22.11.2018 - 19:17 Uhr
VilseckSport

Patenonkel Olli bei den Bayern

Er ist nach Bambi-Preisträger und Dauer-Torjäger Claudio Pizarro (40) der zweitälteste Bundesligaprofi. Der Oberpfälzer Oliver Fink genießt aber auch noch mit 36 Jahren absolute Highlights.

Wieder topfit: Nach langer Verletzungspause will der Düsseldorfer Kapitän Oliver Fink (weißes Trikot) am Samstag im Spiel beim FC Bayern München seine ganze Dynamik zeigen.
von Josef Maier Kontakt Profil

Der kleine Paul stand unter besonderer Beobachtung. Nicht nur bei seinen Trainern und den Eltern. Auch sein Patenonkel war da. Und der war danach mit den Leistungen des Mini-Kickers sehr zufrieden. "Es war doch klar, dass ich bei seinem Turnier vorbei komme", erzählt Oliver Fink. Der Kapitän von Fortuna Düsseldorf ist der Taufpate des kleinen Fußballers, der bei den Bambini des FC Schlicht kickt und am Wochenende in Vilseck bei einem Hallenturnier dabei war.

Solche Sachen sind dem 36-jährigen Musterprofi sehr wichtig. Oliver Fink lebt nicht in einer Scheinwelt, wie so viele seiner Profikollegen. Das Wort "bodenständig" fällt immer wieder, wenn andere über ihn reden. "In der Länderspielpause hatten wir ein paar Tage frei, da bin ich heimgefahren." Heim nach Reisach, dem kleinen Örtchen, das zu Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) gehört. Heim zu seiner Familie, zu den Freunden aus alten Tagen. Vom Fußball will er aber auch da nicht lassen, "Ich habe mir Vilseck gegen Auerbach angeschaut. Da spielte Tobi mit." Sein jüngerer Bruder Tobias hat mittlerweile seine Profikarriere (unter anderem FC Ingolstadt und Fortuna Köln) beendet und spielt noch ab und an für den Kreisligisten Vilseck. Auch die Partie seines FC Schlicht gegen Königstein stand auf dem Programm. Fink kriegt schon genau mit, was sich in der regionalen Fußballszene tut: "Ich hab' mir überlegt, das Derby Gebenbach gegen Ammerthal anzuschauen. Das hätte mich gereizt."

Der Fortuna-Profi genoss die Tage daheim. An diesem Wochenende kommt der Mittelfeldspieler schon wieder nach Bayern - beruflich bedingt. "Ein Spiel gegen den FC Bayern ist für jeden Profi immer ein absoluter Höhepunkt", sagt er vor der Bundesligapartie am Samstag (15.30 Uhr) in der Allianz-Arena. "Gegen die Bayern habe ich auch noch nicht so oft gespielt." Zuletzt war die Fortuna wieder in der zweiten Liga verschwunden. Nach dem Aufstieg sind die Düsseldorfer zwar gut gestartet, hatten dann aber eine Niederlagenserie zu verkraften, ehe sie vor zwei Wochen Hertha BSC abfertigten. "Hertha ist ja nun nicht irgendwer", weiß Fink um die Wichtigkeit des Sieges. Gegen die Berliner feierte er sein Comeback - nach langer Leidenszeit. "Es war super, da noch eingewechselt zu werden."

Ende April hatte Fink sein letztes Pflichtspiel für die Fortuna absolviert. Mit Adduktorenproblemen ging's los, im Sommertrainingslager zog er sich einen Muskelfaserriss zu, danach kamen Achillessehnenprobleme. "Irgendwie hat das eine das andere bedingt", blickt er auf die nervige Zeit zurück. Natürlich sei er auch ein bisschen deprimiert gewesen: "Es stagnierte ja alles lange Zeit auf einem niedrigen Niveau." Doch der Oberpfälzer ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, absolvierte eisern sein Aufbauprogramm. Da merkte er auch, dass es öfter mal zwickt. "Das Alter merkt man schon", sagt der 36-Jährige lächelnd. Die Regeneration dauere etwas länger. Aber während der Reha wurde ihm auch klar, dass der Profifußball noch immer das ist, was er machen wolle. "Ich weiß, was es für ein Privileg ist, Profifußballer zu sein." Deswegen pflegt und schützt er seinen Körper, lebt absolut professionell. "Er ist im Training immer vorne", lobt Trainer Friedhelm Funkel seinen Kapitän. "Dass Olli so lange nicht dabei war, hat uns hart getroffen." Fink sei sein wichtigster Ansprechpartner, "auf und neben dem Platz".

Die Komplimente des Trainer nimmt der Gelobte unaufgeregt hin, wenngleich sie ihn natürlich schon freuen: "Ich weiß, dass ich einen hohen Stellenwert bei ihm habe. Aber ich hechle jetzt auch nicht nach Komplimenten." Das Leistungsprinzip gilt bei der Fortuna auch für ihn. "Ich weiß noch nicht, ob ich in München in der Start-Elf stehe", sagt er. Oliver Fink wird aber auf jeden Fall unter besonderer Beobachtung stehen. Paul schaut ganz genau hin ...

Schlicht, Schwandorf, Regensburg, Düsseldorf:

Oliver Fink wurde am 6. Juni 1982 in Hirschau geboren. Seine Familie lebt in Reisach bei Vilseck. Das Fußballspielen lernte er beim FC Schlicht, schon in der Jugend wechselten sein jüngerer Bruder Tobias und er zum FC Schwandorf und später zur SG Post/Süd Regensburg. Die SG fusionierte 2002 mit dem SSV Jahn. Ein Jahr später spielten die Regensburger in der zweiten Liga und der Mittelfeldspieler schaffte überraschend den Sprung in die Profimannschaft. Später ging Fink zu Wacker Burghausen und dann zur SpVgg Unterhaching. Seit 2009 steht er bei Fortuna Düsseldorf unter Vertrag. Der Kontrakt läuft Ende des Jahres aus. Seinen Traum, in Amerika Fußball zu spielen, hegt er weiterhin. Aber er kann sich auch vorstellen, noch ein Jährchen bei der Fortuna dranzuhängen. „Ich bin gut in Schuss.“

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.