24.02.2019 - 15:33 Uhr
RegensburgSport

SSV Jahn wird zum HSV-Albtraum

Die groß angekündigte Revanche-Tour des Hamburger SV in die Oberpfalz geht in die Hose. Nach dem denkwürdigen 5:0-Erfolg im Hinspiel behalten die Regensburger auch im heimischen Stadion dank einer turbulenten Schlussphase die Oberhand.

Hamburgs Hee-chan Hwang (links) und Jonas Föhrenbach im intensiven Kampf um den Ball.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Der SSV Jahn Regensburg hat in der 2. Fußball-Bundesliga einen neuen Lieblingsgegner: Wie schon im Hinspiel setzten sich die Oberpfälzer erneut gegen den Hamburger SV durch. Diesmal hieß es nicht 5:0, sondern "nur" 2:1. Die favorisierten Gäste gingen früh durch David Bates in Führung und beschränkten sich anschließend fast nur mehr aufs Verteidigen. Diese wenig attraktive Spielweise bestrafte der SSV Jahn in der Schlussphase. Erst glückte Sargis Adamyan der Ausgleich, ehe Kapitän Marco Grüttner für Jubelstürme in der restlos ausverkauften Continental-Arena sorgte. Mit diesem erneuten Husarenstück beendete die Truppe von Coach Achim Beierlorzer auch eine drei Spiele andauernde Tor- und Sieglos-Serie. Die Gäste mussten zu allem Überfluss noch zwei Platzverweise schlucken.

Beierlorzer bejubelt Ende der Torflaute

"Große Freude" verspürte Jahn-Coach Achim Beierlorzer als der Dreier feststand. "In der ersten Halbzeit hatten wir lange nicht das richtige Händchen nach unseren Balleroberungen. Im zweiten Abschnitt haben wir die Zuschauer wieder mitgenommen und unsere Wucht wie gewohnt entfaltet." Zudem freute sich Beierlorzer über das Ende der Torflaute und die Treffer von Adamyan und Grüttner: "Manchmal zahlt es sich eben doch aus, wenn man an Bewährtem festhält." Sein Pendant Hannes Wolf war nach dem Dämpfer im Aufstiegsrennen bedient. "Für uns war das natürlich ein bitterer Nachmittag. Das zweite Tor für uns muss fallen, aber der Platzverweis verändert dann natürlich die ganze Statik des Spiels." Nach nur einem Zähler aus vier Auswärtsspielen attestierte Wolf seinem HSV "keinen guten Start ins Jahr 2019".

Die Partie benötigte keine lange Anlaufzeit. Der SSV Jahn versuchte auch gegen den HSV seinen prägenden Powerfußball durchzudrücken und machte von Anpfiff weg Jagd auf den ballbesitzenden Hamburger. Doch HSV-Coach Hannes Wolf hatte seine Truppe bestens auf den Regensburger Fußball Beierlorzer Art vorbereitet. Technisch versiert lösten sich Lewis Holtby und Orel Mangala aus Pressingsituation der Heimelf und initiierten ihrerseits Angriffe. Gleich die erste Chance im Spiel brachte die Gästeführung: Der brasilianische Olympiasieger Douglas Santos zog eine Freistoßflanke scharf in den Regensburger Strafraum und der SSV brachte die Kugel zweimal nicht aus der Gefahrenzone. Keeper Philipp Pentke konnte den ersten Abschluss von Hee Chan Hwang noch parieren, gegen den Abstauber der Briten-Kante David Bates - im Hauptberuf Innenverteidiger - war aber auch er machtlos (16.).

Lasogga vergibt kläglich

Dieser Treffer läutete eine vogelwilde Viertelstunde ein, in der die Gäste klar die Oberhand gewannen. Zunächst lenkte Pentke einen van-Drongelen-Kopfball über die Latte (22.), ehe Pierre-Michel Lasogga für eine Slapstick-Einlage sorgte: Der HSV-Bomber brachte das Kunststück fertig, den Ball nach einem mustergültigen Konter über Hwang völlig freistehend nicht im Jahn-Gehäuse unterzubringen (25.). Das hätte das 2:0 für den Tabellenführer sein müssen - Riesenglück für den Jahn.

