05.11.2020 - 16:56 Uhr
TirschenreuthSport

Schwimmern fehlt wegen Corona in vier bis fünf Jahren der Nachwuchs

Nachwuchsprobleme? Ein Fremdwort für den Trainer der Wettkampfgruppe des Tirschenreuther Schwimm-Clubs - bisher. Aber Corona könnte dafür sorgen, dass es ein Problem wird. Allerdings erst in vier bis fünf Jahren.

Schwimm-Trainer German Helgert, der sich hier mit seinem Wettkampfteam bespricht, macht sich Sorgen um den Nachwuchs. Durch die aktuelle Corona-Situation macht sich das allerdings erst in vier bis fünf Jahren bemerkbar.
von Armin Eger Kontakt Profil

Die vergangenen Jahre liefen für den Tirschenreuther Schwimmclub mehr als ideal. "Die Anfängerschwimmkurse waren beliebt und zum Teil sogar überbucht. Nicht nur aus der Stadt, sondern aus dem gesamten Landkreis kamen die Kinder", sagt der Tirschenreuther Schwimmtrainer German Helgert. Etwa 100 Jungen und Mädchen wollten in der Kreisstadt jährlich das Schwimmen lernen. Etwa 20 sind jedes Mal "im Verein hängengeblieben", so der 59-Jährige.

Viele Erfolge der Schwimmer

Darauf konnte in den nachfolgenden Jahren aufgebaut werden, und die Kinder wurden an den Leistungssport herangeführt. Damit war Helgert sehr zufrieden. Denn seine Wettkampfgruppe ließ immer wieder aufhorchen, brachte erstaunliche Leistungen und feierte viele Siege. Unter anderem bei Oberpfalz- und bayerischen Meisterschaften und auch bei den deutschen Meisterschaften waren Athleten aus der Kreisstadt dabei.

"Unser Konzept ging auf", freut sich Helgert. Neben den Anfängerkursen waren auch das Babyschwimmen und das Mutter- und Kindschwimmen immer sehr beliebt. Nebenbei rührte Helgert, der Schulleiter an der Realschule in Kemnath ist, auch an seinem Arbeitsplatz die Werbetrommel für den Schwimm-Sport. Alles lief optimal, bis zum Februar.

Laufen statt schwimmen

"Wir konnten dann wegen Corona monatelang nicht mehr im Bad trainieren", blickt der Tirschenreuther Coach zurück. Mit Läufen und individuellen Trainingsplänen hielt sich die Wettkampfgruppe fit. Ab Juni war das Training im Freibad Tirschenreuth wieder für einige Monate möglich, bis zum jetzigen Teil-Lockdown.

Es herrscht also wieder Stillstand, da alle Hallenbäder vorerst den ganzen November über geschlossen bleiben müssen. "Wir hatten nur wenig Zeit, im Wasser zu trainieren. Meine Leistungssportler versuchen, sich jetzt anders fitzuhalten", sagt Helgert.

Aber vor allem die psychischen Auswirkungen seien ein Problem. "Fünf bis sechs Mal pro Woche zu trainieren und nicht zu wissen, ob demnächst überhaupt ein Wettkampf ansteht. Das muss erst mal in die Köpfe rein. Und das werden wir im Frühjahr, sollte es dann wieder richtig losgehen, nicht leicht kompensieren können."

Fünf bis sechs Mal pro Woche zu trainieren und nicht zu wissen, ob demnächst überhaupt ein Wettkampf ansteht. Das muss erst mal in die Köpfe rein.

German Helgert,  Trainer Schwimmclub Tirschenreuth

German Helgert,
Trainer Schwimmclub Tirschenreuth

Noch schlimmer sei es für den Nachwuchs, für die Einsteiger in den Sport, für die Sechs- bis Siebenjährigen. "Die können nichts machen. Viele sind schon in den vergangenen Monaten nicht mehr beim Training gewesen", erzählt Helgert.

Da meist ein Elternteil in dem Alter dabei ist, sei das wegen der Hygienekonzepte schwer umsetzbar gewesen. Auch hätten manche Eltern einfach Angst, ihre Kinder zum Training zuschicken. "Ich verstehe das", sagt der Trainer. "Aber wir haben die Hygienevorschriften perfekt umgesetzt und hatten keinen einzigen Coronafall im Verein."

Aber Helgert ist ein Individualist und gibt nicht so leicht auf. "In der Ferienwoche wollten wir eigentlich jeden Tag zweimal trainieren", sagt der 59-Jährige. Da das nicht geht, bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit seinen Athleten über Telefon und die Sozialen Medien Kontakt zu halten.

Für den Schwimm-Trainer ist eines aber besonders schlimm: "Die Corona-Auswirkungen im Nachwuchsbereich werden erst in fünf bis sechs Jahren bei uns bemerkbar sein."

Schwimmer im Wechselbad der Gefühle

Tirschenreuth
Hintergrund:

BLSV: Deutlicher Rückgang der Mitgliederzahl im Kinder- und Jugendbereich

Der Bayerische Landes-Sportverband (BLSV) stellt sich aufgrund der Coronakrise auf einen erheblichen Mitgliederschwund ein. „Insgesamt steht den im BLSV organisierten Sportvereinen ein schwieriges Jahr 2021 bevor. Dort werden die Mitgliederzahlen nach ersten Erkenntnissen deutlich rückläufig sein“, erklärte BLSV-Präsident Jörg Ammon in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

„Das genaue Ausmaß des Mitgliederrückgangs werden wir zu Beginn des neuen Jahres erkennen, wenn die jährliche Bestandserhebung der Mitgliederzahlen abgeschlossen ist. Was sich bereits jetzt schon abzeichnet, ist ein deutlicher Rückgang der Mitgliederzahl im Kinder- und Jugendbereich.“

Angesichts des Teil-Lockdowns im November mit den für den Amateur- und Breitensport teils unterschiedlichen Vorgaben befand Ammon: „Bundeseinheitliche Regelungen, die für alle Sportvereine gelten und an denen sich alle orientieren können, wären sehr wünschenswert. Aufgrund der unterschiedlichen Corona-Infektionslage in den einzelnen Bundesländern ist dies allerdings schwer umsetzbar.“ Für den Verband „wäre wichtig, dass es vor allem leicht verständliche Regeln sind.“ (dpa)

Info:

Serie: Probleme in der Nachwuchsarbeit

Der Artikel zur Situation bei den Schwimmern bildet den Auftakt zu einer kleinen Serie. Dabei sollen die durch die derzeitige Pandemie verursachten Probleme in der Nachwuchsarbeit quer durch sämtliche Sportarten beleuchtet werden.

 

 

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