30.10.2020 - 21:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

50 Jahre Frauenfußball in Deutschland: Von Gleichstellung noch weit entfernt

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Erst seit 1970 ist Frauenfußball in Deutschland erlaubt. Anfangs wurden Pionierinnen belächelt und nicht ernst genommen. Das hat sich längst geändert. Spielerinnen aus der Region erzählen von ihren Erfahrungen und Eindrücken.

Der TSV Theuern (blaue Trikots) tritt aktuell in der Landesliga Süd an.

Von Josef Maier und Fabian Leeb

ZDF-Moderator Wim Thoelke kommentierte ein Frauenfußballspiel in den 70er Jahren noch wie folgt: "Decken! Decken! Decken! Nicht die Tischdecken! Manndecken – frei von allen kleinlichen Sorgen von Haushalt, Mann und Kinder." Derartiger Chauvinismus gehört längst der Vergangenheit an, und doch ist es noch ein weiter Weg bis zu annähernd gleicher Akzeptanz von Frauen- und Männerfußball. Drei Spielerinnen aus der Region berichten zum "50. Geburtstag" des Frauenfußballs in Deutschland von ihrem Dasein im Jahr 2020.

Kristina Bauer (TV Nabburg)

Kristina Bauer (TV Nabburg).

Kristina Bauer weiß, wovon sie spricht. Die Nabburgerin ist 31 Jahre alt und spielt schon seit 28 Jahren Fußball, derzeit läuft sie immer noch für den TV in der Bezirksliga auf. "Meine Eltern haben mich immer dabei unterstützt", sagt sie. Exotisch war das für keinen in der Familie, dass die kleine Kristina dem Ball hinterherjagte. Andere schauten aber schon komisch: "Man wird schon als Frau manchmal belächelt, wenn man Fußball spielt. Aber heute ist das anders als noch vor etwa 15 Jahren." Sie hat beobachtet, dass sich der Frauenfußball enorm verändert hat: "Er hat sich positiv entwickelt. Er ist moderner und schneller geworden." Sorgen macht sie sich etwas um den Nachwuchs. "Da merkt man schon, dass die Tendenz rückläufig ist." Die jungen Mädels hätten auch viele alternative Sportmöglichkeiten. Für sie gab es überhaupt keine Debatte, zu welcher Sportart sie tendiert: Fußball ist einfach mein Ein und Alles."

Marie Karpf (TSV Theuern)

Marie Karpf (TSV Theuern).

Die Verteidigerin des Süd-Landesligisten TSV Theuern ist zwar erst 20 Jahre alt, hat aber schon 14 Jahre als aktive Fußballerin auf dem Buckel. Am Karrierestart in der F-Jugend beim TSV Kümmersbruck war Karpf das einzige Mädchen unter lauter Jungs. "Das war schon komisch, aber für die Jungs auch irgendwie ganz normal", sagt die Auszubildende zur Ergotherapeutin. Heutzutage bei den Theuerner Frauen bekäme sie zwar immer noch Sprüche zu hören, doch das sei mit der Situation vor einigen Jahren nicht mehr vergleichbar. "Wir wurden zum Teil gar nicht ernst genommen. Vor allem Männer tönten, der Frauenfußball ‚ist nichts gescheites‘. Wer aber mal bei uns zuschaut, ist danach meist positiv überrascht", berichtet Karpf von Erfahrungen in ihrem Freundeskreis. Die antiquierte Vorstellung, Frauenfußball sei "langweilig, langsam und ein bloßes Gebolze", gehört für die Abwehrspielerin ins Museum. Karpf findet es zwar schade, dass die Männer noch immer einen anderen Stellenwert genießen, "doch der Frauenfußball entwickelt sich in die richtige Richtung". Die erhöhte TV-Präsenz der Bundesliga oder der Champions-League führt sie nur als ein Beispiel an, weshalb sich das negativ behaftete Image der Fußballfrauen allmählich wandelt. "Immer mehr Freunde und Verwandte erzählen mir, dass sie sich ein Spiel angeschaut haben. Wir sind auf dem richtigen Weg."

Stephanie Schneck (SV Neusorg)

Stephanie Schneck (SV Neusorg)

Auch Stephanie Schneck vom Nord-Landesligisten SV Neusorg wurde im Bekanntenkreis oftmals aufgrund ihres Hobbys belächelt. "Doch jetzt erfahren wir mehr Anerkennung, die allgemeine Akzeptanz ist gestiegen. Am Beispiel meines aktuellen Vereins sieht man auch, dass der Frauenfußball angenommen wird und sich positiv entwickelt hat", sagt die 28-Jährige, die bereits für die SpVgg Bayreuth, den TSV Fichtelberg, den FC Pegnitz und den ASV Oberpreuschwitz aktiv war. Der Vergleich mit den Männern hinkt für Schneck, so dass eine Gleichstellung noch in weiter Ferne ist und "wohl auch kaum realisierbar" erscheint. "Deren Fußball ist anders. Sowohl im spielerischen Bereich und vor allem in finanzieller Hinsicht. Transfers und Gehälter in Millionenhöhe wird es bei den Frauen nie geben." Um da auch nur den Ansatz einer Gleichbehandlung zu erreichen, müssten die Männer gehörige Abstriche machen und die Frauen "gehörig hochgestuft" werden. Ungeachtet dessen wagt Schneck die Prognose, dass sich die positive Entwicklung des Frauenfußballs in den nächsten Jahren fortsetzen wird. "Unsere Spiele werden noch attraktiver werden und mehr Zuschauer anlocken. Das ist meine Hoffnung, auch wenn ich das – zumindest als aktive Spielerin – nicht mehr mitbekommen werde."

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