Plötzlich stand er mitten in einer Weltmeister-Traube: „Das war schon richtig krass“, sagt David Sehnke heute noch beeindruckt. Simon Pytlik, Emil Jacobsen, Niclas Kirkelökke oder Kevin Möller klatschten mit ihm ab. Die Spieler aus Dänemark waren drei Tage vorher Handball-Weltmeister in Oslo geworden. Jetzt spielten sie Anfang Februar mit der SG Flensburg-Handewitt beim HC Erlangen. An diesem Abend hatte David Sehnke, gerade mal 19 Jahre alt, sein Debüt im Bundesliga-Kader der Mittelfranken gegeben. „Da denkst du , du bist in einem Traum“, blickt der junge Mann zurück.
Dabei ist der talentierte Handballer aus Sulzbach alles andere als ein Träumer. Beharrlich arbeitet er an seiner Karriere. „Das ist schon manchmal hart, da braucht es Disziplin“, sagt der Oberpfälzer zu seinem Pensum zwischen Sport und Studium. Seit knapp einem Jahr hat er den Status eines Profis beim einzigen bayerischen Handball-Bundesligisten. Er studiert daneben auch noch BWL an der Alexander-Friedrich-Universität in Nürnberg.
Mittlerweile hat Sehnke drei Spiele in der ersten Liga absolviert. In Magdeburg, beim Champions-League-Sieger, machte der Rückraum-Spieler am 10. April auch sein erstes Bundesligator. „Viel Zeit, so etwas zu realisieren, bleibt beim Tempo des Spiels nicht“, meint er lachend. Erst, als auf dem Heimweg aus Magdeburg bei ihm die Whats-App-Nachrichten und Glückwünsche von Familie und Freunden aufploppten, registrierte er, dass er trotz der 19:30-Niederlage einen weiteren Schritt in seiner noch blutjungen Karriere gemacht hat.
Als er vor einigen Monaten erstmals mit dem Erstliga-Team trainierte, „da war die Ehrfurcht schon groß“, sagt er. „Mittlerweile bin ich sehr gut integriert.“ Oft trainiert Sehnke mit den Profis in der Erlanger Hiersemann-Halle, aber auch immer wieder bei der zweiten Mannschaft. In diesem Team spielt er auch regelmäßig in der 3. Liga. „Das ist eine ganz junge Truppe“, erzählt der Sulzbacher. Die Jungs hatten auch schon mal nachgerechnet: „Einmal hatten wir einen Altersschnitt von 18,7 Jahren.“ Die jungen Talente versuchen sich über die Spiele, für oben zu empfehlen. Trainer Johannes Sellin hat Sehnke schon immer auf dem Zettel. „Für mich geht es darum, einfach etwas Spielzeit zu bekommen“, meint der Spieler. Papa Stefan Sehnke, der die Karriere seines Sohnes von Anfang an fördert, weiß auch: „David kennt seine Rolle ganz genau. Er spielt, wenn andere verletzt sind.“ Bei seinem Sohn gehe es jetzt einfach um die Entwicklung.
Gute Jugendarbeit in Sulzbach
Seit knapp drei Jahren spielt David Sehnke nun beim HC aus der Universitätsstadt. „Der HC wollte mich schon früher haben“, erzählt er. Zu C-Jugendzeiten waren die Mittelfranken schon auf das Talent des Oberpfälzers aufmerksam geworden. „Aber ich wollte nicht ständig pendeln.“ Der heute 1,90 Meter große Athlet hatte schon als junger Bub in der Bayern-Auswahl gespielt. Beim HC Sulzbach fühlte er sich gut aufgehoben. Die Jugendarbeit in Sulzbach sei sehr gut und ambitioniert, sagt er. Auch da habe er schon höherklassig spielen können. „Im letzten A-Jugendjahr wechselte er dann nach Erlangen. „Da bin ich ein Jahr gependelt, habe viel Zeit im Auto verbracht.“ Sein Abitur wollte er noch in Sulzbach machen. Mittlerweile wohnt er mit einem Mitspieler aus der zweiten Mannschaft in einer Wohnung in Erlangen.
Erst Pforzheim, dann Hannover
Wie stressig so ein Dasein als studierender Handball-Profi sein kann, zeigen die Tage um sein Bundesligaspiel beim TSV Hannover-Burgdorf. Samstagfrüh noch eine Mathe-Klausur an der Uni, am Nachmittag Fahrt nach Pforzheim und Spiel mit der zweiten Mannschaft. Nachts gings heim nach Erlangen. „Am Sonntag kam in der Früh der Anruf, dass ich in einer Stunde mit dem Zug nach Hannover fahren soll.“ Trainer Sellin hatte ihn angefordert. Nach dem Bundesligaspiel beim Spitzenteam ging es nachts mit dem Bus zurück. „Am Montag hatte ich dann die nächste Klausur.“
Sehnke nimmt’s gerne auf sich, saugt auch jeden Tipp von Mitspielern und Trainern auf. Oder auch vom Papa, der sagt: „David weiß, dass er körperlich noch zulegen muss.“ Im Rückraum geht es mitunter hart zu. „Da braucht man Masse“, erklärt David, der eigens Pläne fürs Fitnessstudio bekommt, um den Körper weiter zu stählen. Damit er in der nächsten Saison noch mehr Spielzeit oben bekommt. „Jedes Spiel derzeit ist jetzt noch Bonus“, sagt er. Es kann durchaus auch sein, dass ihn die Erlanger Verantwortlichen verleihen, um ihm mehr Spielpraxis zu ermöglichen. Einige Erlanger Talente gehen derzeit schon diesen Weg, meist über die zweite Liga.
Bruder spielt in Regensburg
Die Freizeit ist knapp bemessen. Aber trotzdem kommt David Sehnke regelmäßig heim nach Sulzbach. „Hier sind meine Freunde aus der Schule und vom HC.“ Auch seine Freundin lebt hier. Wenn es zeitlich möglich ist, besucht er auch die BOL-Spiele der Sulzbacher. Die meiste Zeit verbringt er bei der Familie. Auch sein älterer Bruder Simon (22) ist oft da. Er spielt bei der SG Regensburg in der Regionalliga und studiert ebenfalls Wirtschaft. „Wenn wir alle zu Hause sind, geht es natürlich viel um Handball“, sagt David. Die Sehnkes sind eine Handball-Familie. Opa Gerhard war 1958 mit dem damaligen TV Sulzbach Oberpfalzmeister im Feldhandball. Auch Papa Stefan spielte beim HC und trainierte Jugendteams.
David spielte früher auch Fußball. „Ich glaube, das war bis zur C-Jugend“, kramt er die Erinnerungen zusammen. Beim SV Kauerhof und dem SV Loderhof. „Eine Zeit lang wollte ich eher Fußball weiterspielen“, gibt er auch zu. Aber er hat dann wohl doch die richtige Entscheidung getroffen. Jetzt steht er auch schon mal mitten in einer Weltmeister-Traube.














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