02.03.2019 - 12:53 Uhr
RegensburgSport

SSV Jahn bleibt Heidenheims ärgster Angstgegner

Frank Schmidt hat einen Angstgegner: Dreimal haben seine Heidenheimer schon gegen die Regensburger verloren. Und auch heute holt der SSV Jahn drei Punkte von der Schwäbischen Alb ab: mit einem hochverdienten 1:2.

Wie gegen den HSV treffen Sargis Adamyan (Mitte) und Marco Gruettner (links) für den SSV Jahn.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Der SSV Jahn lässt Heidenheim kaum ins Spiel, setzt selbst immer wieder Nadelstiche. Kurz vor der Halbzeit schlägt Grüttner zu, 0:1 (45.) zur Pause. Allein dem Kraftakt Marc Schnatterers ist es zu verdanken, dass die Gastgeber danach noch einmal hoffen dürfen: Der Heidenheimer Kapitän holt für sich selbst den Freistoß und schlenzt die Kugel aus 18 Metern über die Mauer zum 1:1 (50.) ins Netz. Doch Sargis Adamyan schlägt zurück: Im Strafraum setzt er sich gegen drei Rote durch und trifft zum 1:2 (58.).

Dass es dennoch bis zum Schluss spannend bleibt, liegt an der Chancenverschwendung der Oberpfälzer: Dreimal Aluminium, zweimal Grüttner allein vor Müller - das Spiel hätte eher ein 2:5 als Ergebnis verdient.

Beierlorzer; „Taktisch sehr gut gemacht“

„Es war natürlich genau das erwartete Spiel für uns“, sagt Jahn-Trainer Achim Beierlorzer. „Wir haben gegen eine Heidenheimer Mannschaft gespielt, die unheimlich stabil in ihrem Spielaufbau unterwegs ist, die immer wieder in ihren Standards gefährlich vors Tor kommt.“ Ein intensiveres Freistoßtraining könne man gar nicht absolvieren. Man habe zu Beginn mehr Druck erzeugen wollen, aber schnell gemerkt, dass das unheimlich zentrierte Spiel des Gegners dies schwer gemacht habe. „Deshalb haben wir gesagt, wir sind auswärts, wir warten lieber ab.“ Die beiden Stürmer hätten immer wieder versucht, die Räume auf der 6er-Ebene zuzumachen. „Letztendlich haben wir es geschafft, recht wenige Torchancen zuzulassen.“

Dann habe man es nach einem der zwangsläufigen Ballgewinne im Mittelfeld geschafft, das 1:0 zu schießen. „Das hat uns natürlich schon in die Karten gespielt.“ Auch in der zweiten Hälfte nach dem Freistoßtreffer, sei man sofort wieder im Spiel gewesen, sogar etwas mutiger geworden. „Wie es so ist, wenn man dann 2:1 führt – sehr schöner Treffer von Sargis Adamyan – ergeben sich Konterchancen, die wir allesamt liegengelassen haben.“ Beierlorzer will aber auch nicht verkennen, dass auch Heidenheim das Spiel noch auf seine Seite ziehen hätte können. „Insgesamt habe ich einen verdienten Sieg meiner Mannschaft gesehen, weil sie es taktisch sehr gut gemacht hat.“

FCH-Coach Frank Schmidt verneigt sich vor Angstgegner Jahn Regensburg.

Schmidt: „Wie so oft gegen Regensburg“

„Unterm Strich ist es ein verdienter Sieg“, findet FCH-Coach Frank Schmidt, „auch wenn das Spiel Phasen gehabt hat, wo’s noch einmal in die andere Richtung gehen kann.“ Er habe von seiner Mannschaft erwartet, dass sie nach Ballverlusten in der Absicherung nach hinten besser stehen würde. „Wir haben den Ball gut laufen lassen im Spielaufbau, allerdings haben die tiefen Laufwege gefehlt – wir kamen schlecht ins letzte Drittel.“ Es sei nicht schlimm, wenn eine erste Halbzeit mal so laufe. „Schlimm ist nur, wenn man dann hinten raus noch die Fehler macht.“ Der Ballverlust, der zum 0:1 geführt habe, sei nicht der einzige gewesen.

„Wir haben dann schon deutlich angesprochen, was sich ändern muss in der zweiten Halbzeit – schön für Mark, dass er getroffen hat und die Mannschaft zurückbringt.“ Aber es habe nicht zu einer so klaren Struktur geführt, wie man sie gegen Regensburg brauche. „Ich glaube auch beim 2:1 für unsere Verhältnisse machen wir es dem Gegner zu einfach“, ärgert sich Schmidt, „auf dem linken Flügel lassen wir nach innen dribbeln, lassen den Gegner ins Zentrum gehen und schaffen es auch nicht, Adamyan zu blocken mit zwei Mann im Zentrum.“ Dann habe es noch einmal eine Phase gegeben, wo man rankommen hätte können – Abseitstor, eine Standardsituation. „Erst dann kamen die Situationen, wo Regensburg zu ganz klaren Konterchancen gekommen ist.“ Wie so oft gegen Regensburg, habe auch heute wieder etwas gefehlt.

