08.02.2019 - 22:44 Uhr
RegensburgSport

Ortega rettet Bielefeld die Null beim SSV Jahn

Kein gebrauchter Abend, ein Griff ins Klo(s): Beim 0:3 gegen die Arminen geht beim SSV Jahn alles schief, was schief gehen kann. Nach Chancen hätte das Spiel auch 6:6 enden können.

Fassungslose Enttäuschung nach dem Spiel: Dabei hatten sich die Regensburger so viel vorgenommen.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Mit dem neuen Trainer Uwe Neuhaus haben die Bielefelder drei der letzten vier Spiele gewonnen. Und auch wenn der warnt, dass er in Regensburg mit 90 Minuten Stress rechnet, gibt er sich optimistisch: „Wenn wir alles abrufen, dann können wir morgen auch gewinnen.“

Und der neue Coach sollte Recht behalten: Ein schneller Konter, den Klos zum 0:1 (6.) abschließt und ein Witzelfer, den Voglsammer zum 0:2 (25.) für Arminia Bielefeld versenkt, bescheren Jahn Regensburg eine ganz bittere erste Halbzeit. Und nach einer Großchance für die Regensburger kontern sich die Bielefelder auch in Hälfte 2 schnell zum 0:3 (50.) durch Cédric Brunner - ungeschicktes Abwehrverhalten ist da noch das Freundlichste, was sich über vier Regensburger sagen lässt, die Yabo umzingeln, der trotzdem zum freistehenden Klos flanken kann, und fast hinterm Pfosten für Brunner auflegt. Danach schafft es der SSV auch mit elf Ecken und 16 Torschüssen nicht, das Ergebnis wenigstens noch zu korrigieren.

Beierlorzer: „Massiv enttäuscht“

„Natürlich sind wir sehr glücklich“, fasst Arminia-Trainer Uwe Neuhaus seine Gefühlslage zusammen, „dass wir das schwierige Auswärtsspiel mit 3:0 gewonnen haben.“ Man sei heute sehr effektiv gewesen, habe die Tore zur rechten Zeit gemacht. „Ich denke schon, dass der Sieg etwas zu hoch ausgefallen ist, wenn man die Chancen auf der anderen Seite sieht.“ Seine Arminia habe heute einen sehr, sehr guten Torwart gehabt, die Mannschaft habe sich in jeden Ball geworfen.

„Massiv enttäuscht“, zeigt sich Jahn-Coach Achim Beierlorzer, „dass wir den Gegner zu drei Toren kommen lassen – in einer Art und Weise, die für die Liga viel zu einfach war.“ Da müsse man besser verteidigen. „Und dann ist es natürlich schon brutal, wenn man aus dieser Vielzahl von Torschüssen – und wir sprechen jetzt ja hier nicht von Schüssen aus 20 Metern, sondern von teilweise einem Meter, der Kopfball zum Beispiel – nicht ein einziges Tor daraus machen.“ Man müsse das noch mehr erzwingen.

In der zweiten Hälfte sei er mit der Einstellung seiner Mannschaft, die dem Publikum gezeigt habe, dass sie es unbedingt will, zu 100 Prozent einverstanden. „Wir haben mit 29 Punkten zwar ein gutes Polster, aber wir werden mit 29 Punkten definitiv unser Ziel nicht erreichen – also müssen wir weiter intensiv trainieren, die beiden Aspekte verbessern.“

Das Bielefelder Trainerteam mit Uwe Neuhaus (links) kann zufrieden sein.

Das geht viel zu leicht

Wo geht die Reise hin für den SSV Jahn? Sicheres Mittelfeld oder doch noch mal mit Blick nach unten? Von dort kommt Arminia Bielefeld mit Tendenz nach oben. Der SSV Jahn muss es heute besser machen als beim 0:2 in Kiel. Diese Startelf soll es richten: Vor Pentke wie gehabt Correia, Sörensen, Föhrenbach und Saller. Geipl und Thalhammer als Schnittstelle zur Offensive mit George, Adamyan, Al Ghaddioui und Grüttner.

Auf und ab, Correia unter Druck von der Mittellinie zu Keeper Pentke, der direkt zu seinem Pendant Ortega Moreno. Wie leicht geht das denn? Ganz schwache Verteidigung der Regensburger, langer Ball auf Brunner rechts, Flanke, die einer unterläuft, Klos dahinter per Kopfballaufsetzer zum 0:1 (6.). Geipl verstolpert den Ball, Voglsammer steckt durch, Ecke. Im Gegenzug schießt George den Rücken eines Blauen an (8.).

Riesenchance für den Jahn: Al Ghaddioui und Grüttner allein vorm Kasten, anstatt ins fast leere Tor einzuschieben, legt Al Ghaddioui noch einmal quer und gibt Salger die Chance, den Ball kurz vor der Linie zur Ecke zu klären (13.). Warum Geipl aus 25 Metern ins Niemandsland abzieht und kurz darauf den Pass über zehn Meter nicht an den Mann bringt, bleibt sein Geheimnis (15.).

Jubeltraube nach Fabian Klos' 1:0 für Arminia Bielefeld.

Elfer für Armauflegen

Freistoß für den Jahn, 30 Meter halb rechts: Föhrenbach schickt Adamyan in die Gasse, der hat kaum Platz, der zweite Ball von außen sicher in Ortegas Hände (18.). Gute Flanke von Saller auf Al Ghaddioui, der stützt sich beim Kopfball klar auf (19.). Zweite Ecke Bielefeld: Weil Sörensen den linken Arm auf Klos Schulter legt, pfeift Schiri Johann Pfeifer einen kuriosen Elfer. Pentke ist dran, aber kann den Ball nur ins lange Eck verlängern, 0:2 (25.).