Erst jetzt wagte sich auch der Gastgeber mehr und mehr in die Offensive. Richtige Torchancen sprangen dabei allerdings nicht heraus. Die Versuche von Correia (27.) und Grüttner (29.) schafften es nicht über die Einstufung "harmlos" hinaus. Gefährlich wurde es nur noch einmal in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs, als weder Marco Grüttner noch Sebastian Stolze ein Gestocher vor dem HSV-Gehäuse erfolgreich abschließen konnten. Die Führung zur Pause ging in Ordnung, weil die Hanseaten über die reifere Spielanlage verfügten und offensiv mehr Gefahr entfachten. Die Jahn-Elf wehrte sich nach Kräften, kam jedoch nicht über Ansätze hinaus.

Die Jahn-Akteure Oliver Hein (von rechts), Andreas Geipl und Sargis Adamyan hatten gegen Hamburg und Berky Özcan (Zweiter von rechts) Schwerstarbeit zu verrichten.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs war auf beiden Seiten zunächst wieder Kampf Trumpf. Spielerisch ließ die Begegnung doch arg zu wünschen übrig. Dank unzähliger Ballverluste und planlosem Gebolze verkam die Partie zur fußballerischen Magerkost, von Torchancen ganz zu schweigen. Mit zunehmender Spieldauer wurde der Jahn mutiger und drückte die Gäste in die Defensive. Die Hamburger rührten allerdings mächtig Beton an und gewährten keine Lücken.

Platzverweis als Knackpunkt

Dies änderte sich als der bereits im ersten Durchgang verwarnte Mangala einen Regensburger Angriff per Handspiel unterband und folgerichtig mit der Ampelkarte des Feldes verwiesen wurde (69.). Fünf Minuten später war es dann so weit: Hamburg-Schreck Sargis Adamyan verwertete einen Schnittstellenpass mit etwas Glück - van Drongelen fälschte den Ball unhaltbar ab - zum Ausgleich (74.). Angesichts der Hamburger Destruktivität und Passivität ein gerechter Zwischenstand. Adamyan glückte nach seinem Dreierpack im Hinspiel damit erneut ein Treffer gegen den HSV.

Jetzt hatte der Jahn Oberwasser, drückte weiter aufs Gaspedal und wurde prompt belohnt. Kapitän Marco Grüttner kontrollierte ein Zuspiel in den Strafraum mit dem Rücken zum Tor gekonnt und hämmerte den Ball aus der Drehung in die Maschen zur Jahn-Führung (81.). In der Nachspielzeit flog auch noch der eingewechselte Hamburger Vasilije Janjicic nach einer Notbremse vom Platz (90.+2).

Jahn-Kapitän Marco Grüttner bejubelt seinen Siegtreffer.
Statistik:

SSV Jahn Regensburg - Hamburger SV 2:1 (0:1)

SSV Jahn: Pentke - Hein, Sörensen, Correia, Föhrenbach - Stolze (65. George), Thalhammer (88. Nietfeld), Geipl, Adamyan (90. Lais) - Grüttner, Al Ghaddioui

HSV: Pollersbeck - Sakai, Bates, van Drongelen, Santos - Mangala, Holtby (82. Arp), Özcan (71. Janjicic) - Hwang, Jatta (72. Lacroix), Lasogga

Tore: 0:1 (16.) David Bates, 1:1 (74.) Sargis Adamyan, 2:1 (81.) Marco Grüttner

SR: Felix Zwayer

Zuschauer: 15210 (ausverkauft)

Gelb-Rot: (69.) Mangala (HSV)

Rot: (90.+2) Janjicic (HSV) wegen einer Notbremse

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