12.11.2021 - 14:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Nicht amtsmüde: BFV-Präsident Rainer Koch hat noch einiges zu erledigen

Noch eine Amtsperiode, dann ist Schluss: Im Gespräch mit Oberpfalzmedien bekräftigt Rainer Koch, dass er bis 2026 Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes bleiben will. Für das höchste DFB-Amt wünscht er sich einen "Versteher".

Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Beim Redaktionsbesuch von Rainer Koch spannte sich der Bogen über etliche Themenfelder. Hier die wichtigsten Aussagen des 62-jährigen Fußball-Funktionärs, der als 1. Vizepräsident Amateure zusammen mit Peter Peters derzeit kommissarisch auch dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) vorsteht.

  • Über Corona und die laufende Saison:

Ich denke, dass wir in den vergangenen Monaten der Pandemie, was die Organisation des Spielbetriebs angeht, sehr vieles richtig gemacht haben. Es stellt sich jetzt heraus, dass es gut war, die Saison 2019/20 zunächst fortzusetzen. Es gab Auf- und Absteiger, wir haben dadurch jetzt keine überfüllten Ligen und müssen uns keine Gedanken machen über verstärkten Abstieg. Selbst wenn der allerschlimmste Fall eintreten würde und es müsste die Saison abgebrochen werden, sind wir aktuell in der Lage zu sagen, dass es auf jeden Fall eine Saisonwertung geben wird. Die Statuten dazu sind klar. Auch wenn ich keine Standleitung zum Virus habe: Ich bin sehr optimistisch, dass wir ab März wieder problemfrei weiterspielen können.

  • Über Futsal in der aktuellen Pandemie-Lage:

Wir sind ein Fußball-Verband, nicht die Staatsregierung oder das Gesundheitsministerium. Solange es staatlicherseits nicht verboten ist, Hallensport zu betreiben, ist es auch nicht Aufgabe des BFV aktiv Dinge zu verbieten. Es wird im Übrigen niemand gezwungen mitzuspielen, wir organisieren nur Wettbewerbsangebote für diejenigen, die unter den schwierigen gesetzlichen Rahmenbedingungen Sport treiben wollen. Natürlich ist ein Tagesturnier mit 16 Mannschaften in der Pandemie nicht die sinnvollste Veranstaltungsform. Da sind wir gefordert, kreativ zu sein und andere Spielformen anzubieten.

  • Über die Zukunft des Amateurfußballs:

Der Amateurfußball hat große Chancen, wenn er sie nutzt. Die Vereine müssen die Veränderungen in der Gesellschaft annehmen und die Schlussfolgerungen daraus ziehen. Dass sich das Freizeitverhalten verändert, hat Auswirkungen auf das Vereinsleben – nicht nur im Fußball. Wir müssen uns ganzheitlicher aufstellen und da ist es auch wichtig, den Frauen- und Mädchenfußball ernst zu nehmen, um die Struktur der Vereine in die Moderne mitzuführen und alle mitzunehmen.

  • Über die demografische Entwicklung und Nachwuchssorgen:

Demografische Veränderungen werden gerne mantraartig angeführt, wenn man feststellt, einiges läuft schlecht. Ich muss aber klar sagen, dass es auf den Nachwuchsbereich nicht zutrifft. In den nächsten vier, fünf Jahren haben wir in Bayern relativ geburtenstarke Jahrgänge vor uns, so dass das potenzielle Angebot an Mädchen und Jungen definitiv da ist

  • Über die Herausforderung Ganztagsschulen

Wir müssen uns schon jetzt Gedanken machen, was wir tun können mit Blick auf die in zwei, drei Jahren überall auf uns zukommenden Ganztagsschulen. Das hat eine riesengroße Auswirkung auf die Arbeit mit jungen Kindern im Verein. Der Nachmittag scheidet dann weitgehend aus, um Training anzubieten. Wie früher die Kabine aufzusperren und zu warten, bis die Kinder kommen, wird so nicht mehr reichen. Wir müssen aktiv auf die Schulen zugehen und uns um den Nachwuchs bemühen. Unser größtes Plus dabei: Wir haben die coolste Sportart.

  • Über wieder steigende Zuschauerzahlen:

Die Menschen haben in den vergangenen ein, zwei Jahren keinerlei speziellen Ereignisse bei sich am Ort gehabt, das, was man neudeutsch Events nennt. Sie sind, und das zeigt sich jetzt, nach wie vor bereit zum Amateurfußball zu kommen. Vielleicht nicht mehr jedes Wochenende, aber drei- viermal im Jahr, wenn ein Spiel in irgendeiner Form einen besonderen Reiz hat, wie ihn zum Beispiel ein Kreisliga-Derby bietet.

