel zu einfach: Jubel nach dem 3:0 für den Karlsruher SC durch Phlipp Hofmann (Mitte) spektakulären Fallrückzieher. .
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Eine peinlich schläfrige Abwehr der Regensburg lädt den KSC innerhalb von vier Minuten zum Doppelpack ein: Erst darf Anton Fink nach Ecke einstochern (17.), dann flankt der einsame Wanitzek zum freistehenden Philipp Hofmann, der das 2:0 (21.) einnetzt.

Fast alle gefährlichen Spielzüge der Karlsruher liefen über eine Leerstelle – Bene Sallers oft verlassenen Arbeitsplatz. Vor dem 2:0 genauso wie beim 3:0 (56.) durch Hofmanns spektakulären Fallrückzieher. Die vierte Kiste schließt den Kreis: ein Gestocher wie nach der Ecke zum 1:0, dreimal landet ein Befreiungsschlag in Karlsruher Beinen, bis sich endlich Wanitzek erbarmt, und mit dem 4:1 (90.) einen Schlussstrich unter diesen gebrauchten Abend zieht.

Das zwischenzeitliche 1:3 durch Max Besuschkows Kopfball war lediglich ein höfliches Gastgeschenk von KSC-Keeper Uphoff, der den Eckball unterläuft. Wenn man ehrlich ist: Irgendwann musste die schon etwas unheimliche Glückssträhne der Regensburger mit Erfolgen nach überschaubaren Leistungen enden.

Nostalgische Erinnerung

An die letzten Aufeinandertreffen erinnert sich der Jahn ganz besonders gerne. Die gab es nämlich am Ende der Saison 2011/12 in der Relegation zwischen 2. Bundesliga und 3. Liga. Durch zwei Remis - 1:1 in Regensburg und 2:2 in Karlsruhe - stieg die Jahnelf damals in die 2. Bundesliga auf.

Ballverlust der Oberpfälzer am Karlsruher Sechzehner, die Badener kontern sich über rechts vors Tor, doch die Kugel springt einem Blauen an die Hand, Freistoß Jahn (2.). Lorenz versucht‘s aus der zweiten Reihe, aber direkt auf Jahn-Keeper Alex Meyer. Erste Ecke Karlsruhe: Das hat der Jahn intensiv trainiert, hatte man kommuniziert, da man weiß, wie gefährlich die Gastgeber bei Standards sind – Chaos im Strafraum, Hofmanns Kopfball an einen Arm, Anton Fink schiebt aus drei Metern ein, der Videoschiri hat nichts dagegen, 1:0 (17.) - diese Vorbereitung hat sich ja mal rentiert.

Regensburger Schülerabwehr

Die Regensburger Abwehr lässt sich ausspielen wie eine Schülermannschaft, links außen Wanitzek völlig allein, bedient Hofmann, der nur noch einschieben muss, 2:0 (21). Du meine Güte, ein Abwehrspieler und der rausgelaufene Keeper Meyer behindern sich, gerade noch geklärt. Erste gute Möglichkeit für den Jahn, Drehschuss aus 12 Metern, einen Meter rechts neben den Pfosten (23.). Nächste Ecke KSC von links, Saller mit Kerze zur nächsten Ecke (25.).

Lorenz darf wieder völlig frei abziehen, diesmal aus 18 Metern, Meyer noch dran, nächste Ecke – wo ist Saller? Beim weiten Einwurf zieht einer an Grüttners Trikot, der sinkt am Fünfer zu Boden, zu wenig für einen Elfer (30.). Freistoß von rechts außen, Nachreiner mit Kopfbällchen. Besser macht‘s Besuschkow aus der zweiten Reihe, der Keeper hat noch einen Finger dran, Latte – der Linienrichter hebt die Fahne, kann nur passiv gewesen sein, keinesfalls war die Sicht behindert (35.).

Konter Karlsruhe, Fink versucht‘s aus 35 Metern gegen den weit vorm Kasten stehenden Meyer, Außennetz (39.). Grüttner wieder am Boden, der Schiri übersieht das Foul (40.). Saller mit dem nächsten schwachen Pass und dann fehlt er hinten. Wanitzek darf sich fast bis zum Fünfer durchwursteln, Meyer hat die Hand draußen (44.). Nachreiner viel zu langsam, muss mit allen Händen gegen Hofmann arbeiten – nein, die Abwehr ist das Gegenteil von sattelfest.

