17.04.2020 - 23:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Bayerischer Amateurfußball soll bis 31. August weiter aussetzen

Der BFV empfiehlt seinen Vereinen, in einer dreitägigen Abstimmung bis zum Sonntag für eine Saison-Fortführung ab dem 1. September zu votieren. Ein Abbruch oder eine Annullierung der Spielzeit sind keine Option.

Dürfen die Spieler der SpVgg SV Weiden weiter vom Aufstieg in die Bayernliga träumen? Nach der BFV-Videopressegespräch lichtet sich langsam der Nebel um die Zukunft des Amateurfußballs im Freistaat.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Geht es nach dem Vorschlag des Bayerischen Fußballverbands (BFV), rollt ab dem 1. September in den Amateurklassen der Ball wieder. Darüber informiert der BFV-Vorstand um Präsident Rainer Koch und Geschäftsführer Jürgen Igelspacher in sieben sogenannten Webinaren die über 4500 Vereine im Freistaat von Freitag bis Sonntag. Dazu sollen die Vereine ebenfalls bis Sonntag abstimmen, ob sie den Vorschlag des Verbands unterstützen. Ein Ergebnis wird für 18 Uhr erwartet. Ein Ergebnis wird für 18 Uhr erwartet. Auf der Basis dieses Meinungsbildes wird der Vorstand in einer Sitzung, vermutlich am Mittwoch, 22. April, dann eine Entscheidung fällen. "Aus über 5100 Gesprächen mit Vereinsvertretern haben wir ein umfassendes Stimmungsbild eingeholt. Daraus haben sich zwei Szenarien ergeben: Saisonabbruch oder Fortführung ab 1. September", sagte Igelspacher in einem Video-Pressegespräch am Freitagmittag.

Ein Kommentar zu den BFV-Plänen

Weiden in der Oberpfalz

Präsident Koch verdeutlichte, dass ein Abbruch der Spielzeit aufgrund der Corona-Pandemie keine Option war. "Es gibt keine Alternative zu unserem Vorschlag. Niemand im Vorstand ist bereit, die Haftung für einen Abbruch zu übernehmen." Dabei dienten die Vorgehen in Österreich oder Großbritannien als abschreckende Beispiele: Beide Verbände sehen sich nach dem Saisonabbruch im Amateurfußball mit "Klagen in dreistelliger Anzahl" konfrontiert. Sollte sich wider Erwarten keine Mehrheit für den Vorschlag auf Saison-Fortführung finden, müsste ein außerordentlicher (digitaler) Verbandstag das weitere Vorgehen beschließen. "Es gibt in dieser Ausnahmesituation keine optimale Lösung, aber unser Vorschlag ist die beste aller denkbaren. Wir wollen eine Entscheidung auf dem Sportplatz und nicht am Grünen Tisch", machte Koch deutlich.

Vom Wiederbeginn im September versprechen sich Koch und Co. größtmögliche Flexibilität in der weiterhin völlig ungewissen Nach-Corona-Zeit. "Niemand kann heute gesichert sagen, dass ab 1. September wieder gespielt werden kann. Wir haben jedoch mit dieser Planung eine noch längere Pause oder eine erneute Corona-Unterbrechung im Auge", sagte Koch. Priorität habe daher eine Beendigung der aktuellen Spielzeit 2019/20 – wann auch immer das sein mag. Erst danach werde sich der Verband mit Modellen zur Durchführung der Spielzeit 2020/21 beschäftigen. "Theoretisch ist es mit einem Wiederbeginn bis – grob gesagt – 1. April 2021 möglich, die Saison 19/20 zu retten. Ab 1. Juli 2021 soll wieder normaler Betrieb herrschen, die Saison 20/21 würde so ausfallen", verdeutlichte Koch, dem eine "sportlich beendete Saison" lieber ist, als gleich "zwei zerschossene" – was bei einem Abbruch der aktuellen Saison der Fall gewesen wäre. "Dann wäre – Stand jetzt – 19/20 zerschossen und 20/21 völlig ungewiss."

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Mitterteich

Je weiter hinten der Wiederbeginn der Spielzeit 2019/20 liegt, desto unterschiedlicher müssten die Lösungen für die Folgesaison 20/21 ausfallen. "Das können wir jetzt nicht entscheiden. Da müsste für jede Liga je nach Zeitpunkt und Mannschaftszahl eine separate Lösung gefunden werden. Modelle einer eventuell verkürzten Saison müssten aber wieder mit den Vereinen diskutiert werden, das ist zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation." In jedem Fall werde die Zeit zwischen dem Saisonende 19/20 und dem Neustart der Spielzeit 20/21 "sehr kurz, ohne weitere Vorbereitung oder Testspiele" gehalten – außer die Winterpause liegt dafür ideal. Sofern Politiker und Mediziner grünes Licht für den Wiederbeginn am 1. September geben, sollen die Vereine mit einer vierwöchigen Vorlaufzeit wieder mit dem Training beginnen dürfen. Diese Regelung gelte zunächst für alle Seniorenmannschaften von der Bayernliga abwärts, die Regionalliga sei abhängig von den Entscheidungen des DFB, und für die Jugend werde die weitere Vorgehensweise demnächst vorgestellt. Nur eines ist sicher: "Nirgends wird vor dem 1. September Fußball gespielt", stellte Präsident Koch klar. Jetzt müssen nur noch die Vereine diesem Vorhaben zustimmen.

Hintergrund:

Keine Spielerwechsel zum 1. Juli

Ein rechtlicher Knackpunkt droht beim vom Bayerischen Fußball-Verband präferierten Modell der Saison-Fortsetzung zum 1. September die Vertragssituation von Trainern und Spielern zu werden. Was passiert mit zum 30. Juni auslaufenden und ab dem 1. Juli bei neuen Vereinen gültigen Arbeitspapieren von Trainern wie Spielern?

Klar ist, sollte ein Trainer oder Spieler auf seinem neuen Vertrag bei einem anderen Verein bestehen und diesen rechtlich einklagen, wird er vermutlich Recht bekommen. „Wir empfehlen die Verträge ruhigzustellen und eine arbeitsrechtliche Einigung zwischen Verein und Spielern oder Trainern“, fügte BFV-Präsident Rainer Koch am Freitag an. Vor Wochenfrist hatte bereits der Fußball-Weltverband Fifa die Empfehlung ausgesprochen, auslaufende Verträge bis zum tatsächlichen Ende der Saison zu verlängern. Immerhin gibt es laut BFV-Geschäftsführer Jürgen Igelspacher in dieser Thematik eine „Einigungsbereitschaft bei bayerischen Vereinen und Spielern“.

Fix ist nur: Spielerwechsel zum ansonsten üblichen Stichtag 1. Juli wird es 2020 nicht geben, „weil der BFV das Spielrecht erst ab Beginn der neuen Saison erteilen wird“, wie Koch formulierte. Mit der Einschränkung, dass diese Regelung nur in Bayern gelte. „Problematischer wird es bei einem Wechsel ins Ausland oder in den Profibereich. Da ist eine bundesweite Lösung nötig.“

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