22.08.2019 - 16:29 Uhr
SchwarzhofenSport

Philipp Ziereis vom FC St. Pauli im Interview: Derby gegen den HSV kommt zu früh

"Schon wieder ich", dachte sich Philipp Ziereis wohl im Januar: Erneuter Kreuzbandriss, wieder monatelange Reha. Doch der Schwarzhofener vom FC St. Pauli hat das Comeback in Sichtweite. Und er hat auch einen Rat an seinen Heimatverein.

Philipp Ziereis (links) will sich für den FC St. Pauli bald wieder so reinhaun.
von Josef Maier Kontakt Profil

Er ist fast schon ein richtiger Hamburger "Jung". Doch für Philipp Ziereis wird die Oberpfalz immer seine Heimat bleiben. Das bekennt der 26-jährige Innenverteidiger des FC St. Pauli, der aus Schwarzhofen (Kreis Schwandorf) stammt, im Interview mit den Oberpfalz-Medien. Er spricht auch über den schlechten Saisonstart des Zweitligisten, über Motivationsprobleme und über seinen Heimatverein, den SV Schwarzhofen.

ONETZ: Hallo Philipp, wie ist denn der Stand der Dinge nach Ihrem Kreuzbandriss im Januar?

Philipp Ziereis: Ich mache bereits wieder Teile des Mannschaftstrainings mit, aber ohne Zweikämpfe. Das wird von Woche zu Woche gesteigert und ich kann hoffentlich bald komplett ins Mannschaftstraining einsteigen. Zusätzlich werde ich vielleicht auch für die Spielpraxis in der U23 spielen.

ONETZ: Haben Sie schon einen Comeback-Termin im Auge?

Philipp Ziereis: Nein, nein. Wir steigern jetzt von Woche zu Woche das Training. Man muss schauen, wie das Knie auf die Belastung reagiert. Bisher war alles top. Jede Belastungserhöhung hat mein Knie gut verkraftet. Ich bin sehr optimistisch, dass ich bald wieder Vollgas geben kann. Einen genauen Zeitpunkt für mein Comeback kann ich aber nicht nennen.

ONETZ: Mitte September steht das prestigeträchtige Derby gegen den HSV an. Könnte es da schon klappen?

Philipp Ziereis: Das wäre mein Wunsch, aber ich glaube, das Derby kommt ein bisschen zu früh. Da müsste alles perfekt laufen. Zu früh zurückzukehren, wäre nicht der Sinn der Sache. Wir müssen das alles mit Verstand machen. So gerne ich spielen würde, es ist nicht das oberste Ziel, zu diesem Spiel zurückzukehren.

ONETZ: Anfang Dezember geht es zu Ihrem Ex-Klub Jahn Regensburg. Dann sind Sie aber sicher auf dem Platz, oder?

Philipp Ziereis: Das hoffe ich doch, dass ich da dabei sind. Da bin ich guter Dinge.

ONETZ: Ihre Verletztenliste ist lang. Wie zermürbend sind all diese Reha-Einheiten? Wie schaffen Sie es, positiv zu bleiben?

Philipp Ziereis: Bei so einer Reha, die wie zuletzt, sechs Monate dauerte gibt es schon mal Durchhänger. Wenn man nach drei, vier Monaten jeden Tag nur den Kraftraum sieht, wenn man sieht, welch langen Weg man noch vor sich hat, ist das normal.

ONETZ: Innenverteidiger gesucht, heißt es am Kiez. Sie werden wohl auch vom Trainer sehnlichst zurückerwartet ...

Philipp Ziereis: Unser Trainer sieht das wie ich. Es bringt der Mannschaft und ihm nichts, wenn ich zu früh auf den Platz zurückkomme. Wenn man noch nicht richtig bereit ist, kann man auch seine Leistung nicht abrufen. Unser Trainer schätzt das alles richtig ein. Wir sind ja jetzt seit Vorbereitungsbeginn auch täglich wieder in Kontakt.

ONETZ: Nur ein Punkt aus den ersten drei Zweitligaspielen. Der Start des FC St. Pauli ist missglückt. Wie ist die Stimmung derzeit?

Philipp Ziereis: Die Jungs können das schon einordnen. In Stuttgart zuletzt haben wir gegen eine der besten Mannschaften der zweiten Liga ein gutes Spiel gemacht. Wenn wir das 2:0 machen, nehmen wir was mit. In Bielefeld kassieren wir in letzter Minute noch das Tor zum 1:1. Das sind alles so Dinge, die derzeit gegen uns laufen. Aber wir haben die letzten Jahre bewiesen, dass wir in solchen Situationen nicht hektisch werden und aus solchen Tiefs rauskommen. Es sind ja auch erst drei Spieltage vorbei. Die Punkteausbeute ist sicherlich nicht optimal, doch die Leistung hat gestimmt. Und im Pokal sind wir auch weiter.

ONETZ: Sie werden also nicht nervös?

Philipp Ziereis: Ich werde da nicht unruhig. Wir sind nach drei Spielen auch noch nicht im Abstiegskampf. Wir bewahren alle die Ruhe.

ONETZ: Von Vereinsseite gab es ein starkes Zeichen nach Ihrer schweren Verletzung. Vier Wochen später wurde Ihr Vertrag bis 2022 verlängert. Sie wären dann fast 10 Jahre in Hamburg. Was ist Ihnen denn geläufiger? "Das typische "Moin" oder doch noch das bayerische Servus?

Philipp Ziereis: Ein Servus ist immer noch drin. Ich fühle mich in Hamburg sehr wohl. Wenn man so lange da ist, wird es einem auch zur zweiten Heimat. Meine Heimat Schwarzhofen geht aber niemals weg und deshalb geht das Servus auch nicht weg. Ich habe weiterhin viel Kontakt in den Süden, auch wenn ich leider nicht mehr so oft da bin.

ONETZ: Gab's im Sommer wieder einen Abstecher nach Schwarzhofen?

Philipp Ziereis: In der Sommerpause war ich da. Ich war dann auch noch zwei Wochen in Regensburg auf Reha. Wenn man verletzt ist, hat man auch in der Sommerpause nicht so viel Zeit, man muss ein paar Zusatzeinheiten schieben.

Schwarzhofen

ONETZ: Bei Ihrem Jugendklub hat sich dieser Tage auch etwas getan: Trainer Georg Winkler wurde entlassen. Sprechen Sie mit Ihrem Bruder Julian darüber?

Philipp Ziereis: Natürlich, ich bin viel mit ihm in Kontakt, wir reden viel über Fußball. Julian ist sehr ehrgeizig. Schwarzhofen ist ja sein Verein, nein das ist unser Verein, ich bin da bestens informiert. Das ist keine einfache Situation, viele Leistungsträger sind gegangen. Aber sie sollten es machen, wie wir bei St. Pauli: Einfach Ruhe bewahren.

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