Der Jahn legt stark los

Darauf sollte man sich nicht verlassen: Jahn Regensburg trifft heute auf den Lieblingsgegner. Alle drei Spiele in der 2. Liga gegen Heidenheim konnten die Oberpfälzer bislang gewinnen. Keine Veränderungen im Vergleich zum Hamburg-Spiel in der heutigen Startaufstellung des SSV Jahn: Pentke - Hein, Sörensen, Correia, Föhrenbach - Geipl, Thalhammer - Stolze, Adamyan - Grüttner, Al Ghaddioui.

Gigantische Chance für den SSV Jahn: Nach Ecke Geipl zweimal auf der Linie geklärt – gegen Al Ghaddioui und Adamyan (4.). Auf der anderen Seite verschätzt sich Correia bei einer Ecke, der Ball rutscht durch, Theuerkauf kommt von links in den Strafraum, kein Regensburger bekommt einen Fuß dazwischen, der Winkel ist aber zu spitz, kein Problem für Pentke (7.).

Jubel nach dem 1:0 für SSV Jahn Regensburg durch Marco Grüttner (re.).

Grüttner macht's cool

Beide Mannschaften suchen die Lücke, die Regensburger machen mehr für das Spiel nach vorne. Dann bekommt doch einmal Schnatterer den Ball in den 16er serviert, schwacher Abschluss aus zehn Metern in Pentkes Hände (20.). Hein muss die Flanke von rechts im letzten Moment zur Ecke klären (22.). Gefährlicher Freistoß von Theuerkauf aus dem Halbfeld, Glatzel springt höher als Correia, knapp vorbei (25.).

Nach guter Vorarbeit von Correia lässt Stolze einen Flatterschuss los, den Keeper Müller über die Latte hebt (37.). Weiter Ball von Adamyan von rechts, Grüttner kann die Kugel fast von der Grundlinie nicht mehr aufs Tor drücken (38.). Und noch ein eine gute Chance, Grüttner spielt Stolze frei, der bekommt das Ding nicht über Müller drüber (41.). Ballverlust Heidenheim im Mittelfeld, Al Ghaddioui mit dem schnellen Ball auf Grüttner, der macht’s cool, 0:1 (45.).

Adamyan schlägt zurück

Freistoß Heidenheim 18 Meter zentral: Schnatterer über die Mauer, Pentke steht ganz links, die Kugel schlägt rechts ein, 1:1 (50.). Steiler Ball auf Al Ghaddioui, Müller dran, Al Ghaddioui fällt, aber klar kein Elfer (54.). Und dann setzt sich Adamyan sensationell gegen drei Rote durch und schlenzt die Kugel via Innenpfosten ins Netz, 1:2 (58.).

Die nächste Großchance, Thalhammer mit starkem Antritt und Übersicht, Ball nach rechts, Chip auf Adamyan, gerade noch zur Ecke geklärt: Wieder die Doppelchance, Adamyan mit Luftloch, im zweiten Versuch auf Grüttner, der aus fünf Metern Müller anschießt (62.). Dummer Ballverlust im Mittelfeld, Freistoß Heidenheim, Flanke Schnatterer, ganz gefährlich auf Mainka, der knapp drüber köpft (63.). Eckenfestival vor dem Regensburger Tor, Nummer 3: wieder nichts.

Heiße Feier der Jahn-Fans.

Jahn macht’s spannend

Jetzt auch mal Glück für den Jahn nach der unnötigen Ecke für Schnatterer, im dritten Anlauf haut Glatzel den Abpraller in die Maschen, aber da waren zwei Rote im Abseits (68.). Im Gegenzug ganz starke Vorarbeit Hein, der Adamyan vorlegt, perfekt auf Grüttner rechts aus zehn Metern an den Pfosten (69.). Im Gegenzug Schnatterer fast durch, gerade noch zur Ecke geklärt: keine Gefahr.

Auf der anderen Seite wieder Grüttner allein vor Müller, den muss er machen, nur Ecke. Konter auf Adamayan, Müller muss weit raus (78.). Beermann sieht Gelb für den Ellbogen in Grüttners Hals, Freistoß aus 35 Metern, abgewehrt (81.). Zufallsprodukt auf der anderen Seite, Schmidt fällt die Kugel vor die Füße, der zieht direkt ab aus zehn Metern, einen Meter neben den linken Pfosten (83.).

Der nächste Pfosten, Al Ghaddioui aus acht Metern (85.). Föhrenbach lässt sich an der Grundlinie ganz schwach abkochen, Pentke muss mit den Fäusten ran und scheißt Föhrenbach zusammen (89.). Ärgerlich: In der Nachspielzeit versucht Jann George einen Beinschuss und eröffnet damit noch eine Konterchance. Kunststück: Drei Regensburger allein vor Müller, Al Ghaddioui an die Latte. Und dann ist Feierabend, hochverdienter Auswärtssieg.

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