08.04.2021 - 15:45 Uhr
SchnaittenbachSport

Dakar Classic: Ehepaar Ruppert nimmt ein Rallye-Abenteuer in Angriff

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Mystik, Freiheit, Abenteuer – Rallye Dakar. Der Name alleine schon löst Assoziationen aus. Es ist die ultimative Herausforderung im Motorsport. Ein Ehepaar aus der Oberpfalz will sich der Herausforderung in der arabischen Wüste stellen.

Ursula und Christian Ruppert sind stolz auf ihren Mitsubishi Pajero. Das Ehepaar aus Schnaittenbach will im Januar 2022 an der Dakar Classic teilnehmen.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Einmal bei der Rallye Dakar dabei sein – diesen Wunsch trägt Christian Ruppert seit mehr als 30 Jahren in sich. Früher, als er noch im Seitenwagen-Moto-Cross bei Rennen unterwegs war, traute er sich die Teilnahme nicht zu. "Mit dem Motorrad an den Start zu gehen, das war vom fahrerischen Können her eine Stufe zu hoch für mich", gibt der 58-Jährige zu. "Da war ich Realist genug." Und finanziell sei das Ganze für einen Normalsterblichen auch nicht zu stemmen. "Die Rallye Dakar ist ein hochprofessionelles Unternehmen. Heute noch mehr als früher. Unter 300 000 Euro brauchst du gar nicht anzufangen."

Ankommen im Vordergrund

Unverhofft kommt jedoch oft. An einem Abend im Januar 2021 lief der Fernseher im Hause Ruppert in Schnaittenbach just in dem Moment, als "Eurosport" einen Beitrag über die gerade laufende Rallye Dakar ausstrahlte. Darin eingebettet waren auch Szenen der Dakar Classic. Als Hommage an die Historie der Rallye Paris - Dakar, die 1978 bis 2007 zwischen der französischen und der senegalesischen Hauptstadt ausgetragen wurde, hatten die Veranstalter erstmals ein separates Rennen für Fahrzeuge aus den 1980er und 1990er Jahren ausgeschrieben. Nicht Schnelligkeit, sondern die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge, das Ankommen am Etappenziel steht dabei im Vordergrund.

"Die Idee, die Philosophie hinter der Dakar Classic hat mich sofort fasziniert", berichtet Ruppert. Noch während der Sendung bereitete er seine Frau auf das Wagnis vor. "Ich habe sie fast beiläufig gefragt: Das wär doch was für uns, oder?" Ursula Ruppert blieb eine Reaktion schuldig, was aber Antwort genug war: "Ich habe meine Frau vor 24 Jahren beim Motocross kennengelernt. Sie ist vom Virus Motorsport genauso infiziert wie ich. Dass sie auf meine Frage hin nichts gesagt hat, war kein schlechtes Zeichen."

Tipps aus Tschechien

In den nächsten Tagen verfolgte das Ehepaar Ruppert intensiv die Berichterstattung auf "Eurosport". Und mit dem Finaltag stand fest: Das Projekt Dakar Classic 2022 wird in Angriff genommen. Die Kontaktaufnahme zum Veranstalter gestaltete sich weniger schwierig als erwartet ebenso die Suche nach Fahrern, die bereits an der Rallye Dakar teilgenommen hatten. "Wir haben einen Motorsportler in Tschechien kennengelernt, der uns jede Menge Tipps gibt", sagt Christian Ruppert.

Auto aus den Niederlanden

Die wichtigste Frage aber war: Wo bekommt man einen geeigneten, mindestens 20 Jahre alten Wagen her? Fündig wurde das Ehepaar in den Niederlanden. Seit zwei Wochen steht das Monstrum zu Hause in Schnaittenbach, ein Mitsubishi Pajero, Baujahr 1997, 3,5 Liter Hubraum, 218 PS. Die Ausstattung ist für die angedachten Zwecke ideal: Überrollkäfig, Fahrwerkshöherlegung, Doppelstoßdämpfer, FT3-Sicherheitstank. "Das Auto hat richtig Feuer", erzählt Christian Ruppert. "Und das Schöne ist, dass er deutsche Papiere hat. Wir benötigen deshalb keine spezielle Abnahme beim TÜV."

