18.06.2020 - 17:31 Uhr
RegensburgSport

Der "Mann des Jahres" beim SSV Jahn Regensburg

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Da haben sich die Experten aber mal so richtig widerlegt. Von wegen "Abstiegskandidat Nummer eins", der SSV Jahn ist gerettet. Das hat auch viel mit dem Trainer zu tun.

Applaus nicht nur von, sondern auch für Mersad Selimbegovic. Der Jahn-Trainer hat in seinem ersten Jahr als Chef den Klassenerhalt mit dem SSV Jahn Regenburg geschafft.
von Josef Maier Kontakt Profil

Der "Mann des Jahres" beim SSV Jahn Regensburg hat keine spektakulären Tore in dieser Saison erzielt, er hat keine klugen Pässe geschlagen und auch keine intensiven Zweikämpfe geführt. Ging ja nicht, er saß ja immer auf der Ersatzbank. Oder besser gesagt, er stand immer davor - und griff nur ein, wenn's nötig war. Und doch hat er enormen Anteil am Klassenerhalt des Zweitligisten, der am Mittwoch mit dem 2:1 gegen den Karlsruher SC perfekt gemacht wurde. "Ich freue mich riesig, das ist sehr emotional", sagte Mersad Selimbegovic und schaute dabei drein, als würde er gerade eine nüchterne Bedienungsanleitung lesen.

Akribischer Zuarbeiter

Überbordende Gefühlsausbrüche sind nicht die Sache des Cheftrainers, aber deswegen haben sie ihn beim Zweitligisten nach dem Abgang von Achim Beierlorzer im Sommer vergangenen Jahres auch nicht mit einem Vertrag als Boss ausgestattet. Der 38-Jährige, im bosnischen Rogatica geboren, gilt schon immer als akribischer Zuarbeiter, bei Beierlorzer war er der loyale Co-Trainer. Aber Chef? Die Jahn-Verantwortlichen trauten ihm das zu, viele andere allerdings nicht. Umso stolzer ist Selimbegovic nun: "Das ist schon historisch. Wir spielen jetzt dann das vierte Jahr in Folge in der zweiten Bundesliga."

Hochkarätige Abgänge

Vor der Saison waren alle Experten davon ausgegangen, dass die Oberpfalz von der Zweitliga-Karte verschwinden wird. Mit Sargis Adamyan (TSG Hoffenheim) und Hamadi Al Ghaddioui (VfB Stuttgart) verloren die Regensburger Torgaranten, auch Stammkeeper Philipp Pentke (TSG Hoffenheim) verließ den Klub. Für Selimbegovic war das noch mehr Motivation, zu zeigen, dass er mit weniger bekannten neuen Namen die Klasse halten kann. Er, der eigentlich sein ganzes Fußballerleben mit dem Jahn-Emblem auf der Brust verbracht hat - erst als gnadenloser Innenverteidiger, dann als Trainer in vielen Bereichen -, hat hier alles liebgewonnen: "Diese Stadt, die Region, Regensburg und Ostbayern haben einfach Zweitligafußball verdient."

Er und seine Truppe verdauen Rückschläge, wie etwa das 1:4 zuletzt in Heidenheim bestens: "Wir lassen uns von anderen Sachen einfach nicht unterkriegen", beschreibt er die Jahn-Mentalität. Der Trainer wird auch nie laut, das Verhältnis zu seinen Spielern wirkt homogen. Er spricht fast schon wie ein Vater über seine Jungs: "Sebastian hat das einfach überragend gemacht", sagte er beispielsweise zum Tor von Sebastian Stolze, der nach Erik Wekessers 1:0 (42.) mit einer klugen Bogenlampe das 2:0 (62.) folgen ließ. Dem Ex-Wolfsburger bescheinigte er "eine sehr gute Entwicklung". Vor allem er habe nach den Abgängen im Sommer zunehmend seinen Platz im Team gefunden.

Das ist schon historisch. Wir spielen jetzt dann das vierte Jahr in Folge in der zweiten Bundesliga.

Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic

Bisher meist nur auf der Bank saß Alexander Weidinger. Weil Stamm-Torhüter Alexander Meyer (Knieverletzung) gegen den KSC fehlte, stand der gebürtige Regensburger im Tor. "Er war sehr ruhig, sehr solide in einem Spiel, in dem es doch um sehr viel ging." Nie hatte Selimbegovic daran gezweifelt, dass Weidinger der Belastung nicht gewachsen sein könnte. Für den großen Schlaks im Tor, der nur beim 1:2 von Babacar Gueye (77.) machtlos war, gab es auch vom Kollegen Meyer ein dickes Lob: "Ich freu' mich für den Jungen, er hat der Mannschaft heute Sicherheit gegeben."

Selimbegovic gibt seinen Jungs Vertrauen. Und er fordert sie weiter. Auch wenn mit 42 Punkten vor den letzten beiden Spielen (St. Pauli, Aue) es eigentlich um nichts mehr geht. Solch eine Sichtweise gibt es für den Trainer nicht: "Für uns ist noch nicht Feierabend", sagte der Beierlorzer-Nachfolger bestimmt. "Es geht noch um Platzierungen in der Endtabelle und damit auch um jeden Euro." Die kann der Jahn als finanzielles Leichtgewicht im deutschen Profifußball gut gebrauchen.

Die Zweitliga-Konkurrenz wird auf jeden Fall nächste Saison wieder in der Oberpfalz antanzen. Und sie wird es nicht gerne tun. Dafür wird Mersad Selimbegovic schon sorgen.

Der entscheidende Sieg des Jahn gegen den KSC

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