14.05.2021 - 17:37 Uhr
SchmidgadenSport

Uwe Richthammer - der Mann, der für Philipp Lahm Platz machen musste

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FC Bayern, 1860 München – Uwe Richthammer aus Schmidgaden war auf dem Weg zu einer Profikarriere. Auch wenn es die nicht geworden ist, hadert er nicht. Heute gibt es für ihn Wichtigeres als Fußball.

Uwe Richthammer (links) Ende der 90er-Jahre mit Patrick Würl (Mitte) und Holger Seitz, der heute das NLZ des FC Bayern leitet.
von Josef Maier Kontakt Profil

Eines Tages tauchte dieser schmächtige Bursche beim Training auf. Hermann Gerland hatte wohl von oben den Auftrag, den quirligen und total talentierten Kicker in die zweite Mannschaft des FC Bayern einzubauen. "Der spielt hinten rechts", beschloss der "Tiger", der damals die Amateure des deutschen Rekordmeisters trainierte. "Ich musste quasi für Philipp Lahm Platz machen", sagt Uwe Richthammer heute lachend und völlig ohne Groll. Schließlich ermöglichte der Schmidgadener, der bei den kleinen Bayern zuvor auf dieser Position gespielt hatte, auch ein bisschen die Karriere des Bayern-Stars, der 2014 als Kapitän mit Deutschland Weltmeister wurde.

Damals 2001, als Lahm seine Karriere startete, war die von Richthammer beim FC Bayern schon wieder zu Ende. Mit 22 Jahren. Kreuzbandrisse, Bänderrisse, vorher auch schon ein Schienbeinbruch. Ein Körper verträgt viel, aber nicht alles. "Von einer Profikarriere möchte ich bei mir nicht sprechen", sagt Richthammer. "Da hätte es schon ein bisschen höher gehen müssen." Aber auch so hatte der heute 43-Jährige spannende und sehr intensive Jahre als Fußballer. Er hat viel erlebt. "Es war eine aufregende, ein wirklich irre Zeit."

Mit 14 Jahren war der kleine Uwe vom FC Schmidgaden rüber zum 1. FC Amberg gewechselt. Mit Alexander Bugera, Timo Rost oder Sven Löhner mischte er in der B-Jugend bayernweit alles auf, auch die Bayern und Sechziger. Danach lockte ihn der Amberger Peter Gebele zum TSV 1860 München an die Grünwalder Straße. Mit 17 in die Weltstadt. "Die Mama hatte schon ein bisschen Angst", erzählt Uwe und ergänzt grinsend, "aber sie hatte ja noch drei zu Hause."

Bewunderung für älteren Bruder

Wolfgang, Armin und Uwes Zwillingsbruder Uli sind auch fußballbegeistert. "Aber Uwe war schon der Talentierteste von uns", sagte Wolfgang, der Älteste, einmal. Er selbst war auch höherklassig beim FC Schwandorf oder dem FC Schwarzenfeld aktiv, und bis zuletzt war er dort auch Trainer beim Bezirksligisten. "Wolfgang habe ich bewundert", sagt Uwe heute. "Wenn ich seinen Ehrgeiz gehabt hätte, dann ...", sinniert er. Aber Uwe hatte auch viel Verletzungspech. In seinem Jahr bei 1860, dort spielte er bei den A-Junioren, brach er sich das Schienbein. Es war ohnehin eine harte Zeit. "Ich spielte Fußball und beendete dort nebenbei meine Maurerlehre." Die Ausbildung hatte er bei der Baufirma Mickan in Amberg begonnen. Die schwere Verletzung kostete ihm auch einen Anschlussvertrag bei den Amateuren von 1860 München.

Schöne Zeit bei der SpVgg Weiden

Richthammer kehrte in die Oberpfälzer Heimat zurück und hatte bei der SpVgg Weiden eine schöne Zeit. "Aber ich musste mir die Anerkennung schon erarbeiten, das hat fast ein halbes Jahr gedauert, bis ich angenommen wurde." Und so, schmunzelt er, sei er die Aufgabe am Wasserwerk vielleicht ein bisschen forsch angegangen: "Ich dachte mir, ich komme doch von 1860." Aber da waren schon ein paar Platzhirsche bei der SpVgg, die ihr Revier verteidigten: Mario Schmalfuß, Georg Galbakiotis, Richard Zeiler, Bernd Häuber - große Namen im regionalen Amateurfußball. Die Etablierten und der Jungspund fanden zusammen. "Ich hatte in Weiden auch eine verletzungsfreie Zeit", erinnert sich Richthammer, der damals von Reinhold Schlecht trainiert wurde. Es machte richtig Spaß. Vom Wasserwerk aus nahm der harte Defensivspieler noch einmal einen Anlauf in Richtung Profibereich. "Die Bayern haben mich bei einem Spiel der Bayern-Auswahl beobachtet." Ex-KSC-Profi Rainer Ulrich, damals in Diensten des FCB, holte ihn 1998 wieder nach München - dieses Mal zu den "Roten". Aber Ulrich wechselte nur Wochen später als Cheftrainer zum Bundesligisten Karlsruher SC zurück.

