12.06.2020 - 14:19 Uhr
WaldershofSport

Cube wieder bei der Tour de France dabei

Eines ist klar: Waldershof wird mit dem Ausgang der am Samstag, 7. Juli, beginnenden Tour de France nichts zu tun haben. Aber mit den Rädern des Fahrradherstellers Cube ist das Fichtelgebirge prominent vertreten.

Cube-Entwicklungsleiter Bernd Schenkl präsentiert in Waldershof die derzeit modernste Zeitfahrmaschine der Tour de France, auf der Team Wanty aus Belgien startet.
von Externer BeitragProfil

Erneut rüstet Cube das belgische Profi-Radteam Wanty-Groupe Gobert aus. Die Belgier werden vermutlich keinen Etappensieg einheimsen können, sie sind aber für ihre draufgängerischen Ausreißversuche berüchtigt.

Für den Entwicklungsleiter für Fahrräder, Bernd Schenkl, ist die Tour weit mehr als ein sportliches Ereignis. Er ist der Konstrukteur der neuen Zeitfahrmaschine, die bei dem Einzel- und Mannschaftszeitfahren die Blicke der Experten auf sich ziehen wird. „Wir haben das im Fuhrpark der Tour de France modernste Rad“, sagt Schenkl. Das ist nicht übertrieben, ist doch die futuristisch anmutende Maschine erst vor wenigen Wochen fertig geworden.

Für das Tour-Zeitfahrrad hat sich der Entwicklungsleiter an die strengen Richtlinien des Welt-Radsportverbandes UCI halten müssen. Diese füllen einen dicken Katalog und geben unter anderem genau vor, wie hoch das Unterrohr maximal sein darf (acht Zentimeter). Etliche Werte für die Radgeometrie oder die Stärke von Streben sind in dem Reglement aufgelistet, damit die Teams möglichst chancengleich starten. Genau dies ist für Schenkl eine reizvolle Herausforderung gewesen. „Es ist ein Spielfeld, in dem ich vieles machen konnte, was im alltäglichen Geschäft nicht möglich ist.“ Für Cube sei das Engagement im Profisport zum einen ein hervorragendes Marketing, zum anderen erhalte das Unternehmen Rückmeldungen von den Fahrern, die für später in die Entwicklung der „normalen“ Räder flössen. „Es ist sozusagen ein Test on top“.

Schon im vergangenen Jahr hat Cube dem Team Wanty außer Highend-Straßenrädern eine Zeitfahrmaschine zur Verfügung gestellt. Dabei habe es sich allerdings um ein baulich modifizierte Triathlon-Rad gehandelt. Im Triathlon hat Cube viele Jahre Erfahrung mit Topathleten gesammelt. Derzeit rüsten die Waldershofer unter anderem Andi Böcherer aus, der vor zwei Jahren beim Ironman auf Hawaii den fünften Rang belegte und auch dieses Jahr zu den Topfavoriten zählt.

„Im Triathlon gibt es keine baulichen Beschränkungen“, sagt Konstrukteur Schenkl. Daher hatte Cube den Anspruch, das derzeit windschnittigste Zeitfahrrad zu entwickelt. Im Tour-Zirkus hingegen gelten die „Gesetze“ der UCI. Und wie streng die sind, haben die Waldershofer vergangenes Jahr erlebt. Bevor ein Rad zur Tour zugelassen wird, müssen die Ausrüster es von den UCI-Ingenieuren unter die Lupe nehmen und zertifizieren lassen. „Erst wenn der Weltradsportverband grünes Licht gibt, erhält das Rad die UCI-Plakette, die am Rahmen und an der Gabel angebracht werden muss“, sagt Schenkl. Das allein ist noch immer kein Freifahrtschein für die Tour, wie Cube Product-Manager Harald Lucas vergangenes Jahr erlebt hat. „Vor jedem Start ist eine Kommission der UCI vor Ort und testet mit einem 3-D-Scanner noch einmal, ob das Rad tatsächlich den strengen Richtlinien entspricht. „Mittlerweile setzt die UCI sogar Thermografie-Kameras ein. Damit wollen die Ingenieure eventuell versteckt eingebauten Elektromotoren auf die Spur kommen. Klingt absurd, doch „E-Doping“ ist ein Thema, seit eine belgische Cyclocross-Profifahrerin mit einem Hilfsmotor erwischt worden ist.