  • Über Amtsmüdigkeit nach 17 Jahren als BFV-Präsident:

Nein, amtsmüde bin ich nicht. Es gibt da einige Projekte, die ich mir vorgenommen habe und jetzt noch nicht beendet sind. Wie zum Beispiel unser mit 40 Millionen Euro veranschlagtes Neubauprojekt, das der außerordentliche Verbandstag abgesegnet hat. Die Position des BFV-Präsidenten ist aber ehrlich gesagt schon eine anstrengende und kraftraubende Funktion. Mit 70 Jahren möchte ich dieses Amt, auch wenn es viel Freude macht, nicht mehr ausüben. Ja, ich bin bereit beim Verbandstag 2022 noch einmal zu kandidieren, aber in 2026 werde ich mich nicht mehr für diese Funktion zur Verfügung stellen.

  • Über einen Nachfolger aus der Oberpfalz:

Natürlich kann ich mir jemanden aus der Oberpfalz als BFV-Präsidenten vorstellen. Aber das kann ich auch bei jemandem aus beispielsweise Niederbayern, Oberfranken oder jedem anderen Fußballbezirk. Es wäre ein großer Fehler, wenn ich auf die Idee kommen würde, dass ich den Nachfolger bestimmen muss. Das mache ich nicht.

  • Über die Vorwürfe des Ex-DFB-Präsidenten Fritz Keller (Koch schmiede Intrigen, ihm gehe der moralische Kompass ab, er setze mit seinen Seilschaften Menschen unter Druck):

Ich sage darauf, lasst uns faktenorientiert diskutieren. Ich bin bereit, mich mit jedem Faktum auseinanderzusetzen. Das sind aber alles faktenlose Aussagen, die lediglich das Ziel haben, zu diskreditieren, ja zu schwächen. Tatsächlich ist Fritz Keller im Mai 2021 zurückgetreten und seither, glaube ich, verlaufen die Dinge beim DFB sehr gut. Wir haben mit Hansi Flick in kurzer Zeit einen hoch anerkannten Bundestrainer installiert. Wir hatten eine schwierige Situation bei der U21 zu lösen, als Stefan Kuntz um Freigabe für einen Wechsel in die Türkei bat. Wir haben das 150-Millionen-Euro-Projekt DFB-Campus in Frankfurt geräuschlos am Laufen und schwierigste Neuordnungen bei der Talentförderung zu machen. Ich bin gut beraten, weiter ruhig die Arbeit zu tun, und nicht auf faktenlose Aussagen zu reagieren. Genau das soll ja provoziert werden.

  • Über seine Rolle beim DFB nach dem Bundestag 2022:

Ich bin ja auch Präsident beim süddeutschen Fußballverband, der im DFB-Präsidium zwei Vizepräsidenten stellt. Von daher denke ich, dass ich da wieder nominiert werden könnte. Da ich bekanntlich auch einen Sitz im Uefa-Exekutivkomitee habe, würde ich mich dann wohl um Außenthemen kümmern wollen und die Interessen des Amateurfußballs, vor allem des Südens, einbringen.

  • Über das Anforderungsprofil des künftigen DFB-Präsidenten:

Er oder sie, es kann ja auch durchaus eine Frau künftig das Amt ausüben, muss die Strukturen des Fußballs nicht nur kennen, sondern auch verstehen. Sonst wird der oder die Betreffende nicht in der Lage sein, ein so vielköpfiges Präsidium und einen so inhomogenen Verband zusammenzuhalten.

  • Darüber, dass kein einziger Oberpfälzer Verein in der Regionalliga vertreten ist:

Nürnberg, Fürth oder Regensburg. Die nördliche Oberpfalz ist ja nicht so weit entfernt von Bundesliga-Akademien, die in erreichbarer Nähe liegen. Da müsste man überlegen, ob man nicht das eine oder andere intensivieren kann, um dann auch an Talente zu kommen, die für den Amateur-Spitzenbereich geeignet sind. Mir fallen problemlos Standorte ein, wo Amateur-Spitzenfußball stattfinden kann. Ich bin ja nun schon einige Zeit Präsident und kann mich an große Spiele in Weiden oder Amberg erinnern.

Hintergrund:

Zur Person Rainer Koch

  • Seit 2004 Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), seit 2011 Präsident des Süddeutschen Fußball-Verbandes (SFV)
  • 1. Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für Amateure/Regional- und Landesverbände
  • Seit Mai 2021 zusammen mit Peter Peters Interimspräsident beim DFB
  • Sitz im Uefa-Exekutivkomitee (seit 2020)
  • Koch wird im Dezember 63 Jahre alt und lebt seit 1964 im oberbayerischen Poing

 

 

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