Der SSV Jahn Regensburg ist in der zweiten Fußball-Bundesliga nun bereits seit neun Partien ungeschlagen. Gegen den FC St. Pauli retteten die Oberpfälzer am Sonntag vor ausverkauftem Haus spät ein 1:1. Joker Sebastian Stolze egalisierte drei Minuten vor dem Ende den Führungstreffer der Kiezkicker aus dem ersten Durchgang - Henk Veerman hatte St. Pauli per "Schienbein-Schleuderer" in Front geschossen (40.).
Für die Gäste war der Punktgewinn in der Oberpfalz am Ende äußerst schmeichelhaft, da sie während der gesamten Spielzeit lediglich zwei Torchancen verzeichneten, während der SSV Jahn seinen Gegner "an die Wand spielte" (O-Ton Kapitän Marco Grüttner). "Das einzige, das mir am heutigen Auftritt missfällt, ist, dass wir nicht gewonnen haben", analysierte auch Chefcoach Achim Beierlorzer und verwies auf die Torschuss-Statistik von 25:9 zugunsten der Regensburger.
Die Jahn-Akteure wurden dabei einmal mehr ihrem Ruf als "Mentalitätsmonster" gerecht und punkteten gefühlt zum x-ten Mal nach einem Rückstand - für den die Fußballerfloskel "aus dem Nichts" einst erfunden worden sein muss. Der SSV Jahn agierte in einer anfangs ausgeglichenen Partie überlegen, allerdings fehlten zwingende Offensivaktionen. Nach einem Fehlpass im Spielaufbau schaltete Paulis Mats Möller-Daehli blitzschnell und flankte von rechts scharf in den Strafraum, wo Jahn-Verteidiger Asger Sörensen über den Ball haute und Holland-Import Veerman den Ball in bester Thomas-Müller-Manier über die Linie würgte.
"Natürlich ist ein Rückstand nie gut. Natürlich darf uns ein Gegentreffer mit dieser Entstehungsgeschichte nach einem Konter nicht passieren, da muss die Rest-Verteidigung besser sein. Aber wir geben eben niemals auf. Wir haben diese Mentalität als Kollektiv. Deswegen sind wir mit diesem einen Zähler am Ende auch zufrieden", analysierte Regensburgs Mittelfeldmotor Andreas Geipl. Im zweiten Durchgang drückten die Gastgeber vehement auf den Ausgleichstreffer, gelingen wollte dieser aber erst spät.
Jahn-Keeper Philipp Pentke hielt seine Mannschaft mit einer großartigen Reflex-Abwehr per Fuß gegen Veerman überhaupt im Spiel (70.) - der zweite und letzte Torschuss der Gäste. "Wenn wir da das zweite Tor machen, ist das Spiel zu unseren Gunsten entschieden", haderte Marvin Knoll, der erstmals nach seinem Wechsel an die Alster auf seinen Ex-Klub traf. Die Anhänger des SSV hatten in der 72. Minute den Torschrei auf den Lippen, als Hamadi Al Ghaddioui, der sein Startelf-Debüt im Jahn-Dress feierte, das Kunststück fertigbrachte, aus sechs Metern das leere Tor zu verfehlen.
Der vierte Offizielle hatte schon die Tafel mit der Nachspielzeit in der Hand, als dem eingewechselten Sebastian Stolze doch noch der Ausgleichstreffer gelang. "Nach einer Doppelchance ist der Ball vor meine Füße gerollt. Ich habe aus spitzem Winkel einfach draufgehalten", sagte der glückliche Torschütze.
Bei den Hamburgern war der Schwarzhofener Philipp Ziereis oftmals der Fels in der Brandung und bildete mit Nebenmann Avevor ein bärenstarkes Innenverteidiger-Duo. Dabei verriet der ehemalige Jahn-Kicker nachher, dass er gesundheitlich angeschlagen war. „Ich habe mir einen Magen-Darm-Infekt eingefangen. Das hat man in einigen Situation schon gemerkt“, sagte Ziereis in der Mixed-Zone der Continental-Arena. Und scheinbar schlug ihm die dürftige Darbietung seiner Kollegen im ersten Abschnitt noch richtig auf den Magen.
„Ich habe mich in der Halbzeitpause übergeben. Die anderen Spieler mussten auf mich warten, deswegen kamen wir verspätet zurück aufs Feld.“ Dabei sollte der 25-Jährige die bayerische Küche doch gewöhnt sein, wie ein Journalist aus Hamburg süffisant anmerkte. „Am Schweinebraten gestern lag’s sicher nicht“, entgegnete Ziereis nicht ganz ernst gemeint. Und warum hat Pauli-Trainer Markus Kauczinski seinen eigentlich unverzichtbaren Verteidiger nicht ausgewechselt? „Nein, es kommt schon hin und wieder mal vor, dass sich ein Spieler in der Halbzeitpause übergibt.“ Das rief auch Achim Beierlorzer auf den Plan: „Das hat es direkt auf dem Spielfeld auch schon gegeben“, pflichtete er bei.






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