Auf der anderen Seite macht der Jahn einfach zu wenig aus seinen Chancen: Ablage auf George im Strafraum, der knallt drüber (27.). Nach Rückpass auf Ortega nimmt der Keeper die Kugel in die Hand, indirekter Freistoß für den SSV – Schiri Pfeifer rudert zurück, weil Grüttner den Ball noch berührt hat. Offenbar hat der Kapitän dies eingeräumt. Wer es sich leisten kann … Klasse Konter über drei Stationen, aber schlecht zu Ende gespielt, die Flanke zu Saller zur Ecke abgewehrt (31.).

Keine Linie

Föhrenbach fällt ohne jede Einwirkung beim Spielaufbau, tja, der nächste Ballverlust. Die nächste Bielefelder Ecke: Schiri Pfeifer hat keine Linie, im Gegenzug wird Adamyan bei der Ballannahme deutlich gefoult, er lässt weiterlaufen (34.). Deshalb ist Voglsammer schon wieder im Strafraum, Saller im Rückwärtsgang, hat Glück, dass er ihn anschießt. Die Ecke auf Salger, Al Ghaddioui kommt nicht hoch, knapp daneben (36.).

Die Flanke auf Grüttner etwas zu hoch, Behrendt bleibt erst mal liegen – so geht die eine Minute Nachspielzeit rum. Auch Klos gibt den sterbenden Schwan und damit geht die erste Hälfte zu Ende.

Kann man auch mal machen ...

Regensburg unverändert, hoffentlich nicht auch mental. Das gibt‘s doch nicht: Sörensen serviert flach auf den Elfmeterpunkt, Grüttner bekommt die Kugel nicht kontrolliert, Adamyan schießt aus fünf Metern den Keeper an (46.). Noch dämlicher kann man sich nicht anstellen: Yabo allein gegen Vier im Strafraum, Pass auf den Fünfer, knapp verpasst, Klos eigentlich chancenlos hinterm Pfosten, kann um Föhrenbach rumspielen und Brunner bedienen, der zum 0:3 einnetzt (50.).

Das hört man selten: Pfiffe gegen die eigene Mannschaft, nachdem Föhrenbach wieder einen Fehlpass spielt – besser machen wird es das aber auch nicht (53.). Jahn-Trainer Achim Beierlorzer versucht‘s mal wieder mit Vrenezi anstatt des glücklosen George. Dann kommt auch noch Pech dazu: Perfekte Vorlage für Adamyan, der direkt aus acht Metern an den Außenpfosten (56.). Unglaublich: Der nächste Pass, der passt, Grüttner aus fünf Metern per Kopf, Ortega bekommt die Faust hin (58.). Die rudimentäre Regensburger Abwehr lässt jetzt auch noch so einiges zu: Edmundson darf mal draufhalten, mit Effet vom Tor weg, kann nicht reingehen (62.).

Immer wieder Ortega

Schöner Pass von Thalhammer auf Adamyan, das dauert zu lang, bis der sich dreht, Vrenezi nimmt ihm den Ball ab und schussert kläglich, immerhin Ecke (65.) – nochmal von der anderen Seite, knapp verfehlt, hilft auch nicht weiter. Klasse Drehschuss von Al Ghaddhoui, Ortega mit starker Parade, die siebte Ecke faustet der Keeper weg – im Gegenzug fast das Eigentor von Thalhammer, das er auf der Linie selbst verhindert: stark gemacht.

Für Föhrenbach ist jetzt Nietfeld auch noch Teil des Mottos „volles Risiko“. Adamyan über links, achte Ecke (70.), wieder faustet Ortega das Ding raus. Ist das noch Pech? Nietfeld allein vorm Keeper trifft den Ball nicht richtig (71.). Adamayans abgefälschten Schlenzer fischt wieder Ortega aus dem Eck (75.). Für Yabo kommt jetzt Weihrauch bei Bielefeld (76.). Auch Vrenezi darf‘s mal versuchen, abgefälscht, die neunte Ecke – für Saller kommt Stolze, dessen Kopfball natürlich Ortega rausboxt. Ecke.

Powerplay ohne Effekt

Was nützt das Regensburger Powerplay, wenn die Oberpfälzer rein gar nichts über die Linie bekommen? Entlastungskonter der Gäste, Nietfeld auf Nummer sicher zur Ecke (79.). Und auch Al Ghaddhoui kommt nicht vorbei, Adamyans Schuss aus zehn Metern holt Ortega mit dem langen Bein raus (81.). Erste richtige Chance für Bielefeld seit dem 0:3: Voglsammer allein vor Pentke, der pariert (85.). Auf der anderen Seite hebt Adamyan die Kugel ratlos Richtung Fünfer – überraschend steht da, wer wohl? Ortega.

11 Ecken sollt ihr sein – und wieder eine ohne Effekt. Dafür zeichnet sich Pentke aus, indem er Seufert fast am Mittelkreis die Kugel abluchst (89.). Das ist ein Abend, da könnte der Jahn noch eine Stunde auf das Bielefelder Tor anrennen, ohne es zu treffen. Dafür trifft Klos aus 40 Metern das Außennetz. Vorbei, die Arminen mausern sich nach dem 5:3 im Hinspiel zu einem weiteren Angstgegner der Oberpfälzer.

Der Ball rollt in Regensburg.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.