26.02.2020 - 13:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Andreas Stolorz hat richtig Lust auf die Pfeife

Bundesweit ist die Zahl von Fußball-Schiedsrichtern im Sinkflug. Ein Trend, von dem auch die Schiedsrichtergruppe Weiden betroffen ist. Einer, der um die Tücken, aber auch Vorzüge seines Hobbys weiß, ist Andreas Stolorz.

So sehen ihn Fußballer selten: Schiedsrichter Andreas Stolorz mit Krawatte. Der 27-Jährige engagiert sich bei der Schiedsrichtergruppe Weiden auch als Einteiler und Kassier. Er hat es bislang nie bereut, in die Schiedsrichterei eingestiegen zu sein.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Demografischer Wandel, geändertes Freizeitverhalten und vor allem Schlagzeilen über verbale und körperliche Angriffe – die Gründe sind vielfältig, wieso immer weniger junge Leute Fußballspiele leiten wollen. Zum Neulingslehrgang der Schiedsrichtergruppe Weiden am Wochenende 13. bis 15 März haben sich bislang gerade mal drei Personen angemeldet. Viel zu wenig, um auf Dauer Punkte- und Freundschaftsspiele in allen Altersklassen wie gewohnt besetzen zu können.

Einer, der schon lange als Unparteiischer fungiert, ist Andreas Stolorz (DJK Irchenrieth). Der 27-Jährige pfeift seit zehn Jahren und hat sich bis in die Landesliga hochgearbeitet. Im Interview bricht er eine Lanze für sein Hobby.

ONETZ: Herr Stolorz, im Herbst 2019 hat es mehrere Schlagzeilen über körperliche Angriffe auf Schiedsrichter in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Berlin gegeben. Haben Sie diesbezügliche auch schon negative Erfahrungen gemacht?

Andreas Stolorz: Ich persönlich so drastisch noch nicht. Aber man merkt insgesamt schon, dass der Respekt vor dem Job Schiedsrichter geringer, der Ton auf dem Platz rauer geworden ist. Das betrifft nicht nur die Spieler, sondern auch Funktionäre und Zuschauer. Der DFB versucht jetzt gegenzusteuern und bestraft Unsportlichkeiten grundsätzlich härter. Das ist der richtige Weg, um dazwischen zu gehen und die Sache runter zu holen.

ONETZ: Wie sehen Sie die Situation bei uns in der Region? Nimmt auch hier die Aggressivität gegenüber Unparteiischen zu?

Andreas Stolorz: Ich habe schon das Gefühl, dass auch hier die Hemmschwelle gesunken ist, auch wenn es bislang noch nicht die Übergriffe wie anderswo gegeben hat. Ich denke, dass wir im Fußballkreis Amberg/Weiden aber auf einem guten Weg sind, das Problem zu entschärfen. Es geht einfach darum, die Vereine ins Boot zu holen, das Miteinander zu betonen und Hand in Hand zu gehen. Und was mögliche Unsportlichkeiten betrifft: Man muss sich als Schiedsrichter immer bewusst sein, dass sich verbale Angriffe nicht direkt auf die eigene Person beziehen, sondern auf die Funktion als solche. Wenn man das nicht schafft, geht es ans Gemüt.

ONETZ: Sie sind seit zehn Jahren Schiedsrichter. Was war damals ihr Antrieb, sich für einen Neulingskurs anzumelden?

Andreas Stolorz : Ich war selber Spieler und habe manche Schiedsrichterentscheidung nicht nachvollziehen können. Das hat mich auf die Idee gebracht, mir mal so einen Neulingskurs anzusehen. Es hat mir auf Anhieb so viel Spaß gemacht, dass ich als Fußballer aufgehört habe und bei der Schiedsrichterei geblieben bin.

ONETZ: Ein Schiedsrichter muss Entscheidungen treffen, kommunizieren, Fingerspitzengefühl zeigen. Formt das Hobby die eigene Persönlichkeit?

Andreas Stolorz: Definitiv. Schiedsrichter zu sein wirkt sich vor allem im jungen Alter positiv auf die Persönlichkeit aus. Man wird in Alltagssituationen souveräner, kommt mit Stresssituationen viel besser zurecht. Es kann durchaus sein, dass sich junge Schiris am Anfang etwas überfordert fühlen. Aber das legt sich. Ich habe aus meiner Nebentätigkeit als Schiedsrichter viel mitgenommen für meine berufliche Arbeit.

ONETZ: Was war ihr bislang schönstes Erlebnis?

Andreas Stolorz: Vor zwei Jahren hat Jonas Schieder sein letztes Regionalligaspiel gepfiffen. Es war die Partie zwischen dem TSV 1860 München und FC Augsburg II im ausverkauften Grünwalder Stadion. Da war ich Linienrichter. Ein tolles Erlebnis und ein absolutes Highlight für mich.

ONETZ: Spieler, Funktionäre, Zuschauer, Schiedsrichterkollegen. Sie lernen viele Leute kennen. Entstehen dabei auch Freundschaften?

Andreas Stolorz: Ja, auf jeden Fall. Viele Schiedsrichter sind nicht nur Kollegen, sondern mittlerweile auch sehr gute Freunde. Und man freut sich auch, wenn man den ein oder anderen Spieler mal wieder trifft – manchmal hat er dann auch ein anderes Trikot als eine Saison vorher an.

ONETZ: Wie ausgeprägt muss denn die Liebe zum Fußball sein, um am Wochenende als 23. Mann auf dem Platz zu stehen?

Andreas Stolorz: Die Begeisterung für den Fußballsport ist natürlich ein Muss. Mittlerweile hat auch im Verband ein Umdenken stattgefunden. Es wird akzeptiert, dass jemand nicht nur Schiedsrichter ist, sondern in der Freizeit auch noch etwas anderes machen will.

ONETZ: Spielen Sie doch mal den Motivator. Was würden Sie jemandem sagen, der noch zögert, sich für einen Neulingskurs anzumelden?

Andreas Stolorz: Es lohnt sich definitiv. Du bist bei der Schiedsrichtergruppe Weiden in einem richtigen Team, es entstehen Bekanntschaften und Freundschaften und kannst kostenlos Bundesligaspiele besuchen. Und vielleicht ist es für Dich super, ein klein bisschen hinzuverdienen zu können.

Fußball:

Je mehr Schiedsrichter-Nachwuchs, desto besser

Die Schiedsrichtergruppe Weiden hat aktuell 193 Mitglieder. Aber nur 126 von ihnen erfüllen das Soll, pro Jahr mindestens fünf Versammlungen zu besuchen und 15 Spiele zu leiten. Ein Ärgernis, das auch Obmann Willi Hirsch umtreibt. Er sieht die Vereine in der Pflicht: „Die könnten sich Verbandsstrafen sparen, wenn sie ausreichend Schiedsrichter melden würden.“ Auf ungefähr 10 bis 15 neue Schiris im Jahr veranschlagt Hirsch den Bedarf für die Gruppe Weiden. Gerade mal 3 Anmeldungen wie aktuell für den vom 13. bis 15. März stattfindenden Neulingskurs seien viel zu wenig. „Manche hören ja nach zwei, drei Spielen schon wieder auf“, berichtet der Obmann. „Wir brauchen dringend Nachwuchs. Je mehr, desto besser.“

Wer sich für den Neulingskurs noch anmelden will, kann sich bei Willi Hirsch (Telefon 09603/1827) melden.

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