30.11.2020 - 18:53 Uhr
SchwandorfSport

Türkgücü-Torwart René Vollath übers Derby, die Euphorie und wann "a Sünd" erlaubt ist

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

1. FC Nürnberg, Hoffenheim, Karlsruher SC, Bayern Uerdingen und jetzt Türkgücü München: Der Oberpfälzer Torwart René Vollath ist herumgekommen in der Fußballwelt. In Bayern fühlt er sich pudelwohl und da ist auch schon mal "a Sünd" erlaubt.

René Vollath (rechts), wie man ihn kennt: immer antreibend, immer anfeuernd. Der Oberpfälzer im Tor von Türkgücü München war auch im Derby am Samstag ein starker Rückhalt des frechen Aufsteigers.
von Josef Maier Kontakt Profil

Es ist schon Jahre her, da gab der eine dem anderen Anweisungen auf den Plätzen in Schwarzenfeld, Weiden, Amberg oder anderswo. Michael Köllner aus Fuchsmühl (Kreis Tirschenreuth) war damals beim DFB zuständig für die Talenteausbildung in Niederbayern und der Oberpfalz. René Vollath, ein gebürtiger Amberger, der in Schwandorf aufwuchs, ein hochtalentierter Nachwuchstormann. "Michael war damals mein Trainer in der Ostbayernauswahl", erinnert sich Vollath. Am Samstag trafen sich beide wieder. Mitten in München, auf Giesings Höhen. Derbytime: 1860 gegen den aufstrebenden Neuling Türkgücü München. "Wir haben nach dem Spiel ganz kurz abgeklatscht und ein paar Worte gewechselt", erzählt Vollath von der Begegnung mit 1860-Coach Köllner. Zeit und Ruhe hätte es ohnehin nicht gegeben, nach dem rassigen 2:2 entspannt zu plaudern, bei allen Beteiligten war der Adrenalinspiegel noch ziemlich hoch. "Da muss man erst einmal runterkommen."

Somit gab es im "Oberpfalzderby" der 3. Liga zwischen Köllner (50) und Vollath (30) keinen Sieger. Das Team von Türkgücu durfte sich aber zumindest ein bisschen als solcher fühlen. "Wir waren spielbestimmend, denke ich", blickt Vollath auf die 90 Minuten im Grünwalder Stadion zurück. Der freche Aufsteiger Türkgücu bewies in diesem Spiel einmal mehr, dass der Abstieg kein Thema sein dürfte. Für Vollath hat zwar "die Tabelle in dieser engen Liga bis März, April keine Aussagekraft". Aber der türkische Klub hat so viel spielerische Klasse auf dem Platz, dass es eher nach oben denn nach unten geht. Schon am Mittwoch beim Nachholspiel bei Hansa Rostock will der Neuling im siebten Spiel in Folge ungeschlagen bleiben.

Dafür soll auch Vollath im Tor sorgen. Nach seinem Wechsel von Bayer Uerdingen hat sich der Oberpfälzer sofort auf der Torwartposition durchgesetzt. "Dafür wurde ich auch geholt, um Stabilität zu geben, Ruhe auszustrahlen." Ihm selbst hat der Wechsel in die bayerische Landeshauptstadt auch gut getan. "Das letzte Jahr in Uerdingen war doch recht kurios", formuliert der Sohn des einstigen FCN- und Weiden-Stürmers Richard Vollath noch vorsichtig das Auf und Ab. Lange war er außen vor, dann plötzlich wieder Stammtorwart, und dann der schnelle Wechsel nach München, wo er zunächst einen Einjahresvertrag unterschrieben hat. "Ich habe in Uerdingen auch noch mal die Brutalitäten des Fußballgeschäfts selbst erlebt. Solche Erfahrungen machen einen auch reifer."

René Vollath ist jetzt ein Münchener

Schwandorf

In München fühlt er sich mit seiner Frau Annkatrin total wohl. "Mit unserer Wohnung im Stadtteil Lehel haben wir Riesenglück", erzählt er. Schöne Lage, ruhige Lage, aber trotzdem mitten in der Stadt. Zum Trainingsgelände von Türkgücü am Ostpark fährt er eine Viertelstunde. Der Oberpfälzer genießt es wieder, in seiner Heimat Bayern zu sein. "Dieses bayerische Lebensgefühl ist schon wunderschön", schwärmt er. Vollath ist ja einer, der als Profisportler ganz genau auf seine Ernährung achtet. Da wird ganz genau geschaut, was auf den Teller kommt. Aber gerade in Bayern ist auch mal - wenn auch ganz selten, wie Vollath betont - "a Sünd" erlaubt: "Eine klassische Weißwurst geht schon mal, die gibts halt nur hier in München", sagt er lachend. Vielleicht kann er sich ja mit seinem ehemaligen Jugendtrainer Köllner nach der Coronazeit auf ein paar Weißwürste treffen? Vielleicht sogar mit einem Weißbier? Da bremst Vollath aber: "Das ginge auch mit Mineralwasser."

René Vollath im Jahr 2005 als Mitglied der Ostbayern-Auswahl. Diese wurde auch mal vom heutigen 1860-Trainer Michael Köllner betreut.
Info:

Das ist René Vollath

  • geboren am 20. März 1990 in Amberg, aufgewachsen in Schwandorf
  • erste Jugendvereine: FC Linde Schwandorf, 1. FC Schwarzenfeld
    2005 Wechsel an das Sportinternat des 1. FC Nürnberg. Schulische Ausbildung am Bertolt-Brecht-Gymnasium
  • 2008 Wechsel in den Juniorenbereich der TSG Hoffenheim
  • Profistationen: TSG Hoffenheim (2009 bis 2010), Wacker Burghausen (2010 bis 2013), Karlsruher SC (2013 bis 2017), Bayer Uerdingen (2017 bis 2020), ab August 2020 Türkgücü München
  • 2007 mit Deutschland Teilnehmer an der U17-Weltmeisterschaft in Südkorea; 3. Platz; unter anderem mit Toni Kroos im Team
    11 U17-Länderspiele für Deutschland; 1 U18, 1 U19 und 3 U20-Länderspiele
  • Zu seiner Zeit in Karlsruhe auch Schiedsrichter im Amateurbereich

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.