14.09.2018 - 19:26 Uhr
RegensburgSport

Naiver Jahn baut mäßiges Dresden auf

Es begann eigentlich für den SSV Jahn nach Plan: 20 Minuten Dominanz, aber dann gelingt Dresden mit dem ersten Torschuss das 0:1 – durch den Ex-Regensburger Aias Aosman (22.).

Ausgerechnet Aias Aosman: Der Ex-Regensburger (vorne) jubelt mit seinen Teamkollegen Rico Benatelli und Niklas Kreuzer (rechts) nach seinem Treffer zum 0:1.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Gleiches Bild in Hälfte 2: Vrenezi mit Riesenchance und das Tor fällt auf der anderen Seite, 0:2 (52.) durch Dario Dumic nach Pingpong im 16er.

Kann alles passieren, aber dann warten die 14.000 Zuschauer vergeblich auf das Mentalitätsmonster der vergangenen Saison. Konstant sind allenfalls die haarsträubenden Fehlpässe in allen Mannschaftsteilen, die Dynamo unterm Strich letztlich doch noch das Chancenverhältnis einbringen, das das Ergebnis rechtfertigt. Koné, Berko und Ebert vergeben Hochkaräter. Bittere Zwischenbilanz: Jahn Regensburg baut ein angeschlagenes Dynamo Dresden wieder auf – und ist um eine halbe Klasse von der Leistung der vergangenen Saison entfernt.

Walpurgis: „Eine Spielidee entwickelt“

„Wir sind natürlich sehr froh, heute hier drei Punkte mitnehmen zu dürfen“, sagt Dynamo-Trainer Maik Walpurgis. „Wir wussten um die Schwere der Aufgabe bei Jahn Regensburg, die Mannschaft, die im letzten Jahr schon sehr intensiven Fußball anbot – was auf uns zukommt, war uns bewusst.“ Wichtig sei gewesen, kein Gegentor bekommen zu haben, als die Mannschaft zu Beginn noch sehr unsicher gewirkt habe. „Wir haben keinen Zugriff in dieser Phase bekommen, aber mir war auch klar, dass wir, wenn wir stabil stehen und uns von dem Druck, den Jahn Regensburg ausgeübt hat, lösen, unsere Möglichkeiten bekommen.“ Und das sei Aias Aosman mit seinem Tor bei der zweiten Chance dann auch gelungen.

„Für die Zuschauer war es ein tolles Spiel“, findet Walpurgis, „beide Mannschaften mit offenem Visier – das 2:0 spielte uns natürlich in die Karten, weil wir uns dann auf eine gute Grundordnung konzentrieren konnten, das hat die Mannschaft großartig gemacht.“ Für sein Team sei es wichtig gewesen, die Räume eng zu machen. „Ich bin sehr froh, dass wir zu Null gespielt haben, das ist immer auch ein Verdienst von allen.“ Man habe sehr gut gegen den Ball gearbeitet und auch angedeutet, dass man sehr gut mit dem Ball spielen könne. „Wir haben schon vorher eine Spielidee entwickelt“, erklärt Walpurgis die Vorbereitung auf sein erstes Spiel. Aber es gebe natürlich noch in vielen Bereichen Luft nach oben. In den zwei englischen Wochen, müsse man aber erst mal regenerieren.

Beierlorzer: „Brutal enttäuscht“

Trainer Achim Beierlorzer wirkt nach den überraschend vielen Fehlern seiner Mannschaft doch etwas konsterniert.

„Wir sind brutal enttäuscht“, grantelt Jahn-Coach Achim Beierlorzer. „Weil wir im dritten Spiel hintereinander einen hohen Invest in Lauf-, in Einsatzbereitschaft hatten, wir uns aber immer wieder um den Lohn bringen, weil wir a. richtig gravierende Fehler machen und den Gegner zu Chancen einladen und b. unsere Chancen nicht verwerten.“ Besonders wenn sie gegen eine so gut organisierte Mannschaft so schwer zu erspielen seien. „Wir sind in der Zweiten Bundesliga und da ist es wichtig, dass wir konsequent unsere Torchancen nutzen und hinten möglichst fehlerfrei spielen.“ Klar, fehlerfrei sei immer der Wunsch jedes Trainers, aber bei beiden Toren hätte man die Situation kompromisslos klären müssen, anstatt sie nochmal scharf zu machen: „Der Ball war ja eigentlich schon bei uns.“

