Update 10.09.2026 - 19:55 Uhr

„Eistonne und Döner“: Basketballerinnen im WM-Rausch

Deutschlands Basketballerinnen schreiben Geschichte. Bei der Heim-WM besiegen sie den Europameister deutlich. Zu einem möglichen Traumfinale gegen die USA fehlt nur noch ein Sieg.

Nyara Sabally reckte die Trophäe für die Spielerin des Spiels in die Höhe wie den WM-Pokal, in Reihe eins klatschte ein vollkommen begeisterter Dirk Nowitzki: Deutschlands Basketballerinnen haben den historischen ersten Einzug in ein WM-Halbfinale fast wie einen Titel gefeiert. Tatsächlich bescherte das famose 93:74 (42:35) gegen Europameister Belgien in Berlin Leonie Fiebich und Co. die Chance auf die erste Medaille überhaupt.

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An „Eistonne und Döner“ dachte die herausragende Sabally (16 Punkte, 12 Rebounds) spontan, als der fulminante Basketball-Coup vor 10.537 Zuschauern vollbracht war. Party-Klassiker wie „Tage wie diese“ oder „Perfekte Welle“ dröhnten angesichts der deutlichen deutschen Führung schon in voller Lautstärke durch die Arena, als die Partie noch nicht mal beendet war. 

Fiebich „stolz auf jede Spielerin“

„Das war ein unglaubliches Erlebnis. Wir sind froh, dass wir dieses Spiel hinter uns haben. Wir hören nicht auf“, sagte Bundestrainer Olaf Lange nach dem größten Sieg in der Historie des deutschen Frauen-Basketballs. Nur noch ein Sieg gegen Frankreich am Samstag (16.30 Uhr) trennt das Team von einem möglichen Traumfinale gegen die USA. 

„Das ist richtig surreal gerade. Schau dir unser Team an, ich bin so stolz auf jede einzelne Spielerin“, sagte Fiebich, die 17 Zähler und 10 Rebounds beisteuerte und im Anschluss mit den Tränen kämpfte. Ein Sieg aus zwei Spielen genügt, um eine Medaille sicher zu haben. „Es ist für unsere Basketballerinnen sporthistorisch. Jetzt ist Zeit für Tränen und Gänsehaut“, sagte Experte Per Günther. Das Bronze-Spiel (16.30 Uhr) und das Finale (20.00 Uhr) steigen am Sonntag.

Für die deutschen Basketballerinnen ist es schon jetzt der größte Erfolg überhaupt. Vor einigen Jahren war das Team international nach zweitklassig, nun ist es in der Weltspitze angekommen. Und das, obwohl in Satou Sabally die beste Spielerin fehlt und es nach einer holprigen Vorbereitung zum WM-Start eine Niederlage mit 30 Punkten Differenz gegen Spanien gegeben hatte. Doch danach folgten drei klare Siege gegen Japan, Mali und Südkorea - und nun der unerwartete Coup gegen Belgien.

Belgien startet stark

„Das ist ein anderes Kaliber als Japan, Mali oder Südkorea. Das wird ein Moment, wo wir sehen werden, wie weit wir schon gewachsen sind“, hatte Lange vor der Partie gewarnt. „Wenn wir einen guten Start haben und gut verteidigen, müssen wir uns nicht verstecken.“

Doch zunächst war der deutschen Mannschaft die Bedeutung dieses Spiels anzumerken. Belgien begann stark, vor allem weil Superstar Emma Meesseman von Beginn an hellwach war. Die 33-Jährige machte die ersten fünf Punkte, Deutschland lief zunächst einmal einem Rückstand hinterher.

Anders als in den bisherigen Partien des Turniers hatte Fiebich dieses Mal einen guten Start hingelegt. Die deutsche Anführerin traf ihre ersten beiden Würfe aus der Distanz und lenkte das Team der Gastgeberinnen auf beeindruckende Art und Weise. Auch Sabally und Spielmacherin Alexis Peterson trumpften groß auf.

Lange hatte Fiebichs Leistungsexplosion bereits vorhergesagt. „Sie weiß, was die Stunde geschlagen hat und wird gegen Belgien anziehen“, hatte der Bundestrainer über den WNBA-Champion von 2024 gesagt. Getragen von einer starken Fiebich steigerte sich auch der Rest des Teams und spielte ein starkes erstes Viertel. Nach zehn Minuten führte Deutschland gegen den Europameister mit 22:19.

Deutsches Team wie im Rausch

Zu Beginn des zweiten Abschnitts spielte sich die DBB-Auswahl kurze Zeit in einen kleinen Rausch und zog auf 13 Punkte davon (34:21). Die Zuschauer in der Uber Arena standen vor Begeisterung, auch Nowitzki jubelte in der ersten Reihe mit.

Bei der EM im vergangenen Jahr waren die Belgierinnen im Viertelfinale noch deutlich zu stark gewesen und hatten sich mit 24 Punkten Differenz durchgesetzt. Doch das aktuelle deutsche Team hat mit jener Mannschaft nicht mehr viel zu tun. Lange hat der DBB-Auswahl eine klare Handschrift verpasst, sie vor allem in der Defensive stabilisiert. Zur Pause lag Deutschland mit sieben Punkten vorne (42:35).

Belgien wirkte sichtlich überrascht vom starken deutschen Auftreten. Der Europameister fand kein Mittel gegen das furiose deutsche Team. Fiebich und Co. setzen sich zwischenzeitlich auf 18 Punkte ab und gingen mit einem 15-Punkte-Vorsprung ins Schlussviertel. Auch dort hielten die deutschen Frauen das Tempo hoch und ließen sich nach der Partie von den Fans feiern. „Jede kann liefern, das macht unser Team aus“, sagte Fiebich.

© dpa-infocom, dpa:260910-930-666769/2

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