14.09.2018 - 15:56 Uhr
Theuern bei KümmersbruckSport

"Es sind Geschichten, die mir keiner mehr nehmen kann"

Vereinswirt bei Inter Bergsteig Amberg, ein Tunnel gegen einen Weltmeister und eine Begegnung mit Rudi Völler in der Kabine – was sich anhört wie eine willkürliche Aufzählung, sind Erfahrungen eines Trainers der Kreisklasse Süd.

Der Chef beim TSV Theuern: Andreas Wächter (links).
von Autor MIRProfil

Der aktuelle Trainer des TSV Theuern hat ein aufregendes Fußballerleben hinter sich - nicht unbedingt mit großen Mannschaftserfolgen, aber "Erfahrungen, die mir keiner mehr nehmen kann", wie der 49-Jährige sagt.

"Herzi" - so sein Spitzname, den Andreas Wächter mit sich trägt, seit sein Bruder mit dem Reden begann und "Andreas" nur schwer über die Lippen brachte - war früher aktiv beim 1. FC Amberg, der SpVgg Weiden, Inter Bergsteig und dem TSV Theuern. Aber eben auch schon auf einem anderen Level. Ein halbes Jahr beim TSV 1860 München zum Beispiel, eingefädelt über den ehemaligen Amberger Trainer Lutz Ernemann ("Mein Förderer in frühen Jahren"), der Kontakte zu 1860 hatte. So ging es für Wächter nach München, wo er ziemlich genau vor 19 Jahren im September 1989 sieben Minuten DFB-Pokal-Luft schnuppern durfte - damals beim 2:0-Sieg der Löwen beim TuS Hoisdorf, Verbandsligist aus Schleswig-Holstein.

Aber nach nur einem halben Jahr ging es zurück in die Oberpfalz. "Ein Freund von mir hat damals gesagt, dass ich nicht glücklich bin, wenn ich meine Bergsteigkirche nicht sehe. Und so war's dann auch." Was aber nichts daran änderte, dass es noch Probetrainingseinheiten bei anderen Vereinen gab, zum Beispiel bei Fortuna Düsseldorf oder Werder Bremen. Eingefädelt hatte das der damalige Amberger Trainer Aki Schmidt.

"Wenn du da in der Kabine stehst und plötzlich kommt Rudi Völler rein, das ist schon Wahnsinn", so Wächter. Dass es für ganz oben nicht gereicht hat, mache ihm nichts aus. "Viele sagen immer, da hätte mehr gehen können, aber für mich war die 3. Liga das Limit - das ist ja immerhin auch was. Und es sind Geschichten, die mir keiner mehr nehmen kann", erklärt Wächter, der auch heute noch, Jahrzehnte später, von Duellen gegen sein Jugendidol Hansi Müller (damals beim FC Tirol) oder gegen den FC Bayern in seiner Zeit in Weiden schwärmt. "Da habe ich mal Hansi Pflügler getunnelt. Das war eigentlich gar keine Absicht." Der damalige Weltmeister revanchierte sich umgehend: "Ein paar Minuten später bin ich zwei Meter durch die Luft geflogen." In einem Freundschaftsspiel der SpVgg Weiden gegen den FC Bayern München Anfang der 90er Jahre, das die Bayern mit 4:3 gewannen. Stefan Effenberg und Bruno Labbadia spielten unter anderem bei den Bayern, Trainer war Jupp Heynckes.

Im Amberger Raum werden ihn viele vor allem mit seinem "Heimat- und Herzensverein", dem SV Inter Bergsteig, in Verbindung bringen können. "Da habe ich auch schon alle Funktionen durch: Trainer, Spieler, Vorstand, Vereinswirt." Die Zeit sei geprägt gewesen von einem sensationellen Zusammenhalt - so etwas gebe es heute gar nicht mehr.

Auch nicht bei seinem aktuellen Verein, dem TSV Theuern, den er seit 2017 trainiert. Dass es so weit kam, war irgendwie abzusehen. "Ich habe 2013 am Bergsteig aufgehört und eigentlich hat mich Fußball auch nicht mehr gejuckt. Aber ich wohne seit 20 Jahren in Theuern, habe bis vor drei Jahren auch noch mitgespielt - für den Vorstand war das natürlich der einfachste Weg."

Wirklich rund läuft es derzeit aber noch nicht für Wächter und seinen TSV. Nach acht Spielen stehen erst drei Punkte auf dem Konto, am Samstag erwartet man den Tabellensechsten aus Hohenburg. "Es wird für uns heuer ganz schwierig, wir werden wohl bis zum Ende um den Klassenerhalt spielen müssen."

Dann ist es aber sicher kein Nachteil, einen Trainer zu haben, der in der weiten Fußballwelt schon viel erlebt hat.

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