"Sein Nachfolger bei Bayern II, Udo Bassemir, stand jetzt nicht so auf mich", erinnert sich Richthammer. "Er bevorzugte technisch bessere Spieler." Der Oberpfälzer blieb aber trotzdem dran, allerdings warfen ihn auch zwei Kreuzbandrisse zurück. Wenn Richthammer mal fit war, durfte er auch in die ganz große Fußballwelt reinschnuppern. "Vor allem, wenn die Nationalspieler nicht da waren, durften wir bei den Profis mittrainieren."

Bei Hitzfeld im Training

Dann gab Ottmar Hitzfeld die Kommandos. Der Erfolgstrainer wusste immer ganz genau, mit wem er es dann auf dem Trainingsplatz zu tun hatte. Einmal war Richthammer auch beim internationalen Opel-Cup in Spanien dabei. Die Vorgaben an die Spieler aus der "Zweiten" im Training waren auch klar: Bloß nicht die großen Stars verletzen! So richtig ins Gespräch mit Oliver Kahn, Stefan Effenberg, Mario Basler, Thorsten Fink oder Carsten Jancker kamen die sogenannten Amateurkicker, die auch nichts anderes taten, als Fußball zu spielen, nicht. "Die sind nach dem Training in ihren Kabinentrakt, wir in unseren."

Uwe Richthammer merkte allmählich, dass es bis ganz nach oben nicht reicht. Als der Körper bei Höchstleistungen nicht mehr mitmachen wollte und dann auch noch Philipp Lahm den Weg kreuzte, trauerte der Schmidgadener dem geplatzten Profitraum nicht lange nach, fokussierte sich auf eine neue berufliche Karriere. Die Bayern, bei denen mittlerweile Gerland die "Zweite" trainierte, "hätten mir noch einen Einjahresvertrag angeboten, um nochmal ranzukommen", sagt er. Doch Richthammer wollte nur noch nebenbei Fußball spielen und schulte um: Seit mehr als 20 Jahren ist er jetzt Physiotherapeut, arbeitet in einer Praxis bei München. "Es ist alles gut, so wie es gekommen ist", blickt er zurück.

Richthammer, der in Geretsried wohnt, spielte noch bei vielen Vereinen in und rund um München: TSV Ampfing, TSV Grünwald, TSV Großhadern oder FC Deisenhofen - von Bayern- bis Bezirksliga war alles dabei. Auch als Trainer waren seine Erfahrungen aus seinen Profijahren gefragt. "Seit zwei Jahren mache ich aber fußballerisch nichts mehr", sagt er. "Und eigentlich vermisse ich nichts." Er kümmert sich viel um seine beiden Mädels Elise (8) und Alena (12). Großer Bayern-Fan ist er weiterhin.

Heim nach Schmidgaden

Die Oberpfalz hat er auch noch im Blick. Wenn es möglich ist, fährt er mit seinen Mädels zu seinen Eltern nach Schmidgaden. "In Coronazeiten ist das natürlich sehr schwierig, aber sie wollen unbedingt zu Oma und Opa." Seinen Eltern ist Richthammer unendlich dankbar, dass sie all seine Pläne, im Fußball voranzukommen, so unterstützt haben. Auch wenn es zur großen Karriere nicht gereicht hat, die Erinnerungen bleiben. "Ich war trotz der Verletzungen auch oft zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort." Und wer kann schon von sich behaupten, dass ein Fußball-Weltmeister wie Philipp Lahm in seine Fußstapfen getreten ist.

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Amberg
Hintergrund:

Das ist Uwe Richthammer

■ Geboren am 5. Januar 1978 in Amberg; aufgewachsen in Schmidgaden; wohnt in Geretsried; verheiratet, zwei Kinder■ Maurerlehre, drei Jahre Fußballprofi; mit 22 Jahren Umschulung zum Physiotherapeuten■ Erste fußballerische Schritte beim FC Schmidgaden; mit 14 Wechsel zum 1. FC Amberg; mit 17 (1995) Wechsel in die A-Jugend des TSV 1860 München; 1996 bis 1998 bei der SpVgg Weiden (Bayernliga), von 1998 bis 2001 beim FC Bayern II; danach unter anderem beim TSV Ampfing, TSV Großhadern, FC Ismaning, TSV Grünwald, FC Deisenhofen; Trainerstationen u.a.: SF Egling und SC Gaißach■ 56 Regionalligaspiele (für FC Bayern II); 83 Bayernligaspiele (SpVgg Weiden, FC Ismaning)

  • Geboren am 5. Januar 1978 in Amberg; aufgewachsen in Schmidgaden; wohnt in Geretsried; verheiratet, zwei Kinder
  • Maurerlehre, mit 22 Jahren Umschulung zum Physiotherapeuten
  • Erste fußballerische Schritte beim FC Schmidgaden; mit 14 Jahren Wechsel zum 1. FC Amberg; mit 17 Jahren (1995) Wechsel in die A-Jugend des TSV 1860 München; 1996 bis 1998 bei der SpVgg Weiden (Bayernliga), von 1998 bis 2001 beim FC Bayern II; danach mehrere Stationen unter anderem beim TSV Ampfing, TSV Großhadern, FC Ismaning, TSV Grünwald, FC Deisenhofen; Trainerstationen unter anderem bei den Sportfreunden Egling oder dem SC Gaißach
  • Insgesamt 56 Regionalligaspiele (für den FC Bayern II) und 83 Bayernligaspiele (SpVgg Weiden, FC Ismaning)

 

 

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