Update 07.07.2026 - 19:15 Uhr

Spaniens Liga-Chef Tebas: FIFA zerstört Vertrauen

Der Fall Folarin Balogun sorgt auch nach dem Ausscheiden der USA bei der Fußball-WM für Wirbel. Spaniens Liga-Chef kritisiert die FIFA und rügt andere Verbände.

Kritisiert die FIFA: Spaniens Liga-Chef Javier Tebas. (Archivbild) Bild: Christian Charisius/dpa
Kritisiert die FIFA: Spaniens Liga-Chef Javier Tebas. (Archivbild)

Spaniens Liga-Chef Javier Tebas hat anlässlich des Falles Folarin Balogun bei der Fußball-WM sowohl den Weltverband FIFA als auch andere Nationalverbände für ihr Schweigen kritisiert. „Der Weltfußball verdient Institutionen, die rechenschaftspflichtig sind, die Regeln respektieren und transparent regieren - nicht durch einseitige, willkürliche Entscheidungen, die das Vertrauen von Fans, Vereinen, Ligen und Spielern zerstören“, schrieb der 63-Jährige auf der Plattform X.

Der US-Topstürmer Balogun war beim 2:0-Erfolg im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina mit Rot vom Platz geflogen und damit für die Achtelfinal-Partie gegen Belgien gesperrt worden. Die FIFA hob die Sperre aber noch auf. Trump hatte zuvor nach eigenen Angaben mit einem Anruf bei der FIFA um eine Überprüfung der Sperre gebeten, was für große Kritik gesorgt hatte. Balogun stand in der Startelf, die USA verlor gegen Belgien trotzdem mit 1:4 (1:2).

Vorwurf des Schweigens

Nach Meinung von Tebas ist der Fall Balogun nur die „Spitze des Eisbergs“ einer Reihe von Ereignissen, die „seit vielen Jahren die Glaubwürdigkeit der FIFA und des Fußballs im Allgemeinen untergraben“. Die FIFA sei ein geschlossener Zirkel, in dem Entscheidungen ohne Abstimmung und ohne Konsultation der nationalen Ligen getroffen würden. „Und das Schlimmste ist, dass ein Großteil der Fußballwelt das weiß, aber zu viele lieber schweigen“, befand Tebas und fügte an: „Denn Schweigen ist bequemer, als Unabhängigkeit, Transparenz und gute Regierungsführung zu verteidigen.“

UEFA-Vizepräsidentin moniert Infantino-Trump-Beziehung

Für UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister sind Trumps Einmischung und die Reaktion des Weltverbands darauf nur folgerichtig durch das vorangegangene Agieren von FIFA-Chef Gianni Infantino. Es sei verständlich, dass Infantino im Vorfeld der WM sicherstellen musste, dass Trump dieses riesige Turnier mittrage, das praktisch alles finanziere, was die FIFA tue. „Aber ich denke, es ging einfach zu weit, und er geriet in diesen Strudel der Beziehung zu Trump, was bedeutete, dass das, was am Wochenende geschah, fast unvermeidlich war“, befand die frühere walisische Nationalspielerin im BBC Radio Wales.

Und weiter sagte die 61-jährige Politikwissenschaftlerin: „Ich denke, Trump wurde ein Status zugeschrieben, der weit über den eines Staatsoberhaupts eines Gastgeberlandes hinausgeht - schließlich gab es noch zwei andere Gastgeberländer - und er war irgendwie in die gesamte Turnierorganisation verwickelt.“

Die Rede des US-Präsidenten im Weißen Haus habe deutlich gezeigt, dass er der Meinung sei, entscheiden zu können, ob es sich um ein Foul gehandelt habe und es fair gewesen sei, obwohl dies in der Verantwortung des Weltverbands liegen sollte.

Zugleich verband sie mit der Balogun-Entscheidung der FIFA die Sorge um die Folgen für den Fußball. „Sie schaffen damit ein wahres Sumpfgebiet für die Zukunft, denn jeder kann Berufung einlegen. Jeder Politiker könnte potenziell zum Telefon greifen und behaupten, es gäbe einen Präzedenzfall für die Änderung einer gegen einen Spieler verhängten Strafe, und ich halte das für extrem gefährlich“, erklärte McAllister.

© dpa-infocom, dpa:260707-930-348712/2

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.