Andreas Albers bisher nur mit Luftloch.

Regensburgs linke Seite verweist

Freistoß Jahn von links außen, wieder schwach auf einen Karlsruher Kopf (46.). Eigentlich aussichtsreiche Situation, aber dann dauert es zu lange, bis die Kugel zum freistehenden Rechtsaußen rotiert – Schüsschen Stolze. Noch eine Kombination in den 16er, Albers zu ungeschickt (48.), Okorojis zweiter Ball in die Ränge. Zum wiederholten Mal steht Lorenz links außen völlig frei – wann fragt da mal einer bei Saller nach, ob er Zeit hat, sich um seinen Gegenspieler zu kümmern?

Das grenzt an Arbeitsverweigerung: Flanke vom freistehenden Linksaußen, Hofmann mit Fallrückzieher, 3:0 (56.). Stolze hektisch und denkbar ungeschickt an der eigenen Eckfahne, Freistoß Karlsruhe. Jetzt ist auch Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic aufgewacht: Jann George macht sich bereit, Wekesser muss gehen – wo hatte der sich versteckt (65.)? Meyer bewahrt den Jahn vor der nächsten Kiste – Hofmann wäre in der Mitte freigestanden.

Gastgeschenk vom KSC-Keeper

Man freut sich schon über die kleinen Dinge, George holt eine Ecke: Der Keeper unterspringt die Flanke, Besuschkow köpft ins leere Tor (70.). Damit‘s hinten nicht langweilig wird, lassen die Regensburger die Gastgeber immer wieder mal draufhalten. Vorne gelingt Albers ein zweites Luftloch, aber Okoroji knallt die Kugel an die Latte (75.). Das gibt es nicht, die Regensburger Dreifach-Chance, George scheitert an Uphoff, Albers kommt zu spät, zum Schluss hämmert Besuschkow den Ball an den Pfosten (76.).

Nächster Wechsel, Jan-Marc Schneider für den hektischen Stolze. Der Jahn macht jetzt Druck – aber warum erst so spät? Auch der KSC hat Renovierungsbedarf, für den müden Fink kommt Lukas Fröde (80.). Sallers nächster Fehlpass, den Konter fängt schlussendlich Meyer ab (83.). Letzter Regensburger Wechel: Palacios gibt‘s auch noch. Das ist schon kein Pech mehr: Albers baggert, Palacios und Schneider stochern die Kugel gemeinsam auf fünf Metern daneben – der Schiri hatte allerdings bereits Albers Geschubse abgepfiffen (85.).

Zeit für Mersads Denkpause

Doppelecke für den Jahn: mäßig originell, stattdessen der Konter und Freistoß Karlsruhe 25 Meter halblinks: Meyer dreht Wanitzeks Kugel um den Pfosten (88.). Der Jahn ballert den Ball nach der Ecke so oft vor Karlsruher Beine, bis endlich auch Wanitzek im gefühlt zehnten Anlauf trifft, 4:1 (90.). Bei so einer Abwehrleistung, muss man sich auch vorne nicht stressen, damit ist auch das gute Torverhältnis dahin.

Vielleicht ein Dämpfer zur rechten Zeit, nach dem auch Trainer Mersad Selimbegovic darüber nachdenken sollte, wie geistreich es war, mit Marcel Correia Regensburgs besten Abwehrspieler nach Abbüßen seiner Gelbstrafe auf die Bank zu setzen, weil Tim Knipping gegen Heidenheim einen Kopfballtreffer erzielt und ganz ordentlich gespielt hatte. Ob es zweckdienlich ist, Jann George weiter als Thomas Müller des Jahn zu verheizen, bis er das letzte Selbstbewusstsein verliert. Jan-Marc Schneider nur episodenhaft aufzustellen, obwohl Wekesser bei seiner Auswechslung das erste Mal auffiel. Und ob nicht auch ein Dauerläufer wie Alex Nandzik öfter mal eine Chance verdient hätte, wenn bei Okoroji nicht alles Gold ist, was glänzt.

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