13.09.2021 - 19:50 Uhr
RegensburgSport

Verkehrte Welt in Regensburg: Was der Jahn dem Club voraus hat ...

Mit dem SSV Jahn Regensburg und dem 1. FC Nürnberg ist die 2. Fußball-Bundesliga aus bayerischer Sicht gut aufgestellt. Warum das so ist, haben beide am Sonntag gezeigt

Erik Wekesser brachte mit einem wunderschönen Freistoßtor den SSV Jahn mit 1:0 in Führung. Am Ende hieß es gegen den Club 2:2.
von Josef Maier Kontakt Profil

Wie sehr sich die Machtverhältnisse im bayerischen Profifußball hinter dem großen FC Bayern mittlerweile verschoben haben, zeigte sich am Sonntag in Regensburg so richtig nach dem Abpfiff. Die Fans des 1. FC Nürnberg feierten den Punktgewinn gegen den SSV Jahn wie einen Sieg. Sie ließen die Mannschaft hochleben. Und auf der FCN-Homepage titelten die Club-Onliner: "2:2 beim Spitzenreiter: Club erkämpft Auswärtspunkt!" Vor ein paar Jahren wäre das undenkbar gewesen, auch für den fränkischen Traditionsverein war die Oberpfalz fußballerisches Brachland. Ab und an fuhren die FCN-Profis zu einem Testspiel rüber.

Vorbei, der SSV Jahn hat sich zunehmend Respekt in der deutschen Profiszene erarbeitet. Und das nicht nur, weil der Jahn weiter mit zwei Punkten Vorsprung die Zweitliga-Tabelle anführt. Wo sie früher über einen Zähler gegen den großen Club mehr als zufrieden gewesen wären, sagt Jahn-Innenverteidiger Steve Breitkreuz heute: "Wir ärgern uns, dass wir den Sack nicht zumachen konnten." Wie groß das Ansehen der Regensburger mittlerweile ist, zeigt auch diese Analyse von Club-Trainer Robert Klauß: "Wenn wir über 90 Minuten besser gespielt hätten, hätten wir gewinnen können", erklärte er. "Aber das war uns aufgrund der starken Leistung von Regensburg nicht möglich."

Die Chance für Albers

Auch wenn die Konstanz nicht immer für 90 Minuten reicht, ziehen sich die Oberpfälzer immer wieder gegenseitig hoch. "Durch unsere Geschlossenheit haben wir es geschafft, das Tempo hochzuhalten und weiter an uns zu glauben", erklärte Breitkreuz die Jahn-Idee. Das war nach dem 0:1 so, das war nach dem 2:2-Ausgleich der Nürnberger zehn Minuten vor Schluss so. Nach dem kurzen Schock hätte der SSV Jahn nochmals nachlegen können, doch Andreas Albers vergab die große Möglichkeit.

Der Däne ist ein bisschen ein Beispiel dafür, wie in diesem Jahn-Kosmos gedacht wird. 13 Mal hatte er in der vergangenen Saison getroffen, in dieser Spielzeit hat der SSV Jahn schon zehn verschiedene Torschützen auf der Liste stehen, aber ausgerechnet Sturmtank Albers fehlt. da. Und was macht der? Er schiebt nicht Frust, er haut sich rein. Gegen den Club blockt er alles und jeden ab, war in vorderster Front erster Verteidiger und nahm auch Club-Ideengeber Mats Möller Daehli immer wieder die Kreativität. Anfangs der zweiten Hälfte schien der schmächtige Clubberer die Lust vollends verloren zu haben.

Auch der Club spielt mit

Dass es am Ende doch nur ein Punkt für den Jahn war, lag aber nicht nur am Torwartfehler von Alexander Meyer. Auch die Nürnberger haben in dieser Saison eine positive Entwicklung genommen, wenngleich sie nicht so harmonisch daherkommen wie die Oberpfälzer.

"Die Moral der Mannschaft ist auf jeden Fall da", sagte Lino Tempelmann, der mit einem klasse Kopfball die Gäste in Führung gebracht hatte. Die wasserstoffblonde Freiburger Leihgabe spielt sich immer mehr ins Team von Robert Klauß, das aber noch zu abhängig von Daehlie ist.

"Wir hatten gute Phasen, wir hatten schlechte Phasen", hatte Christian Mathenia von hinten beobachtet. Auch der Club hätte in den letzten "wilden Minuten" noch den Siegtreffer machen können, war plötzlich quicklebendig und gefährlich. "Aber", so betonte der Torwart, "wir sind glücklich mit dem Punkt. In Regensburg gewinnen nicht so viele Mannschaften."

Ja, die Machtverhältnisse im bayerischen Zweitliga-Fußball sind derzeit auf den Kopf gestellt.

Der Spielbericht zum starken Derby des SSV Jahn und des 1. FC Nürnberg

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