Bernd Schenkl betritt mit der Tour-de-France-Zeitfahrmaschine völlig neues Terrain. Erstmals verbauen die Waldershofer eine Scheibenbremse. „Wir haben uns dazu entschieden, da der notwendige Bauraum, der für eine perfekt funktionierende Felgenbremse benötigt wir, innerhalb der UCI-Regularien nicht gegeben ist. Um einen maximale Bremsleistung samt geringstmöglichen Windwiderstand sichergestellt ist, haben wir den Steuerrohr- und Gabelbereich extrem verschlankt“, erklärt Schenkl. Die Aerodynamik ist bei einem Zeitfahrrad, mit dem Durchschnittsgeschwindigkeiten von mehr als 50 Stundenkilometern gefahren werden, das A und O. Das Rad hat ein Gewicht von rund neun Kilogramm. Ab einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 Stundenkilometern sei das Gewicht zweitrangig. Daher kommen immer mehr Ausrüster davon ab, die Räder immer noch einige Gramm leichter zu bauen.

Zurück zur Scheibenbremse. Diese ist jetzt auch im Profi-Radzirkus erlaubt und wird nach Ansicht der Cube-Experten mittelfristig Standard. Vor allem an Laufrädern aus Carbon sei sie von Vorteil, weil hier die Felgenbremsen weniger gut greifen.

Etwa ein halbes Jahr hat die Konstruktion des Rades für Team Wanty in Anspruch genommen. „Das ist relativ kurz, liegt aber daran, dass unsere Erfahrungen aus dem Triathlon-Sport mit eingeflossen sind.“ Dass enorm viel reine Physik in dem Rad stecken, sieht der Laie nicht. Wie Schenkl sagt, sind alle Krümmungen, jeder Scheitelpunkt und jede Strebe berechnet worden. Immer wieder seien am Computer die verschiedensten Windströme, die auf das Rad und den Athleten wirken simuliert worden. Letztlich ging es darum die Windschnittigkeit auszureizen und auch die Steifigkeit zu berücksichtigen, die von den Wanty-Athleten gefordert wurde. Zum Schluss hat Cube die Prototypen in einer Windkanalanlage am Bodensee getestet. Schenkl ist von dem Rad überzeugt. „Ich glaube, wir geben Team Wanty das derzeit bestmögliche Rad an die Hand.“

Ironman Frankfurt:

Andi Böcherer unter den Favoriten

Ab dem heutigen Samstag ist für die Cube-Mitarbeiter Fernsehen Pflicht. Dabei geht es ihnen nicht um die Fußball-Weltmeisterschaft, sondern die heute beginnende Tour de France und das von dem Waldershofer Unternehmen ausgestattete Team Wanty. Dieses nutzt noch einmal die Rennräder der Vorsaison, setzt aber in den Zeitfahrern auf die neue Cube-Zeitfahrmaschine Aerium TT C:68. Ebenso spannend wie die Tour wird der Ironman in Frankfurt am Sonntag. Hier startet Andi Böcherer mit der aktuellen Version der Cube-Triathlon-Zeitfahrmaschine. Dessen Konstruktion war im Gegensatz zum Tour-Rad völlig frei. Für Laien sehen das Tour- und das Triathlonrad zwar ähnlich aus, wer genau hinsieht, sieht jedoch, dass die letzteres weitaus flächiger gebaut ist. So ist das Dreieck oberhalb des Unterrohrs komplett mit Carbon gefüllt. Wie Produkt-Manager Harald Lucas sagt, begünstigt das den sogenannten Segeleffekt, wenn der Wind von schräg-hinten kommt. Der Abstand der Streben des Triathlonlenkers ist so eng, dass das Lenken einiges Geschick erfordert. „Ich habe es bei uns am Hof ausprobiert und bin ganz schön ins Schlingern gekommen.“ Andi Böcherer wird am Sonntag den Rundkurs in Frankfurt hingegen wie am Schnürchen absolvieren. Wie wichtig im Triathlon die Technik ist, hat Cube selbst getestet. Sie haben das Triathlonrad des Jahres 2014 und das aktuelle getestet. „Bei gleicher Strecke und den gleichen Leistungsdaten, die wir über einen Kraftmesser aufgezeichnet haben, konnten wir auf 180 Kilometer 18 Minuten herausholen.“

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