Die Planungen für das Abenteuer in der saudi-arabischen Wüste sind bereits weit gediehen. Christian Ruppert wird das Auto fahren, auf Gattin Ursula kommt als Beifahrerin die wichtige Aufgabe der Navigation zu. "Meine Frau hat das drauf. Sie schaut drei Sekunden auf eine Karte, dann weiß sie auf Anhieb, wo wir sind." Die Etappen selbst sind zwischen 500 und 700 Kilometer lang, wobei der Schnaittenbacher weniger vor den Passagen durch Sand Respekt hat: "Am schlimmsten sind wohl die Wadis. Das sind ausgetrocknete Flussläufe mit viel Geröll und Stein. Da schüttelt es einen regelrecht durch." Am größten ist die Vorfreude auf die Atmosphäre, die das Motorsportspektakel bietet: "Wir sind ja Teil der Rallye Dakar, die zeitgleich läuft. Wir sind hautnah dabei und übernachten in den gleichen Biwaks wie die Profis."

Startschuss Anfang Januar 2022

Ganz alleine auf sich gestellt werden die Rupperts nicht sein, wenn Anfang Januar 2022 der Startschuss fällt. Mit im Team als Techniker sind Sohn Matias Ruppert (19), der Motocross betreibt und idealerweise eine Ausbildung als Zweiradmechatroniker absolviert, und Christian Reisch. "Das ist ein langjähriger Freund aus meinen Sidecar-Tagen. Er hat sofort zugesagt, als er von dem Vorhaben gehört hat." In den kommenden Wochen und Monaten wartet viel technische Vorarbeit. Der Pajero muss auseinandergebaut werden, um ihn auf Vordermann zu bringen. Kupplung, Antriebswellen, Bremsen, Reifen - alles wird erneuert, um den Anforderungen der Wüste gerecht zu werden. „Es ist hart, es ist schnell, es ist ein Rennen“, gibt Christian Ruppert ein Interview eines Teilnehmers 2021 wieder.

Finanzierung noch offen

Die einzige heikle Frage, die sich aktuell noch stellt, ist die der Finanzierung. Auch wenn die Kosten längst nicht die Dimensionen der Rallye Dakar erreichen, müssen die Rupperts eine fünfstellige Summe aufbringen. "Mit 70 000 Euro wären wir gut durchfinanziert", sagt Christian Ruppert. "Diese Summe ist aber alleine natürlich schwer zu stemmen." Einige motorsportbegeisterte Sponsoren haben bereits ihre Zusage gegeben, allerdings sind die Rupperts auf der Suche nach weiteren Partnern. Über Soziale

Kanäle wie Youtube oder Instagram wollen die Oberpfälzer ihr Vorhaben einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. "Ein Sponsor soll von uns auch einen Gegenwert bekommen", betont Christian Ruppert. "Wir können dazu vor Ort auf ein Media- und Presseteam zurückgreifen." Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass man in dem einen oder anderen "Eurosport"-Beitrag zu sehen sein werde. "Stand jetzt sind wir das einzige deutsche Team, das 2022 bei der Dakar Classic an den Start geht."

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Hintergrund:

Dakar Classic

  • Die Dakar Classic ist mit separater Wertung in die Rallye Dakar eingebettet und wurde 2021 erstmals durchgeführt. Es waren rund 30 Fahrzeuge am Start.
  • Teilnehmen dürfen historische Autos, die 20 Jahre und älter sind.
  • Anders als bei der Rallye Dakar geht es nicht um Schnelligkeit. In die Wertung gehen vor allem Gleichmäßigkeit und Zuverlässigkeit ein.
  • Die Rallye Dakar und Classic Dakar 2022 werden, wie bereits 2021, erneut in Saudi-Arabien stattfinden.
  • Wer Teil des Projekts des Ehepaar Rupperts werden und sich in irgendeiner Form einbringen will, kann über facebook (Team „fun42-racing“) Kontakt aufnehmen.
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