23.08.2021 - 15:29 Uhr
StullnSport

Der Torwart-Wahnsinn des TSV Stulln

Ein Spiel, fünf verschiedene Torhüter, drei Verletzte und eine Rote Karte: Christian Zechmann, Trainer des Schwandorfer Kreisligisten TSV Stulln, erlebte ein Szenario, wie es ihm in seiner gesamten Karriere noch nicht widerfahren ist.

"Erst 45 Minuten gespielt und ich habe bereits alle meine fünf zur Verfügung stehenden Wechsel verbraucht?" Christian Zechmann, Trainer des TSV Stulln. erlebte im Spiel gegen den 1. FC Rötz ein nicht ganz alltägliches Kreisligaspiel.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Auch am Tag nach dem Torwart-Kuriosum des TSV Stulln schüttelt Trainer Christian Zechmann mit dem Kopf: "So etwas habe ich in 30 Jahren im Fußballgeschäft noch nicht erlebt", blickt er auf die Partie gegen den 1. FC Rötz am 6. Spieltag der Kreisliga West zurück. Was war passiert? Insgesamt fünf verschiedene Torhüter und drei verletzungsbedingte Wechsel bis zum Beginn der zweiten Halbzeit forderten das Improvisationstalent Zechmanns und des gesamten TSV. Am Ende stand trotz aller Widrigkeiten ein klarer 4:1-Erfolg der Stullner. Für den Trainer ein Indiz dafür, dass die Moral bei seiner Truppe passt. "Die ist der Wahnsinn. Dazu kommen ein großer Zusammenhalt und eine überragende Trainingsbeteiligung mit durchschnittlich 25 Spielern. Und das nach dieser langen, nervenzehrenden Pause." Ein Blick in die Chronologie des Stullner Wahnsinns in den ersten 45 Minuten:

  • Vor dem Spiel: Beim Aufwärmen verletzt sich die eigentliche Nummer eins, Matthias Störzer, an der Wade. Zechmann eilt zum Spiel der zweiten Mannschaft, wo mit Ivan Bakula der Torwart der Alten Herren den Kasten hütet. "Ich habe ihm gesagt, dass ich keinen Ersatztorwart habe, und ihn gefragt, ob er auch noch in der ‚Ersten‘ ins Tor gehen könnte." Allerdings hatte Bakula private Verpflichtungen, stellte sich aber zumindest zu Beginn des Spiels in den Dienst der Mannschaft.
  • 5. Minute: Alexander Schießl muss mit einem Nasenbeinbruch ausgewechselt und ins Krankenhaus gebracht werden.
  • 23. Minute: Ivan Bakula verlässt das Tor, für ihn wird Jonas Schmidl eingewechselt, den Zechmann kurzerhand reaktiviert hat. "Jonas hat vor der Saison seine Karriere eigentlich beendet. Hut ab, dass er dennoch kurzfristig zum Sportplatz geeilt ist, als er meinen Notruf erhalten hat", erläutert Zechmann.
  • 33. Minute: Tobias Lippert muss mit einer Sprunggelenksverletzung ausgewechselt werden. "Bei all dem Dilemma ist es positiv, dass bei Alex zumindest mit Blick auf die nächsten Spiele wohl keine schwerere Verletzung vorliegt", atmet Zechmann auf.
  • 40. Minute: Aushilfskeeper Jonas Schmidl sieht die Rote Karte wegen eines Handspiels außerhalb des Strafraums. "Da hat bei einem langen Ball etwas das Timing gefehlt, aber kein Vorwurf an Jonas." Für ihn geht Feldspieler Christian Prechtl ins Tor.
  • 44. Minute: Johannes Eules erleidet eine Platzwunde und muss wie sein Teamkollege Alexander Schießl ins Krankenhaus gebracht werden.
  • Halbzeit: Mit Christian Harrer springt der eigentlich an der Kapsel verletzte Torwart der zweiten Mannschaft in die Bresche und löst den Feldspieler Prechtl im Tor ab. "Er hat das Spiel dann glücklicherweise für uns zu Ende gebracht."

Zu diesem Zeitpunkt steht es 1:1, der TSV hat einen Mann weniger auf dem Feld, bleibt aber vor allem "bei schnellen Gegenstößen über Fabio Cordio" brandgefährlich. Von den zahlreichen Wechseln und Umstellungen lässt sich die Zechmann-Elf aber nicht aus der Bahn werfen und landet noch einen deutlichen 4:1-Sieg. Mit Blick auf die kommenden Spiele sieht der TSV-Coach noch nicht wesentlich klarer: "Jonas Schmidl ist gesperrt, Matthias Störzer dürfte auch noch ausfallen, so dass ich aktuell davon ausgehe, dass Christian Harrer im Tor stehen wird", mutmaßt Zechmann, der aber vor weiteren unliebsamen Überraschungen nicht gefeit ist. Doch wenn er am Sonntag eines gelernt hat: Auch mit Improvisation werden Spiele gewonnen.

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"So etwas habe ich in 30 Jahren im Fußballgeschäft noch nicht erlebt."

Christian Zechmann, Trainer des TSV Stulln

 

 

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