Lamentieren nütze aber nichts, man müsse weiter arbeiten, um, wie gegen Kiel, möglichst fehlerfrei zu bleiben: „Es war in den letzten beiden Spielen schon überraschend, das kenne ich aus der letzten Saison nicht, dass wir solche gravierenden Fehler machen.“ Man habe aber auch eine Vielzahl von Möglichkeiten gehabt, das Spiel zu drehen: „Der schönste Moment wäre direkt nach der Halbzeit gewesen, wo wir mit Albion Vrenezi einen quirligen Außenbahnspieler gebracht haben und, ich glaube, nach 45 Sekunden kriegt er dann die Chance, den Fuß hinzuhalten.“ Das wäre der Moment gewesen, die Fans noch einmal richtig in Wallung zu bringen. „Leider ist uns das nicht gelungen, aber eines kann ich Ihnen versichern, wir werden weiter kämpferisch dran arbeiten.“

Beginn wie in Bielefeld

Chef-Trainer Achim Beierlorzer setzt auf die wacklige Anfangself vom 3:5 in Bielefeld: Pentke - Saller, Sörensen, Föhrenbach, Nandzik - Geipl, Lais - George, Freis - Grüttner, Adamyan. Und auch Dynamo-Novize Maik Walpurgis will nicht gleich alles durcheinanderwürfeln, bleibt auch dem bisherigen Spielsystem seines geschassten Vorgängers treu.

Der Jahn setzt sich gleich mal vor dem Dünamö-Strafraum fest, Querpass Nandzik auf Grüttner, Direktabnahme aus 12 Metern in Torwart Schuberts Arme (1.). Und eine Zange ist nötig, um Freis am Torschuss im 16er zu hindern (2.). Nochmal Grüttner, der Schubert halb irritiert und wohl auch halb stößt, abgepfiffen (3.). Dresden unter Druck, riskanter Rückpass auf den Torwart, fast springt Schubert die Kugel über die Schnürsenkel (4.).

Knoll schmerzlich vermisst: Was für Freistöße!

Niklas Kreuzer (Dynamo Dresden,li.) begleitet Alexander Nandzik..

Nervöse Anfangsphase der Sachsen, noch scheint Neu-Coach Maik Walpurgis die angeschlagenen Nerven der Gäste nicht beruhigt zu haben. Ballverslust der Gelben im Mittelfeld, Geipl versäumt den Langen Pass nach rechts außen, wird gelegt – Föhrenbach mit den viel zu langen Freistoß aus 30 Metern. Und Andi Geipl schiebt ein paar Minuten später seinen Freistoß gleich flach zum Gegner (11.). Alle schlechten Dinge im Dreierpack: Föhrenbach versiert Nandizik im Mittelfeld an, direkt ins Aus (12.).

Schöne Vorarbeit Freis von links außen, Pass zur ersten Ecke abgefälscht (13.). Guter Querpass auf Freis, aber ein Gelber spurtet massiv dazwischen (14.). Gefährlicher Konter auf Freis, der am 16er weggegrätscht wird – vorher eine knappe Abseitsentscheidung (17.). Der Jahn dominiert, aber der letzte Pass kommt nicht, wie bei George rechts außen (20.).

Das gibt es nicht: Da wurstelt sich Dresden zum ersten Mal bis zum 16er durch, weil zuvor Föhrenbachs Pass abgefangen wird, keiner bekommt den Ball vom Fuß von Rico Benatelli, zum Schluss steht ausgerechnet Aias Aosman am kurzen Pfosten und netzt zum 0:1 (22.) ein. Jetzt verliert der Gastgeber erstmal den Faden, Dresden wird offensiver: Ecke auf Hamalainen, Pfosten (30.).

Adamyan allein vorm Tor

Viel zu viele Ballverluste der Oberpfälzer: Erst erkämpft sich Geipl den Ball, dann schiebt er ihn direkt in die Beine des Gegners (32.). Und schon wieder verliert Geipl die Kugel, weil er sie sich zu weit vorlegt – George fightet zurück, geht ab, aber sein Schuss landet in Schuberts Schoß (35.). Und dann springt Geipl auch noch das Kunstleder vom Fuß – die Konzentration fehlt!

