19.11.2019 - 16:17 Uhr
Sulzbach-RosenbergSport

Der Lohn des langen Lernens

Seine Inspiration hat er von zwei Filmhelden. „Ich bin mit Bruce Lee und Jackie Chan groß geworden“, erklärt Jörg Steindl. Das ist über 30 Jahre her – und jetzt ist er der erste Großmeister der Oberpfalz im Taekwondo.

Überflieger: Jörg Steindl, gelernter Bankkaufmann, besitzt den 6. Dan im Taekwondo.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

1986 hat Steindl in einer Zeitungsannonce gelesen, dass im Taekwondo ein neuer Kurs begonnen habe. Kampfsport habe ihn schon immer interessiert. "Judo war nicht mein Favorit, weil ich nicht so gern auf den Boden falle." Taekwondo, das probiere ich mal aus, dachte er sich. "Das hat mir viel Spaß gemacht, und seitdem bin ich ununterbrochen dabei geblieben."

Immer komplexere Übungen

Ab dem 6. Dan aufwärts darf man sich als Großmeister bezeichnen, 5. gebe es im Bezirk Niederbayern/Oberpfalz einige im Taekwondo, aber den 6. hat nur er. Beginnend mit dem 1. Schwarzgurt und dem 1. Dan kommen neue Formen bei den Prüfungen hinzu. Bestimmte Techniken wie Abwehr- oder Tritt-Techniken und Bewegungsabläufe sind das, die immer komplexer werden. Auch die Ausdrücke dieser koreanischen Sportart sind zu beherrschen: Wie aus der Pistole geschossen rattert Jörg Steindl die Zahlen von eins bis zehn auf koreanisch herunter. "Learning bei doing, man lernt das nicht auswendig. Man wird ständig damit konfrontiert, man hört die Begriffe immer wieder."

In Büchern könne man nachlesen und sich die Worte aneignen. "Als Tritt-Technik hätten wir den Abchagi, das ist ein gerader Fußstoß nach vorne. Jobchagi ist ein Seitwärtsfußtritt. Ein Beispiel von den Stellungen her ist die Schrittstellung, die heißt Absogi."

Taekwondo ist eine koreanische Kampfkunst. Die drei Silben des Namens stehen für Fußtechnik (tae), Handtechnik (kwon) und Weg (do). Schnelligkeit und Dynamik dominieren ebenso wie Fußtechniken.

Die Künste nie angewandt

Selbstverteidigung gehört ebenfalls dazu. "Ich war schon zweimal in einer Situation, wo ich - flapsig ausgedrückt - angemacht worden bin. Ich musste aber nie auf meine Künste zurückgreifen, weil es mir gelungen ist, die Lage anderweitig zu lösen. Das lernt man auch mit der Zeit. Man hat soviel Selbstvertrauen, dass man versucht, aus so einer Situation rauszukommen, ohne dass man handgreiflich werden muss. Gottlob musste ich meine Künste noch nie praktisch anwenden."

Fünf Jahre Vorbereitungszeit vergingen zwischen dem 5. und 6. Dan. In dieser Phase hat Steindl regelmäßig Lehrgänge besucht. Die eigentliche Vorbereitung begann Mitte August diesen Jahres, im Oktober war Prüfung. Intensiv zwei- bis dreimal pro Woche trainierte der 49-Jährige mit im Schnitt vier Stunden pro Einheit: "Die Techniken einzuschleifen, Partnerübungen und einiges mehr."

Das nächste Ziel, das er sich gesetzt hat, ist eher bescheiden: In den kommenden sechs Jahren sein erworbenes Können im Training anwenden und an seine Schüler weitergeben. Denn der gelernte Bankkaufmann hat im Laufe der Jahre die Trainerlizenz B erworben und ist Abteilungsleiter der Taekwondo-Sparte beim TuS Rosenberg. Rund 35 bis 40 Kinder kommen ins Training: In den ersten Stock oberhalb der Pizzeria im Stadion des TuS Rosenberg.

Ab sieben Jahren

Ab einem Alter von sieben Jahren können die Kleinen kommen. "Nach oben ist das Alter offen. Unser reifstes Mitglied ist der Gründer der Sparte, Hans Pirner, er ist jetzt 65 Jahre alt. Im Anfängerbereich habe wir auch Leute, die erst im Alter von 48 bis 49 Jahren eingestiegen sind." Man müsse nur seine eigenen Grenzen kennen - und diese können dann langsam erweitert werden.

Auch Gesundheitssport

Ein oft unbeachteter Aspekt dieser Kampfsportart ist, dass Taekwondo auch Gesundheitssport sein kann. "Dadurch, dass Taekwondo sehr vielseitig ist, schaffen wir es, dass Leute, die mit Rückenbeschwerden zu uns kommen, nach einem Jahr sagen: Ich habe fast keine Rückenschmerzen mehr."

Extreme Dehnungen sind nicht zwingend gefordert, ergeben sich aber im Laufe der Zeit.

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