Was man auch bei der ersten richtig dicken Regensburger Chance attestieren muss: Klasse Pass aus Adamyan, der holt sich die Kugel am Fünfer runter, versucht’s mit einem feinen Schlenzer – halber Meter neben den Pfosten (41.). Und Sekunden vor dem Halbzeitpfiff ein richtig schöner Drehschuss im Fallen von Andi Geipl – den haben viele drin gesehen, aber das Netz flattert nur von außen (46.).

Vrenezi dreht auf, Dynamo trifft

Schicht im Regensburger Schacht: Dario Dumic (2.v.l) jubelt nach seinem Treffer zum 0:2 gegen Regensburg.

Achim Beierlorzer lässt Sebastian Freis in der Kabine – und Albion Vrenezi bekommt 20 Sekunden nach der Einwechslung den Ball am Fünfer an die Schuhspitze, die Kugel springt um den Pfosten rum (45.). Vrenezi über links, guter Pass in die Mitte, Keeper Schubert holt sich die Kugel (47.). Und dann klappt einmal alles, starker Pass von George auf Grüttner, Drehschuss ins Netz, Schuhspitze drei Zentimeter im Abseits – wann ist Dresdens Glück aufgebraucht?

George holt die Ecke: Sörensen steigt am höchsten, aber der Kopfball viel zu hoch angesetzt (50.). Unvorstellbar: Da hat Regensburg eine ganze Latte an Chancen und die Sachsen machen wieder mit der ersten Torannäherung das 0:2 (52.) – Pingpong im Strafraum, Dario Dumic darf ein zweites Mal draufhalten, Pentke ohne Chance. Symptomatisch für Regensburgs Standards: Föhrenbachs Ecke genau dorthin, wo nur Gelbe stehen.

Der Jahn durch den Wind

Auf der anderen Seite kann der gleiche Föhrenbach die Kugel gerade noch Koné vom Fuß wegspitzeln – allein vorm Keeper (56.). Der Jahn völlig durch den Wind, drei Dresdener gehen Richtung Kasten, Flanke auf Ebert, der aus acht Metern drüberknallt (57.). Wieder so ein Unstandard: Geipl schießt George an (58.). Sallers Freistoß jagt quer durch den Strafraum – ohne Mannberührung (61.). Nächste Chance für Vrenezi, Kopfball am kurzen Pfosten gut einen Meter vorbei (63.).

Der zweite Wechsel: Für den eher blassen Lais kommt Jonas Nietfeld. Auch Dresden hat Reformbedarf: Aosman darf duschen, Erich Berko kommt (66.). Koné läuft Sörensen davon, vergibt allein vor Pentke die Entscheidung (68.). Dann darf Koné für den bosnischen Nationalspieler Haris Duljevic das Feld räumen (73.). Und Dresden hat jetzt natürlich ganz viel Zeit, Hartmann bleibt mit Krampf liegen und gleich draußen, für ihn kommt Linus Wahlqvist, schwedischer Junioren-Nationalspieler.

Hängende Schultern

Momentan ist mehr Unterbrechung als Spiel, den Sachsen kann’s Recht sein, die Regensburger machen nicht den Eindruck, als würden sie mit dem letzten Willen hier noch was umbiegen. Grüttner bekommt im Strafraum keinen richtigen Zugriff auf die Kugel. Im Gegenzug kontert Dresden den Jahn ein weiteres Mal aus – Berko schafft es, aus sieben Metern freistehend vorbeizuschieben. Hilflos: Saller legt den Freistoß quer auf Geipl, der verzieht in den Nachthimmel (81.).

Letzter Wechsel: Sebastian Stolze für Alex Nandzik, die Hoffnung stirbt zuletzt. Da kommt gar nichts mehr: Ein Vrenezi-Pass ins Nichts, Fehlpässe in jeder Situation, man sieht auch nichts mehr von dem unbedingten Kampfwillen, der den SSV bisher so schwer bespielbar machte. Man muss befürchten: Erste Auswirkungen auf das Ego drücken die hängenden Schultern nach unten. Schwere Wochen stehen dem SSV bevor, die erste richtige Krise, die der Jahn-Trainer managen muss.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.